Bremen-Findorff

Kleingärten sollen Gewerbe weichen

Bremen. Die Gewerbegebiete Bayernstraße in Findorff, Steindamm in Grambke und Hansalinie am Bremer Kreuz sollen erweitert werden. Dies sieht das "Gewerbeentwicklungsprogramm 2020" vor. Das birgt Konfliktpotenzial.
23.01.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Kleingärten sollen Gewerbe weichen
Von Michael Brandt

Bremen. Die Gewerbegebiete Bayernstraße in Findorff, Steindamm in Grambke und Hansalinie am Bremer Kreuz sollen erweitert werden. Dies sieht das "Gewerbeentwicklungsprogramm 2020" vor. Das birgt Konfliktpotenzial. Denn: Damit die Gewerbefläche Bayernstraße in Findorff um 20 Hektar wachsen kann, müssten Kleingärten weichen. Der Bereich ist vor allem wegen seine Nähe zum Stadtzentrum und der Autobahn-Anbindung interessant.

Jürgen Pohlmann, SPD-Abgeordneter und Sprecher der Baudeputation, sagte: "Dieser Entwurf der Verwaltung ist mit uns überhaupt noch nicht abgestimmt." Eine Erweiterung könne nur mit einem breiten Beteiligungsverfahren und im Konsens mit der Stadtteilpolitik geschehen.

Einige Gewerbeflächen im Stadtgebiet werden nicht mehr gebraucht. Zu diesem Schluss kommt das „Gewerbeentwicklungsprogramm 2020“, das bereits seit Monaten in den Schreibtischen der Regierungskoalition schlummert. Zum Beispiel soll das geplante Projekt Nord-West-Zentrum am Autobahndreieck Industriehäfen nicht mehr verwirklicht werden. Einige Gewerbegebiete sollen aber auch wachsen – und das birgt Konfliktpotenzial.

Das Gewerbegebiet Bayernstraße in Findorff ist offenbar ein Dauerbrenner. Dazu tragen die Lage nah am Stadtzentrum und die direkte Autobahn-Anbindung bei. So heißt es in dem Bericht, dass schon einmal ab 2001 Flächen hinzugekommen sind. Und davon ist heute kaum noch etwas übrig. 1,2 Hektar sind jetzt noch vermarktbar, nicht mehr als ein kleiner Rest angesichts einer Gesamtgröße von 47 Hektar. Wenn in diesem Jahr weitere Erschließungsarbeiten erledigt sind, kommen noch einmal 3,2 Hektar hinzu.

Das aber reicht den Wirtschaftsförderern der Stadt nicht. Es wird darüber nachgedacht, das Gewerbegebiet Bayernstraße um 20 Hektar bis zur Autobahn zu erweitern. Problem: Dort befindet sich ein Kleingartengebiet.

Jürgen Pohlmann, Waller SPD-Abgeordneter und Sprecher der Baudeputation, deutet an, dass diese Planung nicht ganz konfliktfrei verlaufen könnte. Er sagt: „Dieser Entwurf der Verwaltung ist mit uns überhaupt noch nicht abgestimmt.“ Wenn über eine solche Erweiterung nachgedacht werde, könne dies nur mit einem breiten Beteiligungsverfahren geschehen und im Konsens mit der Stadtteilpolitik.

Auch das Gewerbegebiet Steindamm in Bremen-Nord soll wachsen. Das Gebiet gilt als attraktiv vor allem für kleine und mittlere Betriebe. Derzeit können dort allerdings laut Programm nur noch zwei Hektar vermarktet werden. Also schlägt die Wirtschaftsbehörde vor: Das Gebiet könnte in Richtung Autobahn erweitert werden. Allerdings bahnen sich auch hier Probleme an, vor allem mit dem Naturschutz. Denn zwischen A27, Lesum und Steindamm befinden sich heute grüne Wiesen. So wird schon einmal vorsorglich darauf hingewiesen, dass bei den weiteren Überlegungen die „Erlebbarkeit des Lesumufers“ und Freiraum-Korridore bedacht werden sollten.

Ralph Saxe, Wirtschaftspolitiker der grünen Fraktion bestätigt: „In diesem Punkt haben wir Diskussionsbedarf.“ Aufgrund der geringen Größenordnung geht er aber davon aus, dass diese Probleme lösbar sind. Grundsätzlich, so Saxe, sei eher bemerkenswert, wie wenig Konfliktpotenzial das Gewerbentwicklungsprogramm im Vergleich zu früheren Debatten biete.

Auch beim größten Gewerbeflächen-Projekt steht, wie berichtet, eine Erweiterung an. Bereits im vergangenen September haben die Deputierten den Bauabschnitt 2 für das Gewerbegebiet Hansalinie beschlossen. Die Erschließung ist mit elf Millionen Euro veranschlagt.

Nutzung für Windräder

Zwei Veränderungen stehen hier aber an: Zum einen soll geprüft werden, ob die Bauabschnitte 4 und 5, bis sie tatsächlich für Firmenansiedlungen gebraucht werden, für Windparks genutzt werden können. Die Rede im Programm ist von einer „Zwischennutzung“, Saxe spricht von vielleicht 20 Jahren. Zum anderen waren Logistikbetriebe bisher von einer Ansiedlung an der Hansalinie ausgeklammert, weil der Schwerpunkt Logistik des GVZ nicht geschwächt werden sollte. Diese inhaltliche Trennung, so steht es im Programm, soll jetzt möglichst schon mit dem zweiten Bauabschnitt aufgegeben werden.

Grundsätzlich legt das Gewerbeentwicklungsprogramm aber keinen Schwerpunkt auf Erweiterung der Flächen. Stattdessen wird wiederholt betont, dass Brachen im städtischen Raum genutzt und leerstehende Immobilien wieder belebt werden sollen. Zum Stichtag Mitte vergangenen Jahres standen rund 170 Hektar für die Vermarktung an Interessenten zur Verfügung. Das ist offenbar zu viel. So soll mittelfristig lediglich eine Vorratsfläche von rund 100 Hektar bereitgehalten werden, um auf Anfragen reagieren zu können. Das entspricht ungefähr dem dreifachen des jährlichen Flächen-Umsatzes.

Eigentlich sollte das „Gewerbeentwicklungsprogramm 2020“ bereits in der vergangenen Legislaturperiode beschlossen werden. Dann allerdings verschwand das umfassende Papier im Ringen um einen neuen Flächennutzungsplan wieder in den Schubladen. Holger Bruns, Sprecher von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD), bestätigt nun, dass das Ressort die internen Arbeiten an dem 70-Seiten-Programm abgeschlossen hat. Jetzt sollen Abstimmungsgespräche mit den Abgeordneten folgen, und im März soll das Programm in den Deputationen beraten werden. Bruns rechnet mit großer Übereinstimmung. Sollte es bei einzelnen Gewerbegebieten Probleme geben, so sei dies lösbar.

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