Metall- und Elektroindustrie Arbeitgeber fordern "atmenden" Tarifvertrag

Freitag hat die IG Metall in Bremen gezeigt, was sie an Mitgliedern mobilieren kann, sollte es auch nach Ende der Friedenspflicht nicht zu einem neuen Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie kommen.
16.09.2022, 17:27
Lesedauer: 2 Min
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Arbeitgeber fordern
Von Florian Schwiegershausen

In Bremen ist am Freitagmittag der Auftakt zu den Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie ohne Ergebnis beendet worden. Beobachter gingen aber auch schon vorher davon aus, dass es gleich am ersten Tag nicht zu einer Einigung kommen wird. Die IG Metall fordert für die 130.000 Beschäftigten in der nordwestdeutschen Metall- und Elektroindustrie, darunter gut 25.000 in Bremen, unter anderem acht Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber führen dagegen die Belastungen an, die die Unternehmen durch die Pandemie und die Folgen des Ukraine-Kriegs zu schultern haben.

Die Verhandlungsführerin des Arbeitgeberverbands Nordmetall, Lena Ströbele, sagte nach dem zweistündigen Gespräch: „Wir haben in einem offenen und konstruktiven Austausch die kritische Lage diskutiert. Unsere Botschaft an die Gewerkschaft war: Bei Flaute kann man nicht hart am Wind segeln." Dabei führte sie die explodierenden Energie- und Rohstoffpreise an, Lieferengpässe und Materialknappheit sowie Fachkräfte- und Azubimangel, was große Teile der Industrie belaste. "Und die Situation verschlechtert sich täglich, die Perspektiven für die beiden kommenden Winter sind düster."

IG Metall kritisiert Arbeitgeber: "Chance verpasst"

Ein Angebot hatten die Arbeitgeber nicht gemacht. Das hätte die Gewerkschaft gern gesehen, wie IG-Metall-Bezirksleiter Daniel Friedrich sagte: „Gerade in diesen schwierigen Zeiten sind schnelle Lösungen gefragt.“ Und er ergänzte: „Nordmetall hat die Chance verpasst, mit einem ersten Angebot konstruktiv zu starten. Wir brauchen eine dauerhafte Tabellenerhöhung, damit die Kolleginnen und Kollegen die gestiegenen Preise auch zahlen können“, so der Gewerkschafter.

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Ströbele forderte dagegen die IG Metall auf, mit den Arbeitgebern über atmende Regelungen zu sprechen: „Wir müssen einerseits Beschäftigung herunterfahren können, wenn Aufträge nicht abgearbeitet werden können. Und andererseits muss das Arbeitsvolumen wieder erhöht werden können, wenn die Teile eintreffen, damit die Produktion dann auf Volllast hochgefahren werden kann.“

Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie: Kundgebung in Bremen mit 1200 Personen

Vor den Gesprächen im Bremer Intercity-Hotel zog die IG Metall in einem Marsch von der Bürgerweide zum Bahnhofsvorplatz. Die Gewerkschaft gab die Zahl derer, die mitmarschierten, mit 1200 Personen an. Sie verwandelten den Platz in ein rotes Meer aus IG-Metall-Fahnen und -Jacken und waren zum Teil aus Papenburg und Rostock per Bus angereist.

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Zwischen 10 Uhr und 10.30 Uhr kam es wegen der Aktion rund um den Bahnhof zu kurzzeitigen Verkehrsbehinderungen. Bei der Kundgebung vor dem Hauptbahnhof sprachen neben der Bremer IG-Metall-Bevollmächtigten Ute Buggeln und dem IG-Metall-Chef des Bezirks Küste, Daniel Friedrich, auch Lena Ströbele als Arbeitgebervertreterin, die Personaldirektorin bei der Lürssen-Werftengruppe ist. Das ist nicht alltäglich, dass auf einer IG-Metall-Kundgebung die Arbeitgeber zu Wort kommen. Dafür gab es von den Anwesenden auch einen kurzen anerkennenden Applaus.

Bier mit 0,0 Prozent zum Verhandlungsauftakt

Statt eines ersten Angebots gab es von den Arbeitgebern für die IG Metall im Verhandlungsraum eine Flasche Bier mit 0,0 Prozent Alkohol gestellt. Ob der Alkoholgehalt von 4,9 Prozent bei einem herkömmlichen Pils zeigen könnte, wo die Reise hingeht, ist bisher reine Kaffeesatzleserei. Solche Aktionen rund um die Tarifverhandlungen sind allerdings nicht neu. Als in der Tarifrunde 2015 das Motto der IG Metall "Wir für mehr" lautete, gab es von den Arbeitgebern als Antwort ein Dosenbier mit der Aufschrift "Bier für mehr".

Die Verhandlungen werden am 4. Oktober in Hamburg fortgesetzt. Bis zum 28. Oktober herrscht Friedenspflicht. Danach darf die Gewerkschaft zu Streiks aufrufen.

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