Hamburgs Bürgermeister über die Häfen

„Ich sehe die Häfen nicht in erster Linie als Konkurrenten“

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher hält auf dem 55. Bremer Kapitänstag die Festrede. Im Interview äußert er sich über die maritimen Wettbewerber an Weser und Elbe.
05.09.2019, 21:29
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
„Ich sehe die Häfen nicht in erster Linie als Konkurrenten“
Von Peter Hanuschke

Ist es für Sie als Hamburgs Bürgermeister ein besonderes Gefühl, auf dem Kapitänstag in Bremen die Festrede zu halten, zumal Sie in Bremen geboren sind?

Peter Tschentscher: Ja, ich bin in Bremen geboren und habe einige Jahre als Kind hier gelebt. Dadurch entsteht eine besondere Verbindung, auch wenn Hamburg natürlich meine Heimatstadt ist.

Herr Tschentscher, beenden Sie bitte den Satz: Hamburg ist der größte deutsche Seehafen, aber Bremerhaven …

… hat auch eine große wirtschaftliche Bedeutung für Deutschland und ist in einigen Segmenten sogar führend - wie beim Umschlag von Autos.

Sehen Sie beide Häfen als Konkurrenten oder mehr als notwendige Säulen und Motoren der deutschen Wirtschaft, die beide ihre absolute Berechtigung haben und von politischer Seite unterstützt werden müssen?

Konkurrenz belebt das Geschäft, heißt es, aber ich sehe die norddeutschen Häfen nicht in erster Linie als Konkurrenten. Sie haben unterschiedliche Profile und Stärken und arbeiten in grundlegenden Fragen gut zusammen. Gemeinsam können wir unsere Interessen als Hafenstädte im Bund und bei der Europäischen Kommission besser vertreten. Deshalb pflegen wir in Politik und Verwaltung auch den Dialog und Austausch – zum Beispiel im Rahmen des jährlichen Hafenentwicklungsdialogs oder bei der Konferenz Norddeutschland.

Lesen Sie auch

Dass Hapag-Lloyd zu Beginn dieses Jahres vier Liniendienste von Bremerhaven nach Hamburg abgezogen hat, hat in Bremen für Aufregung gesorgt. Der Vorwurf: Das ist durch politische Einflussnahme aus Hamburg eingefädelt worden. Können Sie diesen Vorwurf entkräften?

Ja. Wir nehmen in Hamburg grundsätzlich keinen Einfluss auf das operative Geschäft von Unternehmen.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Konkurrenz von Bremerhaven und Hamburg nicht im eigenen Land, sondern in Holland und Belgien sitzt. Welche Entwicklung haben die deutschen Seehäfen verschlafen?

Wir sind auf der Höhe der Zeit, aber die maritime Wirtschaft steht insgesamt vor neuen Aufgaben. Die Unternehmen müssen klimafreundlicher werden und die Digitalisierung nutzen, um ihre Effizienz und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Die norddeutschen Bundesländer haben eine gemeinsame Wasserstoffstrategie entworfen und verfolgen gemeinsame regenerative Energieprojekte im Programm NEW 4.0. In der Digitalisierung arbeiten wir so zusammen, dass alle die Erfahrungen der anderen nutzen können.

Reicht es aus, dass die Elbe in den nächsten Jahren vertieft wird und irgendwann vielleicht auch mal die Außenweser?

Mit der Fahrrinnenanpassung der Elbe ist der Hamburger Hafen in Zukunft auch für die größten Containerschiffe gut erreichbar. Die Größenentwicklung der Schiffe stößt mittlerweile auch an ihre Grenzen. Die wirtschaftlichen Vorteile werden immer kleiner, die Nachteile im operativen Betrieb und im Netzwerk der Logistik immer größer. Ich gehe davon aus, dass wir mit der aktuellen Elbvertiefung in Hamburg für die Zukunft gut aufgestellt sind.

Welche Perspektiven hat aus Ihrer Sicht der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven. Ein Projekt an dem Niedersachsen und Bremen beteiligt sind und Hamburg hätte auch mitmachen können. Wie sieht für Sie der Hafen der Zukunft aus?

Die Terminals müssen in Zukunft zu 100 Prozent CO₂-frei arbeiten. Durch eine Landstromversorgung der Container- und Kreuzfahrtschiffe können Schadstoffemissionen der Luft ganz vermieden werden. Das ist der Weg für die Häfen. Zugleich müssen wir die Reedereien mit umweltfreundlichen Kraftstoffen versorgen, also mit Flüssiggas LNG und in Zukunft vermutlich auch mit regenerativem Wasserstoff. Die umwelt- und klimafreundliche Technologieentwicklung muss an Land und auf den Schiffen Hand in Hand gehen.

Was hätten Sie gerne im Hamburger Hafen, was Bremerhaven hat?

(lacht) Da fällt mir nicht viel ein. Durch die direkte Lage an der Nordsee ist Bremerhaven besser erreichbar. Andererseits ist der lange Transportweg über die Elbe ins Landesinnere ein ökologischer und wirtschaftlicher Vorteil. Es gibt nämlich keinen umweltschonenderen und kostengünstigeren Transportweg als das Wasser.

Lesen Sie auch

Was würden Sie andersherum an die Seestadt abgeben?

Hamburg hat im letzten Jahr eine Umweltkomponente des Hafengeldes eingeführt. Das kann man auch anderen Häfen sehr empfehlen.

In welchen Häfen machen Sie lieber eine Hafenrundfahrt beziehungsweise haben Sie überhaupt schon mal eine gemacht?

Ich habe schon Hafenrundfahrten in Bremen gemacht und bin sehr oft im Hamburger Hafen unterwegs – zuletzt auf einer Barkasse mit dem chinesischen Vizepräsidenten und danach noch einmal mit Schnellbooten von Greenpeace.

Die Fragen stellte Peter Hanuschke.

Info

Zur Person

Peter Tschentscher (53) war als Arzt tätig, bis er 2011 Hamburgs Finanzsenator wurde und später auf Olaf Scholz als Bürgermeister folgte. Am Freitag kommt der SPD-Politiker zum Kapitänstag nach Bremen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+