Wie es um deutsche Warenhäuser steht Kaufhof will Gehälter kürzen

Die Warenhauskette Kaufhof kämpft mit sinkenden Umsätzen. Erste potenzielle Käufer stehen offenbar schon bereit. In Bremen werden diese Entwicklungen mit besonderem Interesse verfolgt.
11.10.2017, 05:25
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Kaufhof will Gehälter kürzen
Von Maren Beneke

Es kann nur einen geben. Nirgends scheint so viel Wahrheit hinter diesem Satz zu stecken, wie in Bremen. Denn noch immer sind hier die beiden Großen vertreten, Karstadt und Kaufhof, die Eingänge nur wenige Fußminuten voneinander entfernt. Beide Warenhäuser zusammengenommen stehen für mehr als ein Drittel der gesamten Einzelhandelsfläche in der Innenstadt.

Doch wie sollen die Konzerne nebeneinander bestehen, wie soll eine City lebendig bleiben, wenn offenbar immer weniger Menschen Warenhäuser besuchen wollen? Eine Frage, die sich längst nicht nur in Bremen, sondern in allen Städten stellt, in denen es noch Warenhäuser gibt. In der Vergangenheit mussten die beiden großen Ketten immer wieder schmerzhafte Einschnitte hinnehmen.

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Bei Kaufhof droht nun die nächste Zäsur: Weil die Umsätze zurückgehen und der Warenhauskonzern rote Zahlen schreibt, müssen die insgesamt etwa 21.000 Mitarbeiter mit weniger Lohn und Gehalt rechnen. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ will Kaufhof die Einkommen um drei bis fünf Prozent kappen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld für drei Jahre streichen und die Arbeitszeit wieder auf 40 Stunden pro Woche erhöhen.

Im Gegenzug bietet Kaufhof-Chef Wolfgang Link den Beschäftigten eine Verlängerung der im nächsten September auslaufenden Arbeitsplatzgarantien an. In Bremen wird es die gut 150 Angestellten treffen, die in dem Haus an der Papenstraße beschäftigt sind. Vor 20 Jahren arbeiteten bei Kaufhof noch mehr als 500 Menschen.

Marktanteile wandern ins Internet ab

Link hat eine Begründung dafür, warum es seinem Unternehmen, das zur kanadischen Hudson‘s Bay (HBC) gehört, so schlecht geht. Zum einen leide Kaufhof darunter, dass die meisten Konkurrenten im Unterschied zum Kölner Traditionsunternehmen ihre Mitarbeiter schon lange nicht mehr nach dem Flächentarifvertrag bezahlten.

„Unser Ziel ist es, das Unternehmen wieder nachhaltig profitabel zu machen und für die Zukunft eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur einschließlich der Löhne zu schaffen“, sagt Link. Vor allem aber verweist er auf den dramatischen Strukturwandel, darauf, dass Marktanteile ins Internet abwanderten.

Deswegen würden immer weniger Menschen die Innenstädte besuchen, die Gewinnspannen gingen zurück. Daran müsse sich Kaufhof wie der gesamte Markt anpassen. Neu sind diese Erkenntnisse nicht, den Online-Handel gibt es nicht erst seit gestern. Die Frage ist vielmehr, mit welchen Konzepten der stationäre Einzelhandel dagegen angeht.

Spektakuläre Inszenierung online wie offline

Das „Handelsblatt“ etwa zitiert aus einer Studie des Branchenberatungsunternehmens Hachmeister und Partner. Die deutschen Warenhäuser schneiden dabei den Angaben zufolge alles andere als gut ab. „Karstadt und Kaufhof sind weit weg von dem, was nach internationalen Maßstäben möglich wäre“, wird Geschäftsführer Michael Hauf zitiert.

In Großbritannien etwa macht die Kette Selfridges demnach mit nur vier Filialen einen Umsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro bei einem Gewinn von fast 180 Millionen Euro. Das Geheimnis? Ein schlankes, hochwertiges Sortiment, das spektakulär inszeniert wird – online wie offline.

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Der Kette John Lewis, die im mittleren Segment einzuordnen ist, bescheinigen die Berater laut der Zeitung ebenfalls eine glänzende Zukunft. Auch, weil sie online gut aufgestellt ist. Kaufhof und Karstadt könnten sich davon einiges abgucken, sagt Hauf. Tatsächlich ist es erst gut zwei Jahre her, dass die Kaufhof-Kette den Besitzer wechselte.

Metro verkaufte, Hudson’s Bay übernahm. HBC-Chef Richard Baker strotzte damals noch vor Selbstbewusstsein. „Wir wollen Kaufhof dabei unterstützen, überall das beste Warenhaus zu sein“, sagte er. Innerhalb von fünf Jahren wollte er im Kaufhaussegment den Umsatz um 30 Prozent steigern. Ein Ziel, das Baker ganz offensichtlich verfehlt hat. Denn nicht nur Kaufhof, sondern auch HBC liefert Quartal um Quartal schlechte Ergebnisse.

Weitere Investitionen in Kaufhof

Branchenkenner wollen dafür aber nicht nur den steigenden Druck durch den Online-Handel verantwortlich machen. Unter der kanadischen Führung habe das Unternehmen mit aggressiven Rabattaktionen Marge verschleudert, heißt es etwa in der „Wirtschaftswoche“. Außerdem seien von den 59 Warenhausimmobilien, die HBC übernommen habe, 41 Standorte an ein Gemeinschaftsunternehmen von HBC und einen US-Immobilienkonzern weiterverkauft worden.

Die neuen Besitzer hätten die Mieten kräftig erhöht und so seien vor allem die zusätzlichen Mietbelastungen dafür verantwortlich, dass Kaufhof in den ersten fünf Jahren rote Zahlen in zweistelliger Millionenhöhe verbuchen musste. Das Magazin bezieht sich auf interne Informationen.

Trotz alledem gibt es nun ein neues Versprechen. Kaufhof-Chef Link, dem nachgesagt wird, er wolle seinen Posten bei der deutschen Warenhauskette aufgeben und sich stattdessen auf die Rolle als HBC-Europa-Chef beschränken, kündigt an, dass HBC weiter in Kaufhof investieren möchte.

Besonderes Interesse in Bremen

Ziel sei, dem Unternehmen eine „wirtschaftliche Atempause“ zu verschaffen, bis die Wachstumsmaßnahmen Wirkung zeigten. Es werde aber noch Zeit brauchen, bis diese ihre volle Wirkung entfalten könnten. Während HBC nach eigenen Angaben weiter an Kaufhof festhalten will, stehen offenbar längst schon andere potenzielle Investoren parat.

Erst vor gut einem Monat hatte der HBC-Aktionär Land und Buildings nach einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ erklärt, ein möglicher Käufer mit „ernsthaftem Interesse“ für Kaufhof stehe bereit. Auch über die Deutsche Warenhaus AG, einen Zusammenschluss mit Karstadt, wurde zuletzt wieder spekuliert. Wie es am Ende tatsächlich mit Kaufhof weitergeht, das dürfte in Bremen mit besonderem Interesse verfolgt werden.

Der Kaufmann Kurt Zech will die Innenstadt neu gestalten, dafür will er das Parkhaus Mitte kaufen und abreißen. In direkter Nachbarschaft des Parkhauses sind die Warenhäuser Karstadt und Kaufhof. Beide sollen in die Pläne miteinbezogen werden. Wer weiß? Vielleicht bleibt am Ende zumindest in Bremen nur einer übrig.

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