Schlechtes Attest von den Bankenaufsehern NordLB ist Schlusslicht bei Stresstest

Die Bankenaufseher attestieren der Norddeutschen Landesbank eine zu dünne Kapitaldecke. Von zusätzlichen Investoren, die das Land Niedersachsen als Mehrheitseigner sucht, hat die Helaba ihr Interesse bestätigt.
02.11.2018, 19:49
Lesedauer: 3 Min
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Von Florian Schwiegershausen und Ralf Krüger

Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) hat beim Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA von den acht deutschen Geldinstituten am schlechtesten abgeschnitten. Im Krisenszenario schrumpfte die harte Kernkapitalquote der NordLB auf 7,07 Prozent, wie die EBA Freitagabend in London mitteilte. Aufseher sehen einen Wert von 5,5 Prozent als Minimum dessen, was Banken in Krisenzeiten vorweisen sollten.

Das vergleichsweise schwache Ergebnis des Instituts war erwartet worden. Die NordLB hatte selbst bereits vor einer Woche die Öffentlichkeit auf dieses Abschneiden vorbereitet und auf die schwierige Ausgangslage verwiesen. Ein Sprecher des Geldinstituts sagte damals: „Fakt ist, dass wir im Status quo unter den deutschen Stresstest-Banken die niedrigste Kapitalquote haben.“

Laut Branchenexperten benötigt die NordLB bis zu 3,5 Milliarden Euro an zusätzlichem Kapital. Das Geldhaus mit Sitz in Hannover leidet vor allem unter zahlreichen Schiffskrediten, bei denen die Schuldner Probleme mit der Rückzahlung haben. Ein Teil dieser Schiffskredite stammt noch aus dem Geschäft der in Schieflage geratenen Bremer Landesbank. 2016 hatte die NordLB das Geldinstitut übernommen.

Land Niedersachsen sucht Investoren

Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU), der NordLB-Aufsichtsratschef ist, wies darauf hin, dass die Bank nach wie vor alle aufsichtsrechtlichen Anforderungen erfülle. Er sagte: „Wir haben den Handlungsbedarf schon früh erkannt und zusammen mit den anderen Trägern der Bank die Neuausrichtung in die Hand genommen. Diesen Kurs werden wir gemeinsam konsequent weiterverfolgen.“

Hilbers führte an, dass dem Stresstest eine Datenbasis von Ende 2017 zugrunde liegt: „Seitdem konnte die NordLB weitere Risiken abbauen, sodass die Bank heute besser dasteht als noch vor einem Jahr.“ Für die zusätzliche Kapitalspritze sucht das Land Niedersachsen, das knapp 60 Prozent an der Bank hält, Investoren. Laut Branchenexperten gibt es derzeit sechs Interessenten, darunter die Commerzbank.

Das Interesse der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) wurde inzwischen seitens des Landes Hessen offiziell bestätigt. Sie wäre auch der Favorit des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. Der hatte vor einer Woche die Idee einer Mega-Landesbank ins Spiel gebracht. Dazu solle zuerst die NordLB mit der Helaba fusionieren, danach sollen weitere Landesbanken folgen. Hilbers zeigte sich offen für diese Idee. Gleichzeitig sagte er, dass das Land Niedersachsen weiterhin die Mehrheit an der NordLB halten wolle.

Die europäische Bankenaufsicht EBA testete insgesamt 48 Banken aus 15 Ländern. Sie stehen für 70 Prozent des Bankenmarktes in der Europäischen Union. Aus Deutschland mussten im Test der europäische Bankenaufsicht EBA und der Europäischen Zentralbank (EZB) acht Banken Daten liefern: die Deutsche Bank die Commerzbank, die DZ Bank als Spitzeninstitut der Genossenschaftsbanken, außerdem die vier führenden Landesbanken LBBW, BayernLB, Helaba und NordLB sowie die NRW.Bank als staatliche Förderbank. Im Stressszenario geriet auch die Deutsche Bank unter Druck. Ihre Kapitalquote schrumpfte auf 8,14 Prozent. Die Commerzbank hätte laut Krisenszenario Ende 2020 noch einen Kapitalpuffer von 9,93 Prozent.

Nicht die gleichen Kriterien

Ein Ergebnis dieses Stresstests war aber auch, dass die europäischen Banken im Allgemeinen besser für eine neue Wirtschafts- und Finanzkrise gerüstet seien als noch vor einigen Jahren. In der Prüfung mussten die Institute auf Basis ihrer Bilanz Ende 2017 ein Krisenszenario durchrechnen: Wie sehr schrumpft die Kapitalbasis innerhalb von drei Jahren, wenn die Konjunktur einbricht, die Arbeitslosenzahlen steigen und die Immobilienpreise in den Keller gehen? Im Szenario wurde unterstellt, dass Europas Wirtschaft in den Jahren 2018 und 2019 um 1,2 Prozent beziehungsweise 2,2 Prozent schrumpft und 2020 wieder um 0,7 Prozent wächst.

Für die Banken in den verschiedenen EU-Ländern galten im Test nicht die gleichen Kriterien. So wurde zum Beispiel für Deutschland ein kräftigerer Wirtschaftsabsturz simuliert als etwa für Frankreich oder Italien. Damit hatten die Aufseher versucht, der unterschiedlichen Stärke der jeweiligen Volkswirtschaft und ihrer Banken gerecht zu werden.

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