Raumfahrtkonzern OHB: Vorstand Fuchs weist Vorwürfe von US-Investor zurück

Der Vorstandschef des Raumfahrtunternehmens OHB SE aus Bremen hat auf die Attacke des US-Investors Guy Wyser-Pratte reagiert. Fuchs betont unter anderem: Der Aufsichtsrat ist unabhängig.
24.08.2017, 12:58
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Von Maren Beneke

Die OHB SE hat Stellung zu den Vorwürfen des Finanzinvestors Guy Wyser-Pratte bezogen. In einem offenen Brief antwortete das Bremer Raumfahrtunternehmen am Donnerstagmorgen auf ein Papier, in dem Wyser-Pratte in der vergangenen Woche OHB und vor allem die Firmenleitung öffentlich attackiert hatte.

OHB-Vorstandschef Marco Fuchs schreibt nun: "Die OHB SE ist ein deutsches Familienunternehmen. Die OHB SE ist ebenso ein transparentes, kapitalmarktorientiertes Technologieunternehmen." Weiter verwahrt sich Fuchs gegen den Vorwurf „einer unklar organisierten und intransparenten Führung der Managementebene“.

Auch die Kritik Wyser-Prattes, die Aufsichtsratsmitglieder der OHB SE – abgesehen von Aufsichtsratschefin Christa Fuchs – seien nicht unabhängig, sondern stark mit der Familie Fuchs verbunden, weist Fuchs zurück. "Beide Herren [Heinz Stoewer und Robert Wethmar, Anmerk. d. Red.] stehen weder in einer persönlichen noch wirtschaftlichen Beziehung zu unserer Gesellschaft oder zur Familie Fuchs, die einen wesentlichen und nicht nur vorübergehenden Interessenkonflikt begründen könnten", schreibt er. OHB habe den Deutschen Corporate Governance Kodex, also die Empfehlungen für die Kontrolle von Unternehmen und deren Offenlegungspflichten, eingehalten.

Der US-Finanzinvestor, ein ehemaliger US-Marine, wollte mit seinem offenen Brief aus der vergangenen Woche nach eigenen Angaben erreichen, dass man bei dem Raumfahrtunternehmen über die Wertschöpfung und die zukünftige Strategie nachdenkt. Aus Wyser-Prattes Schreiben geht hervor, dass OHB seiner Ansicht nach gute Wachstumschancen hat, diese aber nicht nutzt. Er schlug daher vor, mit den OHB-Verantwortlichen über die Wertschöpfung und die zukünftige Firmenstrategie diskutieren.

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Wyser-Pratte vertritt nach eigenen Angaben die Interessen seiner Kunden, die Anteile an OHB halten. Demnach ist er der zweitgrößte Anteilseigner, der nicht zur Inhaber-Familie Fuchs gehört. Mehr als drei Prozent der Aktien können allerdings nicht im Besitz der von Wyser-Pratte vertretenen Anteilseigner sein, Beteiligungen oberhalb dieser Grenze hätten in der Vergangenheit öffentlich gemacht werden müssen. Mit 70 Prozent ist OHB nach wie vor zum Großteil in Familienhand. 30 Prozent der Aktien sind im „free float“, also im Streubesitz.

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Es ist nicht das erste Mal, dass der mittlerweile selbst 77-jährige Wyser-Pratte Unternehmen öffentlichkeitswirksam unter Druck setzt. Bei diversen Firmen wie etwa Rheinmetall oder Cewe Color ist er in den vergangenen Jahren bei niedrigem Aktienkurs eingestiegen und hat daraufhin mit unzufriedenen Kleinaktionären die Unternehmen öffentlich angegriffen und einen Umbau der Firmen gefordert. Das Ergebnis: Die Aktienkurse stiegen fast immer. Eine ähnliche Entwicklung war am vergangenen Donnerstag auch beim Bremer Unternehmen zu beobachten: Die OHB-Aktie stieg am Handelstag um 3,20 Prozentpunkte auf 31,74 Euro. Am Donnerstagmorgen lag der Kurs bei 31,75 Euro.

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