Korn aus dem Weserstadion "Wir wollen schöne Geschichten erzählen"

Das Schnapslabel Nork lagert seinen Korn an besonderen Orten in der Stadt. In der vergangenen Saison reifte einer unter der Ostkurve im Weserstadion. Nun liegt ein Fass an Deck eines Bremer Schiffs. Warum?
13.08.2022, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Lisa Schröder

Herr Dallmeyer, in den Katakomben unter der Ostkurve reifte in der Aufstiegssaison von Werder ein Korn von Nork – vom Unentschieden gegen Hannover bis zum Sieg über Regensburg. Wie kommt man auf die Idee, Schnapsfässer in einem Fußballstadion zu lagern?

Johann Dallmeyer: Tatsächlich standen wir mit Werder seit einigen Jahren immer wieder in Kontakt. Ich bin ein großer Fan. Als der Abstieg besiegelt war, kam uns nach dem ersten Schock der Gedanke: Wie können wir jetzt nach vorne gucken? Wie können wir aus dieser – hoffentlich einmaligen – Saison etwas Besonderes machen? Die Idee ist aus einem Gefühl der Leere entstanden.

Haben Sie oft in der Ostkurve mitgefiebert – quasi ein paar Meter über Ihren eigenen Fässern?

Ich war in der Saison häufiger im Stadion als sonst und habe meinen kleinen Beitrag zum Aufstieg geleistet.

Der Korn war in kürzester Zeit ausverkauft. Haben Sie damit gerechnet?

Irgendwie ja und nein. Uns war schon klar, dass Werder eine Riesenmarke ist. Insofern waren die 921 Flaschen, die es am Ende geworden sind, im Verhältnis eine kleine Zahl. Doch wie die Idee angenommen wird, im Stadion gereiften Korn zu verkaufen für einen nicht ganz günstigen Preis? Da waren wir uns bis zum Schluss nicht sicher. Wir waren umso glücklicher, dass diese schöne Geschichte verstanden wurde.

Wie teuer war die Flasche?

39,90 Euro – aber bei dem ganzen Aufwand für so eine Kleinmenge, allein mit der Fasslogistik, war das sehr fair.

Ist der Kurvenkorn gelungen?

Geschmacklich ist der Korn auf jeden Fall erstklassig! Das Besondere an der Fasslagerung ist ja: Man weiß vorher nicht, was dabei rauskommt. Ich war also schon sehr erleichtert, als ich im Frühjahr die erste Fassprobe gezogen habe, dass es in eine richtig gute Richtung geht. Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Korn unterliegt einem Reinheitsgebot. Damit darf man also nicht viel machen – außer ihn in Holzfässern zu veredeln. Wir dürften den Korn aber zum Beispiel nicht aromatisieren.

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An diesem Sonnabend ist das erste Heimspiel. Liegen wieder Fässer von Nork unter der Ostkurve?

Ganz in der Tradition des ersten Kurvenkorns, bleibt das ein Geheimnis.

Haben Sie anderswo ein Lager aufgeschlagen – etwa im kühlen Dom?

Wir haben viele weitere Ideen für die Fasslagerung. Über den kühlen Dom haben wir auch schon nachgedacht. Unser neustes Projekt ist die Kooperation mit der "Alexander von Humboldt" – ein aus Bremer Sicht historisch bedeutendes Schiff und gleichzeitig weltbekannt. Heute liegt es an der Schlachte. Seit mehreren Monaten befindet sich an Deck ein Fass, im Gegensatz zum Kurvenkorn ganz öffentlich zum Anfassen.

Wie wichtig ist es eigentlich für ein Schnapslabel, eine Geschichte zu erzählen, wie die vom Kurvenkorn?

