Letzter Ausweg Sparschwein

Negativzinsen: Welche Alternativen Verbraucher jetzt haben

190 Banken und Sparkassen haben in Deutschland bereits Negativzinsen für Privatkunden eingeführt - darunter auch die Bremische Volksbank. Was Verbraucher jetzt wegen der Negativzinsen wissen müssen.
18.01.2020, 12:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Florian Schwiegershausen und Friederike Marx

Die Menschen in Deutschland sind dank ihres Sparfleißes und gestiegener Aktienkurse in der Summe so vermögend wie nie. Auf den Rekordwert von 6302 Milliarden Euro summierte sich das Geldvermögen in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen sowie Ansprüchen gegenüber Versicherungen zum Ende des dritten Quartals 2019, wie die Deutsche Bundesbank aktuell in Frankfurt mitteilte. Das war ein Anstieg um 67 Milliarden Euro oder 1,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Binnen eines Jahres erhöhte sich das Geldvermögen um 4,5 Prozent – trotz der Zinsflaute. Laut DZ Bank steckten Ende September 2019 insgesamt rund 2542 Milliarden Euro in Bankeinlagen oder wurden als Bargeld aufbewahrt. Etwa 23 Milliarden kamen gegenüber dem Vorquartal hinzu.

Erst am Donnerstag teilte die Bremische Volksbank mit, dass sie bei ihren Privatkunden mit Spareinlagen ab 100 000 Euro aufwärts Strafzinsen in Höhe von 0,5 Prozent verlangt, sollten sie sich nicht für eine Anlagealternative entscheiden. Dabei folgen die Bremer anderen Genossenschaftsbanken, die längst Negativzinsen auch für Privatkonten eingeführt haben. Laut einem aktuellen Vergleich des Finanzportals Biallo.de verlangen inzwischen 190 Banken und Sparkassen in Deutschland die bei Firmen- und Privatkunden ungeliebten Strafzinsen. 90 der Geldinstitute haben die Negativzinsen inzwischen auch bei Privatkonten eingeführt. Dabei hat das Portal die Konditionen von 1300 Geldinstituten verglichen. Was den Autoren dieses Vergleichs auffällt: „Banken und Sparkassen vermeiden meist den Begriff Negativzins, sie sprechen lieber vom sogenannten Verwahrentgelt.“

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Der geforderte Zinssatz liegt dabei bei den meisten Instituten zwischen 0,4 und 0,5 Prozent pro Jahr. Wer also 100 000 Euro auf einem Konto hat, bekommt nach einem Jahr abhängig vom Zinssatz zwischen 400 und 500 Euro abgezogen. Die Finanzexperten weisen allerdings darauf hin: Bei bestehenden Verträgen kann dieses Verwahrentgelt eigentlich nur nach Zustimmung durch den Kunden eingeführt werden. Dass das in der Realität nicht immer so sei, habe das jüngste Beispiel der Sparkasse Freising gezeigt: Das Geldinstitut drohte einem langjährigen Kunden kürzlich mit dem Rauswurf, weil er sich weigerte, eine entsprechende Vereinbarung über die Einführung von Negativzinsen zu unterschreiben. Der Kunde zog schließlich selbst die Konsequenz und wechselte die Bank.

Die Negativzinsen müssen die Geldinstitute übrigens nicht in ihren Entgeltinformationen ausweisen. Dazu zitiert Biallo.de den Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Ralf Schürmann: „Nach dem Zahlungskontengesetz sind nur die Entgelte für die repräsentativsten mit einem Zahlungskonto verbundenen Dienste aufzuführen.“ Verwahrentgelte gehören demnach nicht dazu.

Um Negativzinsen zu umgehen, empfiehlt das Finanzportal, Geldeinlagen auf Konten bei verschiedenen Geldinstituten zu verteilen. Dabei zählen die Experten die Möglichkeiten kostenloser Girokonten auf, Tagesgeldkonten sowie Festgeldkonten. Wie aus Bremer Bankenkreisen zu hören ist, haben das manche Kunden hier in der Hansestadt bei den örtlichen Geldinstituten getan.

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Ein Girokonto ist etwa bei den Onlinebanken DKB und INGDiba noch kostenlos, und es werden keine Strafzinsen erhoben. Aber auch das kann sich jederzeit ändern. Beim Tagesgeld garantiert momentan die Renault Bank bei Neukunden für eine Einlage von 10 000 Euro bei drei Monaten Laufzeit 0,45 Prozent Zinsen. Die Ratingagentur Standard & Poors stuft die Sicherheit hier als hoch ein. Laut Biallo.de lohne es sich gerade beim Tagesgeld, seine Einlagen auf zwei bis drei Konten bei verschiedenen Anbietern zu verteilen. Was Festgeld angeht, bietet derzeit die österreichische Kommunalkreditinvest für eine Einlage von 10 000 Euro und einer Laufzeit von zwei Jahren 0,75 Prozent Zinsen, gefolgt von der Renault Bank bei gleichen Konditionen mit 0,7 Prozent Zinsen. Der schwedische Finanzdienstleister Klarna bietet ein Festgeldkonto an, bei dem der Kunde bei einem Jahr Laufzeit momentan 0,95 Prozent Zinsen erhält.

In Bremen nehmen nicht alle Banken Negativzinsen von Privatkunden – was aber eine Frage der Zeit sein dürfte. Wer bereits betroffen ist, sollte überlegen. Um Negativzinsen zu vermeiden, gibt es viele Möglichkeiten. Das Sparschwein sollte der letzte Ausweg sein.

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