400 Mitarbeiter betroffen

Mercedes will Teil der Logistik auslagern

Noch erfolgt ein Teil der Logistik im Bremer Werk in Eigenregie. Das soll sich in Halle 93 ändern. 400 Mitarbeiter sollen woanders im Werk einen Job finden. Ihre Arbeit soll dann ausgelagert werden.
05.06.2018, 21:15
Lesedauer: 3 Min
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Von Florian Schwiegershausen Stefan Lakeband
Mercedes will Teil der Logistik auslagern

Vertrauter Streitfall: Schon 2015 protestierten Vertrauensleute des Mercedes-Benz-Werkes Bremen mit T-Shirts gegen Leiharbeit.

dpa

Es klingt nach einer guten und einer schlechten Nachricht. Laut Medienberichten will Daimler künftig Stellen in der Logistik des Bremer Mercedes-Werks auslagern. Davon sollen 400 Jobs betroffen sein. Der Plan sieht allerdings vor, dass die betroffenen Mitarbeiter anderweitig im Werk zum Einsatz kommen sollen. Die IG Metall Bremen verurteilt diese Ankündigung. „Wir sehen das kritisch“, sagte Volker Stahmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Bremen, dem ­WESER-KURIER.

Stahmann habe nach eigenen Angaben vergangene Woche von den Plänen des Autobauers erfahren. Demnach sollen die Logistikjobs in der Halle 93 an einen externen Dienstleister abgegeben werden. Hierzu zählen wahrscheinlich der Transport von Material innerhalb der Halle, aber auch der Transport der fertigen Fahrzeuge.

Wenn die Ankündigung von Mercedes so umgesetzt werden soll, wie Stahmann berichtet, dann bedeutet das jedoch nicht, dass Daimler-Beschäftigte ihren Job verlieren. Die Mitarbeiter, die momentan die Logistikaufgaben übernehmen, sollen dann an eine andere Stelle ins Werk wechseln, etwa in die Produktion. „Diese Kollegen müssen jedoch umgeschult werden“, sagt Stahmann.

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Problematisch sei es aber auch aus einem anderen Grund: Gerade in der Logistik gebe es Aufgaben, die besonders gut für ältere Mitarbeiter seien, etwa weil sie nicht an die Taktung der Produktionslinie gebunden sind. „Das ist eine Katastrophe“, sagt Stahmann. Denn diese Möglichkeit würde durch die Auslagerung nun wegfallen.

„Wir hoffen nun, dass wir mit dem Unternehmen in Verhandlungen gehen können.“ Die Auslagerung an externe Dienstleister bedeutet, dass die Mitarbeiter dort zu anderen Bedingungen beschäftigt werden als die Stammbelegschaft im Mercedes-Werk, zum Beispiel weniger Geld bekommen. Dass Mercedes die Werkslogistik auslagert, ist nicht neu.

Solche Überlegungen gebe es für alle Werke im Konzern, sagt Volker Stahmann. Schon 2014 gab es Streit wegen einer Verlagerung von Jobs aus der Stammbelegschaft an externe Dienstleister. Damals war bekannt geworden, dass Daimler den Logistikbereich einer der Produktionshallen ausgliedern wird.

Keine Kernkompetenz eines Autobauers

Die bevorstehenden Verhandlungen hat nun der Betriebsratschef des Bremer Werks, Michael Peters, mit den Kollegen zu führen. In Stuttgart gibt man sich bisher wortkarg. Von dort hieß es: „Wir haben im Jahr 2015 gemeinsam mit dem Betriebsrat das Zukunftsbild des Mercedes-Benz-Werks Bremen vereinbart. Die Gestaltung der Zukunftsfähigkeit des Werks Bremen ist ein fortlaufender Prozess.

Dazu sind wir in regelmäßigen Gesprächen mit dem Betriebsrat. Zu den Inhalten der Gespräche äußern wir uns grundsätzlich nicht.“ Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen sagte zu den Überlegungen Daimlers: „Das ist ein Trend.“ Die Logistik sei keine Kernkompetenz eines Autobauers. Mittel- und langfristig sei dieser Trend sinnvoll.

Das sei auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit, denn die Kosten seien in der Regel niedriger. Doch der Schritt sei natürlich in Bezug auf die Mitarbeiter nicht unproblematisch. Betriebsratschef Peters fügte an: „Wir ­wollen natürlich möglichst viele Arbeitsplätze in Bremen behalten, und das möglichst zu unseren guten IG-Metall-Tarifverträgen. Andererseits müssen wir uns als Betriebsrat mit diesen Themen auseinandersetzen.“

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In der Betriebsratssitzung am Dienstag sei es auch um eine Strategie gegangen zu den Gesprächen, wie Peters erläutert: „Wenn es da in dem Bereich beispielsweise ältere Mitarbeiter gibt, die noch vier Jahre bis zur Rente haben, wäre die Frage: Kann man die nicht doch noch an ihrem Job lassen, statt sie in einen anderen Bereich zu bringen? Oder gibt es für sie Möglichkeiten zur Altersteilzeit? Und bei den jüngeren Kollegen müssen wir schauen: Wie kriegt man da vielleicht die Qualifizierungspfade geregelt?“

Gleichzeitig gehe es eben auch darum, wie man Leiharbeiter in feste Beschäftigungsverhältnisse bekomme. Bereits Ende 2013/Anfang 2014 gab es im Bremer Werk Proteste gegen die Auslagerung von Logistikteilen – auch mit Arbeitsniederlegungen. Heute sagt Betriebsratschef Peters: „Wir versuchen in ruhigen Gesprächen, vielleicht ein paar bessere Lösungen hinzubekommen, als das 2014 gelungen ist.“

Nicht weniger Jobs durch Elektro-Offensive

Immer seltener laufe die Werkslogistik von Autobauern in Eigen­regie. Die Arbeit von Dienstleistern wie Rhenus Logistics endet eben nicht mehr vor dem Werkstor. Deshalb rücken diese Kollegen auch ins Blickfeld der IG-Metaller, wie Peters sagt: „Da ging es uns auch darum, die Kollegen von Rhenus und anderen Dienstleistern zu unterstützen, und da hat es auch leichte Verbesserungen bei den Tarifverträgen gegeben, aber die sind eben noch ein ganzes Stück von der Daimler-Entlohnung entfernt.“ Solange der Unterschied aber so groß ist, wird der Arbeitgeber laut Peters immer erpicht sein, hier einzusparen.

Weniger Jobs durch die Elektro-Offensive bei Mercedes sieht Peters derzeit allerdings nicht: „So ein EQ-Modell ist teilweise noch komplexer als ein Verbrennungsfahrzeug. Zwar fällt bei den Elektrofahrzeugen die Verbrennungsanlage weg, aber dafür ist bei der Kühlung dann das ein oder andere zusätzlich notwendig.“ Wenn in Zukunft der Verkauf der Verbrennungsfahrzeuge nachlasse, sei es eben gut, dass der EQ auch in Bremen gebaut werde.

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