Gerade für ein so junges Schnapslabel ist die Story wahrscheinlich fast das Wichtigste. Wir wollen schöne Geschichten erzählen. Das macht auch uns mehr Spaß. Warum sollte man den Korn in irgendeinem Lager reifen lassen, wenn man auch mit Partnern zusammenarbeiten kann? Der Kurvenkorn ist für uns der bestmögliche Auftakt gewesen, den man in Bremen als Werder-Fan überhaupt erreichen kann. Wir freuen uns auf weitere Projekte. Der Lagerungsort wirkt sich ja auch tatsächlich auf den Geschmack aus. Wir sind bei der "Alexander von Humboldt" sehr gespannt. Das Fass, indem sich zuvor Bordeaux und später Gin befand, liegt auf dem Deck über dem alten Kartenhaus – wo früher die Seekarten gelesen wurden. Es ist der Witterung total ausgesetzt, ob der Hitze oder Kälte. Das wird man schmecken.

Seit fast sechs Jahren besteht Nork. Es gab einen Hype um Korn. Wie hat sich die Nachfrage bis heute entwickelt?

Das Interesse steigt, der Korn wird immer präsenter, aber auf einem niedrigen Level. Korn ist nicht der neue Gin geworden, was vor Jahren prophezeit wurde. Es gibt immer noch eine große Skepsis – und eine Menge Überzeugungsarbeit zu leisten. Unser Ziel ist, dass man wirklich überall, auch in der Großstadt, einen Korn bestellen kann, ohne schief angeguckt zu werden. Die Spirituose kann, genau wie jede andere, sehr hochwertig genossen werden. Wir haben uns über jeden Mitbewerber gefreut, der sich unserer Mission angeschlossen hat, aber einige schon wieder gehen sehen. Wir wollen auf jeden Fall weitermachen. Der Korn ist immer noch mit Vorurteilen behaftet.

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Heute verkaufen Sie auch Liköre – als zweites Standbein also?

Ja. Der Likör auf Basis unseres Korns verkauft sich leichter. Das gibt uns auch finanziellen Spielraum für unsere Mission.

Für den Schnaps braucht es Weizen. Wie trifft Sie die im Moment angespannte Lage beim Getreide? Und wie treffen Sie auch generell Preiserhöhungen?

Das Kernprodukt Weizen ist fast noch am unproblematischsten. Wir haben auch da jetzt erste Preiserhöhungen hinnehmen müssen. Doch alles ist deutlich teurer geworden: ob das Glas, Papier für Kartons oder die Deckel. Unsere Brennerei im Münsterland hat schon Preiserhöhungen angekündigt. Schließlich braucht eine Brennerei viel Energie.

Im Moment trifft die Inflation viele Menschen. Spüren Sie das ebenso? Die Flaschen kosten ja etwas mehr. Der Doppelkorn liegt etwa bei fast 25 Euro im Onlineshop.

Im Juni haben wir das gespürt. Wir sind erstmals in den sechs Jahren in diesem Monat nicht gewachsen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Wir sind immer noch winzig klein. Wachsen ist da einfach. Im Juni ist die Nachfrage jedoch gesunken. Das soll uns noch nicht zu sehr verunsichern, aber es spielt für die Planung des Weihnachtsgeschäfts schon eine Rolle. Wir spüren die Zurückhaltung genauso bei Händlern auf Messen.

Sie und Ihre Schwester arbeiten weiter in Ihren Berufen. Wie funktioniert das?

Dass wir Nork immer noch betreiben, liegt auch daran, dass wir noch echte Jobs haben, womit wir unsere Miete zahlen. Die Durchhaltekraft ist höher. Wir haben viele Aufgaben abgegeben – zum Beispiel den Versand und den Vertrieb an den Einzelhandel und die Lokale. Das Modell hat sich bewährt.

Wie trinken Sie Ihren Korn?

Ich trinke ihn gerne pur und bei Zimmertemperatur. Wir haben aber bei unseren beiden Körnern sehr auf die Mixability geachtet. Damit lassen sich als auch Drinks und Cocktails machen.

Das Gespräch führte Lisa Schröder.

Zur Person

Johann Dallmeyer

hat das Unternehmen mit seiner Schwester Ann-Katrin gegründet. Seit 2016 verkauft Nork Korn und mittlerweile auch Liköre über einen Onlineshop. Die Marke vertreibt ihre Schnäpse zudem an Geschäfte, Supermärkte und Lokale in Bremen. Dallmeyer ist eigentlich im öffentlichen Dienst tätig. Seine Schwester arbeitet als Grafikerin.

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