Made in Bremen

Manche mögen’s heißgeklebt

Klebe hält Kartons, Bücher, Displays oder Autotüren zusammen. Die Bremer Firma Bühnen hat mehr als 3000 verschiedene Rezepturen für Klebstoffe im Angebot. 4800 Tonnen dieser Stoffe werden jedes Jahr verkauft.
09.02.2019, 20:16
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Manche mögen’s heißgeklebt
Von Olga Gala
Manche mögen’s heißgeklebt

Am häufigsten verkauft die Firma Bühnen Heißklebepistolen. Jan Hunke (links) und Bert Gausepohl leiten das Unternehmen.

Karsten Klama

Klebe ist eine super Sache. Davon ist Bert Gausepohl überzeugt. Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt er sich hauptberuflich damit, obwohl er eigentlich Jurist ist. Daher weiß er: Klebe taugt nicht nur zum Basteln in der Grundschule, sondern kann jede Menge: Kartons, Bücher, Displays und Autotüren zusammenhalten etwa. Mehr als 3000 verschiedene Rezepturen für Schmelzklebstoffe hat die Bremer Firma Bühnen im Angebot. Gemeinsam mit Jan Hunke leitet Bert Gausepohl das Unternehmen. Der Name des Produkts ist Programm: Der Klebstoff wird erhitzt, schmilzt bei einer bestimmten Temperatur und kann dann verarbeitet werden.

Im Jahr verkauft Bühnen 4800 Tonnen verschiedener Schmelzklebstoffe, 75 000 Heißklebepistolen und mehr als 450 Tankanlagen. Die Kunden sind vor allem mittelständische Betriebe. Seit fast 100 Jahren besteht das Bremer Traditionsunternehmen. Der Großteil der Anteile gehört den Nachfahren – mittlerweile in dritter und vierter Generation – des Gründers Heinrich Bühnen. Im operativen Geschäft sind die Erben allerdings nicht mehr aktiv. Seit Beginn des Jahres ist Gausepohl zudem Mitgesellschafter. Der Großteil des Geschäfts bleibt jedoch weiterhin in Familienhand. Daran werde sich auch nichts ändern, sagt Gausepohl.

Eine Branche mit Zukunft

1922 gründete Heinrich Bühnen einen kleinen Handwerksbetrieb und reparierte zunächst vor allem Möbel. In den 1950er-Jahren übernahm sein Sohn Heinz Bühnen die Firma und baute sie zum Spezialisten für Klammer-, Nagel- und Schraubtechnik aus. In den 1970er-­Jahren kam die Klebetechnik hinzu.

Lesen Sie auch

Nach dem Wachstum der vorherigen Jahrzehnte mit immer neuen Geschäftsfeldern, entschließen sich die Verantwortlichen bei Bühnen Anfang der 2000er-Jahre, sich auf eine Branche zu konzentrieren. Dort sehen sie die Zukunft ihres Unternehmens. Seitdem setzt Bühnen auf das Kleben, alle anderen Geschäftsbereiche wurden verkauft. Ein großer Einschnitt für die Firma. Gausepohl sagt: „Die strategische Neuausrichtung zu dem Zeitpunkt war notwendig und zeigt, dass es der richtige Schritt war, um das Unternehmen zu entwickeln.“

Knapp 100 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen heute. Der Großteil arbeitet am Bremer Standort. Neben dem Firmensitz hat Bühnen auch eine Niederlassung in Polen sowie Mitarbeiter in zahlreichen weiteren europäischen Ländern. Die rund 5000 Kunden sind weltweit verstreut – Bühnen exportiert seine Ware in 52 Länder.

