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Wie die App Patavinus beim Wiederfinden von Sachen hilft

Verlieren wir einen Schlüssel oder unser Portmonee ist das sehr ärgerlich. Das findet auch Moritz Armbrust, der mit der App Patavinus, verlorene Dinge wieder auffindbar macht.
30.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Wie die App Patavinus beim Wiederfinden von Sachen hilft
Von Elena Matera

Ein Schlüsselbund zu verlieren, ist ärgerlich und kann teuer werden – das weiß Moritz Armbrust nur zu gut. Vor zwei Jahren hat er selbst seine Schlüssel vor einer Bar im Bremer Viertel verloren. Das Bund ist ihm aus der Tasche gefallen, erzählt er. Als Armbrust zwanzig Minuten später an den Ort zurückkehrte, war das Schlüsselbund verschwunden. Es war nachts und ein Feiertag. Armbrust blieb nichts anderes übrig, als einen Schlüsseldienst zu rufen. Mehr als 600 Euro habe er damals gezahlt. „Das war viel zu teuer“, sagt der 33-Jährige. „So wie mir ergeht es vielen. Täglich verlieren Menschen Dinge.“

Armbrust hat sich damals überlegt, dass man Verlierer und Finder schnell und einfach zusammenbringen müsste – ganz ohne Umwege über die Polizei oder das Fundbüro. Aus seiner Idee entstand schließlich die App Patavinus. Anfang 2019 gründete er das Start-up gemeinsam mit dem befreundeten Entwickler Marc Gerken, der mittlerweile in Flensburg wohnt, und mit den beiden Designern Sebastian Mildenberger und Steffen Kirschner aus Nürnberg.

Wertgegenstände werden mit QR-Code ausgestattet

Das Prinzip der App: Wertgegenstände wie Schlüssel, Portemonnaies oder Smartphones werden mit einem QR-Code gekennzeichnet, der in der App Patavinus hinterlegt ist. Wenn der Gegenstand verloren geht, kann der Finder den QR-Code mit seinem Smartphone scannen und landet automatisch in einem anonymen Chat mit dem Besitzer des Gegenstands. „So kann man ganz unkompliziert Kontakt aufnehmen und ein Treffen vereinbaren“, sagt Armbrust. „Es war mir dabei sehr wichtig, dass der Finder sich nicht erst eine App herunterladen muss und dass keine persönlichen Daten gespeichert werden.“

Die App Patavinus ist kostenlos. Über den Online-Shop können sich die Nutzer entweder Schlüsselanhänger oder Aufkleber mit den aufgedruckten QR-Codes kaufen. Die Aufkleber können unter anderem auf Smartphones, Koffer, Portemonnaies oder Taschen geklebt werden. Die Anhänger kommen an den Schlüsselbund. Sie können aber auch an Halsbänder von Hunden und Katzen angebracht werden. „Tiere büchsen ja auch gerne mal aus“, sagt Armbrust. Die Anhänger gibt es in verschiedenen Designs. Das beliebteste Design ist die Aufschrift „Wenn gefunden: Besitzer kontaktieren.“

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In Nürnberg fand im vergangenen Jahr ein erster größerer Test mit 100 Schlüsselattrappen statt. Dabei haben die vier Gründer die vermeintlichen Schlüssel in der Stadt verteilt. 70 Schlüssel sind in den ersten Stunden zurückgekommen. Auch wenn die Finder vorher noch nie etwas von Patavinus gehört hatten, haben sie intuitiv den QR-Code eingelesen, erzählt Armbrust. Denn direkt über den Codes stehe: Contact Owner, übersetzt: Kontaktiere Besitzer. „Das war ein voller Erfolg“, sagt Armbrust. „Verlorene Gegenstände kommen einfach und schnell zurück.“ Auch auf der letzten Breminale habe er den Test gemacht – mit der gleichen Quote. 70 Prozent der Schlüssel fanden zu Armbrust zurück.

Mittlerweile nutzen mehr als 2000 Menschen die Patavinus-App. „Noch verdienen wir nicht wirklich damit“, sagt Armbrust. Die meisten Einnahmen würden die vier Gründer mit dem Verkauf von Anhängern an Unternehmen machen, die diese als Werbeartikel einsetzen. Erst im vergangenen Jahr hat Armbrust tausende Anhänger an die Sparkasse Bremen verkauft. Doch seit Corona ist das Geschäft eingebrochen. Messen wurden abgesagt und auch sonst werden die Anhänger als Werbeartikel viel weniger verkauft, als es noch vor der Krise der Fall war.

Zweites Start-Up ins Leben gerufen

Patavinus läuft laut Armbrust bislang noch nebenher. Der 33-Jährige arbeitet hauptberuflich als Anforderungsmanager bei einem Bremer Software-Unternehmen. Mittlerweile hat er seine Stundenanzahl dort allerdings stark reduziert. Der Grund ist nicht nur Patavinus, sondern auch sein zweites Start-up Friedhold, das er dieses Jahr mit seinem Bruder Carl Armbrust ins Leben gerufen hat. Die beiden Brüder bieten mit ihrem Start-up Landwirten an, ihnen einen digitalen Hofladen zu erstellen. So können diese ihre Produkte vom Hof direkt online vermarkten. „Wir hoffen, dass viele Landwirte mit uns zusammenarbeiten ­wollen“, sagt Armbrust. Für das Start-up hätten sie bereits ein Gründerstipendium er­halten.

Auch sein zweiter Bruder Nicolaj Armbrust ist ein Gründer. Bereits 2001 baute dieser die Plattform Traum-Ferienwohnungen auf – mit Erfolg. Seit gut einem Jahr gehört die Plattform zu Oyo Hotels & Homes aus Indien – und damit zu einem weltweiten Anbieter von Hotels, Ferienhäusern und -wohnanlagen. Nicolaj Armbrust und sein Team haben ihre Anteile ebenfalls an Oyo verkauft.

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„Das Gründen liegt uns allen schon sehr“, sagt Moritz Armbrust. „Aber es ist auch harte Arbeit. Man muss schon sehr viel dafür geben. Die Produktentwicklung ist zeitintensiv. Aber es macht uns allen dreien sehr viel Spaß.“ Er erhalte Unterstützung und Tipps von seinen Geschwistern. Die drei Brüder teilen sich mit ihren Start-ups auch ein gemeinsames Büro am Altenwall.

Patavinus habe das Potenzial, erfolgreich zu werden, sagt Armbrust. „Patavinus ist nützlich im Alltag. Jeder Mensch verliert Dinge“, so der Gründer. „Ich hoffe, dass sich die Idee noch weiter verbreitet, deutschlandweit.“

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