2019 könnten bis zu 300 Jobs entstehen

Neue Chance für Langzeitarbeitslose in Bremen

Nächstes Jahr könnten 300 neue Jobs für Langzeitarbeitslose in Bremen entstehen. Möglich wird das durch ein Gesetz, dem der Bundesrat noch zustimmen muss. Doch es gibt Kritik.
14.12.2018, 08:22
Lesedauer: 3 Min
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Neue Chance für Langzeitarbeitslose in Bremen
Von Stefan Lakeband

Bremer Langzeitarbeitslose bekommen ab dem kommenden Jahr eine neue Chance, zurück ins Berufsleben zu kommen. Dafür soll an diesem Freitag im Bundesrat der Weg frei gemacht werden. Dann wollen die Vertreter der Länder das sogenannte Teilhabechancengesetz verabschieden. In der Hansestadt könnten dadurch nächstes Jahr bis zu 300 neue Jobs geschaffen werden.

Ziel des Gesetzes ist es, Menschen, die lange ohne Job waren, wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Wer über 25 ist und in mindestens sechs der letzten sieben Jahre arbeitslos war, soll vom Teilhabechancengesetz profitieren können. „Je länger jemand arbeitslos ist, desto geringer sind seine Chancen, wieder eine Stelle zu finden“, sagt Susanne Ahlers, Chefin des Jobcenters Bremen. Sie begrüßt daher die Regelung, die ab dem 1. Januar 2019 in Kraft tritt.

Konkret sieht das Gesetz vor, dass Langzeitarbeitslose einen Job bekommen, das Gehalt aber in den ersten zwei Jahren zu 100 Prozent vom Jobcenter bezahlt wird. Erst danach muss der Arbeitgeber das Gehalt übernehmen – dann aber auch nur anteilig. Zudem steht den ehemaligen Langzeitarbeitslosen ein Coach zur Seite, der bei Problemen vermitteln soll.

„Jeder Arbeitgeber kann so einen Arbeitsplatz einrichten“, sagt Ahlers. Von kommunalen Unternehmen wie der Gewoba habe sie auch schon positive Rückmeldungen bekommen. Hier sei es etwa denkbar, dass die Programmteilnehmer als Concierge oder Hausmeister in den größeren Wohnanlagen arbeiteten. Zusätzlich könnten auch Jobs bei Beschäftigungsträgern entstehen, etwa da, wo sonst ehrenamtliche Helfer einspringen müssten. Ahlers hält es zudem für realistisch, dass das Teilhabechancengesetz Jobs in der freien Wirtschaft schafft. Erste Gespräche mit Unternehmensverbänden und der Handwerkskammer hätten bereits stattgefunden. Das Feedback sei laut Jobcenterchefin allerdings „verhalten“ gewesen. Viele Unternehmen hätten Sorge, dass jemand, der seit mehreren Jahren keinen Beruf mehr ausgeübt hätte, mehr Arbeit als Entlastung sei. „Das kann ich verstehen. Am Anfang erwarten wir noch keine Produktivität“, sagt Ahlers. „Deswegen bezahlen wir auch alles.“

Für Cornelius Neumann-Redlin, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände im Lande Bremen, hat das neue Gesetz Schwächen. „Die Langzeitarbeitslosigkeit ist das größte soziale Problem in Bremen“, sagt er. Dennoch übt er Kritik. So müsse man etwa darauf achten, dass durch geförderte Jobs keine reguläre Beschäftigung verdrängt werde. „Zudem ist die Klientel sehr arbeitsmarktfern“, sagt Neumann-Redlin, was zu Hindernissen im Berufsalltag führen könnte.

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Die Länge der Arbeitslosigkeit sage nichts über die Qualität der Arbeit aus. In Anbetracht dessen hätte er es besser gefunden, wenn die Gehälter der Programmteilnehmer dem Mindestlohn entsprochen hätten – und nicht wie jetzt dem Tariflohn der entsprechenden Branche. Dennoch begrüßt der Wirtschaftsvertreter das Gesetz: „Alles, was die Langzeitarbeitslosigkeit verringert, ist gut.“ Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) freut sich darüber, dass neben den Landesprogrammen Lazlo und Pass nun auch der Bund aktiv werde. „Allein können wir uns als kleinstes Bundesland gar nicht in dem Umfang engagieren, um allen langzeitarbeitslosen Menschen hier eine Perspektive zu verschaffen“, sagt Günthner. Er geht davon aus, dass durch das neue Gesetz sogar 1000 neue Stellen in Bremen und Bremerhaven geschaffen werden könnten.

Das Teilhabechancengesetz sorgt auch dafür, dass das Budget des Bremer Jobcenters für Fördermaßnahmen im kommenden Jahr noch einmal steigt. 2019 stehen der Einrichtung, die durch die Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven und die Stadt Bremen getragen wird, insgesamt 67,8 Millionen Euro zur Verfügung. Dieses Jahr waren es lediglich 55,4 Millionen – wovon das Jobcenter aber Endes des Jahres drei Millionen Euro zurückgeben muss, weil sie nicht genutzt werden konnten. Der Bundestag habe erst im Sommer den endgültigen Haushalt beschlossen, wodurch noch zusätzliche 4,4 Millionen Euro nach Bremen flossen. Das sei zu kurzfristig gewesen. „Für passende und gute Angebote brauchen wir Zeit, um diese zu planen und auf den Weg zu bringen“, sagt Ahlers.

Mit dem Jahr 2018 ist die Chefin des Jobcenters dennoch zufrieden. Sie geht davon aus, dass bis Ende Dezember etwa 11 000 Menschen in den Arbeitsmarkt integriert werden können – und damit deutlich mehr als im vergangenen Jahr. Das schlägt sich auch in der Zahl der sogenannten erwerbstätigen Leistungsberechtigten nieder, zu der alle Menschen zählen, die arbeitsfähig sind und Leistungen vom Jobcenter beziehen. Sie ist um 3,3 Prozent auf 55 000 zurückgegangen. Das könne man auf die gute Konjunktur zurückführen, sagt Ahlers. So würden etwa händeringend Lastwagenfahrer gesucht. „Wer dieses Jahr so eine Ausbildung über das Jobcenter gemacht hat, hat auch sofort einen Job bekommen.“

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