Bremer Konjunkturgespräch

Leichtes Plus für Bremens Wirtschaft

Der Rückgang des Wirtschaftswachstums in Deutschland hat sich in Bremen im vergangenen Jahr nicht so bemerkbar gemacht, wie es erwartet worden ist. Das zeigte sich beim Bremer Konjunkturgespräch.
14.01.2020, 20:55
Lesedauer: 2 Min
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Leichtes Plus für Bremens Wirtschaft
Von Peter Hanuschke
Leichtes Plus für Bremens Wirtschaft

Bremen hat einen hohen Anteil an Industrieproduktion – vor allem im Bereich Fahrzeugbau. Daneben ist am Standort die Luft- und Raumfahrt, wie etwa Airbus Defence and Space, wichtig.

INGO WAGNER

Konjunkturzyklen verlaufen bekanntlich in Wellen, die sehr unterschiedlich ausfallen können. Und je nachdem, welche Bewegung sie haben, wirkt sich das insbesondere in Bremen aufgrund der relativ hohen Exportquote häufig deutlicher aus als in anderen Bundesländern. Der Rückgang des Wirtschaftswachstums in Deutschland habe sich in Bremen im vergangenen Jahr aber nicht so bemerkbar gemacht, wie es vielleicht erwartet worden sei, stellte Andreas Cors fest. Cors ist Abteilungsleiter beim Statistischen Landesamt. Das ist zusammen mit dem Lehrstuhl Volkswirtschaftslehre der Bremer Universität Ausrichter des Bremer Konjunkturgesprächs, das am Dienstag zum 15. Mal im Rathaus stattgefunden hat. Hauptreferent war Roland Döhrn, Leiter des Kompetenzbereichs „Wachstum, Konjunktur, öffentliche Finanzen“ am RWI Leibniz-Institut.

Im vergangenen Jahr schien es lange so, als würde in Deutschland der Wellenkamm des seit zehn Jahren anhaltenden Wirtschaftswachstums erreicht sein. Das RWI geht beim preisbereinigten Bruttoinlandsprodukt nun aber noch von einem geringen Wachstum von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Auch wenn das Statistische Bundesamt erst an diesem Mittwoch die Zahlen veröffentliche, könne der Wert von 0,5 Prozent durchaus so stehen bleiben, bemerkte Cors.

Und das Wachstum soll weitergehen – zumindest leicht: Das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung erwartet für 2020 ein Plus von 1,1 Prozent. Im Folgejahr geht das RWI von einer Steigerung von 1,5 Prozent aus, so Döhrn. Dass es im vergangenen Jahr nicht zu einem Minus gekommen sei, sei vor allem auf die nach wie vor boomende Baukonjunktur zurückzuführen. Ebenso sei der Dienstleistungssektor weiter gewachsen. Die Bauwirtschaft bewege sich an der Grenze ihrer Kapazitätsauslastung. Die weiterhin hohe Auftragslage in diesem Bereich werde die Konjunktur auch in diesem und im nächsten Jahr stabilisieren.

Dass es nicht zu einem Konjunkturaufschwung von mehr als zwei Prozent komme, wie teilweise in den Jahren zuvor, liege vor allem daran, dass sich der Anstieg der Industrieproduktion verlangsamt habe. Eine der Hauptgründe dafür sei der weltweit deutlich zu verzeichnende Rückgang bei Pkw-Neuzulassungen, so Döhrn. Der Welthandel bewege sich insgesamt mehr seitlich. Die Anlageinvestitionen seien zurückgegangen und das mache sich unmittelbar bei der Industrieproduktion bemerkbar. Insgesamt sei eine flaue Weltkonjunktur zu beobachten, was sich auch beim globalen Containerumschlag widerspiegele, der in den vergangenen Monaten zurückgegangen sei.

Es gebe globale Unsicherheiten, die auch in der nächsten Zeit sicherlich bestehen blieben. „Dafür wird schon ein Herr im Weißen Haus sorgen, der mal das eine oder andere twittern wird“, sagte Döhrn. Und eine solche Verunsicherung dämpfe die Investitionsbereitschaft von Unternehmen. Das werde sich auch auf den deutschen Export auswirken, der sehr auf Investitionsgüter ausgelegt sei. Dass das RWI dennoch von einem Plus von 1,1 Prozent in diesem Jahr ausgehe, sei darauf zurückzuführen, dass es in diesem Jahr mehr Arbeitstage gebe. Dieser Arbeitstageeffekt mache 0,4 Prozent des Zuwachses aus. Die Steigerung 2021 liegt aus Sicht des RWI vor allem an dem zum Großteil wegfallenden Solidaritätsbeitrag.

Bremen stehe überraschend gut da, obwohl es hier einen hohen Anteil an Industrieproduktion vor allem durch Fahrzeugbau gebe, wozu neben der Autoproduktion auch die Luft- und Raumfahrt zählt, sagte Cohrs. War das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorjahreszeitraum in der ersten Jahreshälfte noch um 0,4 Prozent zurückgegangen, werde es in Bremen insgesamt ein leichtes Plus geben.

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