Nicht nur Klebstoffe, sondern auch Anlagen

Das Besondere an Bühnen sei, dass die Firma nicht nur Klebstoff, sondern auch Anlagen verkaufe, sagt Hunke. Zu Letzteren zählen die Heißklebepistolen und Tankanlagen – je nach Bedarf der Kunden. Floristen etwa benötigen Klebstoff regelmäßig für ihre Gestecke. Jedoch reicht ihnen eine kleinere Heißklebepistole. Die Baubranche und Verpackungsindustrie hat hingegen einen hohen Bedarf an Klebstoff:

Da biete sich eine Tankanlage an. 200 Liter fasst der größte von Bühnen produzierte Tank. Genauso wie in der Pistole wird dort der Klebstoff erwärmt, bis er flüssig wird. Dann könne er verarbeitet werden, sagt Hunke. Ein Teil der Anlagentechnik wird im Bremer Werk montiert und auch getestet. „Jedes Gerät wird überprüft, bevor es raus geht“, sagt Hunke. In der Entwicklungsabteilung wird zudem an neuen Modellen getüftelt. So ist etwa die Heißklebepistole mit Sprühkopf eine Bühnen-Erfindung – praktisch für große Flächen, bei denen relativ wenig Klebstoff benötigt wird.

Lesen Sie auch

Der Klebstoff wird von Zulieferern hergestellt und im Bühnen-Labor in Huckelriede genau untersucht. Ingenieure überprüfen, welchen Kräften und Temperaturen der Klebstoff standhält. Dazu kommen die Proben etwa in einen Schrank, der unterschiedliche Umwelteinflüsse simuliert. Die Fachleute testen in Versuchen auch, wie gut der Klebstoff hält. Natürlich sollen sich manche Klebstoffe aber auch wieder leicht lösen lassen – Notizzettel vom Block etwa.

Die Anforderungen der Kunden seien da sehr unterschiedlich. Gausepohl sagt: „Mich begeistert die Vielfältigkeit. Jede Anwendung, die an uns herangetragen wird, ist anders.“ Der Vorteil an der Klebetechnik sei, dass Design und Form eines Produkts nicht verändert werden. Wird ein Bucheinband beispielsweise nicht geklebt, sondern mit Klammern befestigt, lassen diese sich schlecht verstecken. „Klebstoff ist ein Nebenprodukt, es soll nicht auffallen“, sagt Gausepohl.

Mit Bremen verhaftet

33 Millionen Euro Umsatz hat Bühnen 2018 gemacht. Bis 2020 soll die Zahl verdreifacht werden, sagt Gausepohl. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen die bestehenden Werke weiter wachsen. So sei etwa die Digitalisierung der Tankanlagen für Schmelzklebstoffe ein wichtiges Projekt der nächsten Jahre, sagt Gausepohl. Auch in der Verpackungsindustrie sehen die Klebe-Profis viel Potenzial. Geschäftsführer Jan Hunke sagt: „Egal was man macht, am Ende muss es verpackt werden.“

Bühnen überlege zudem, weitere Betriebe aus der Branche zu übernehmen. Trotz der Expansionspläne will das Unternehmen dem Firmensitz treu bleiben. „Wir sind ein traditionelles Bremer Unternehmen“, sagt Gausepohl. Ein Wegzug aus der Hansestadt komme da nicht infrage. Erst vor knapp drei Jahren wurde ein Neubau an dem Standort in Huckelriede fertig, das bereits bestehende Gebäude wurde saniert.

Lesen Sie auch

Wer wachsen will, braucht jedoch neue Mitarbeiter. Diese sucht Bühnen nicht nur in der Hansestadt. Hunke selbst ist erst vergangenes Jahr für seinen Posten nach Bremen gezogen. „Wir haben eine gute Stimmung im Team“, sagt der Geschäftsführer. Donnerstags spielten sie gemeinsam Fußball – die beiden Chefs seien selbstverständlich dabei. Auch andere Aktivitäten gebe es, und für frisches Obst und Getränke in den Büros und Werkstätten sorge die Firma. „Der Fachkräftemangel macht sich bemerkbar“, sagt Gausepohl. Da müsse ein Unternehmen punkten können – etwa mit Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie, mit Wertschätzung der Mitarbeiter und Innovation.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+