Auftrag für neue Kleinsatelliten OHB will die Milliarde knacken

Das Raumfahrtunternehmen OHB wird künftig eine neue Generation von Mikrosatelliten bauen und stößt damit in eine neue Umsatzregion vor. Für den Bau soll in Luxemburg eine eigene Fertigungsstraße entstehen.
12.09.2017, 21:30
Lesedauer: 2 Min
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Das Raumfahrtunternehmen OHB will mit der Serienfertigung von Kleinsatelliten und einer weiteren Konzernsparte in neue Umsatzregionen vorstoßen. Künftig wird die Bremer Firma eine neue Generation von Mikrosatelliten für die Europäische Raumfahrtagentur ESA entwickeln und bauen. Diese sollen 2019 erstmals ins All fliegen. Die Flugkörper sollen rund 80 Kilogramm wiegen und eine Nutzlast von bis zu 30 Kilogramm in den erdnahen Orbit transportieren können, wie OHB am Dienstag mitteilte. Die Plattform mit dem Namen Triton-X sei vielseitig einsetzbar und könne etwa für die Satellitenkommunikation, zur Erdbeobachtung und Erprobung neuer Technologien im Weltraum genutzt werden.

20 Millionen Euro von der ESA

Für die Entwicklung und den Bau soll die luxemburgische OHB-Tochter Luxspace von der ESA rund 20 Millionen Euro erhalten. OHB baut im Auftrag der ESA bereits die meisten Satelliten des europäischen Navigationssystems Galileo. Mit ihr zusammen hat das Unternehmen auch die Satellitenplattform Small Geo entwickelt. Es freue ihn, dass die ESA sein Unternehmen erneut „als kompetenten Partner für die nächste Stufe der Entwicklung von Mikrosatelliten ausgewählt“ habe, so OHB-Chef Marco Fuchs.

Die neuen Mini-Flugkörper will OHB kostengünstig und in ganzen Serien liefern. Dazu soll am Standort Luxemburg eine eigene Fertigungsstraße entstehen. „Dadurch erschließen wir ein ganz neues Geschäftsfeld“, sagte Fuchs der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Mögliche Käufer für Triton-X sollen neben Behörden auch private Satellitenbetreiber wie Fernsehsender, Telekommunikationsunternehmen oder Internet- und Techologiefirmen sein.

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Nach den jüngsten Attacken des US-Investors Guy Wyser-Pratte kündigte Fuchs an, sich um Wachstum zu bemühen. OHB sondiere Möglichkeiten für Zukäufe. Wachsen will das Unternehmen unter anderem mit Dienstleistungen. Heute bereits rüstet es etwa Lkw mit Technik zur Positionsbestimmung aus. „Mein Ziel ist es, die Dienstleistungen zu einer dritten Sparte neben Systemen für die Raumfahrt und Industrieanwendungen zu machen“, sagte Fuchs. „Wir sind jetzt in einer Phase, in der Zukäufe für uns wieder interessanter werden.“ Sein Ziel sei es, den Umsatz von zuletzt etwa 700 Millionen Euro bis 2020 auf mindestens eine Milliarde Euro zu steigern. Zuletzt hatte OHB vor acht Jahren den italienischen Rivalen Carlo Gavazzi Space übernommen.

Wyser-Pratte, der etwa 3 Prozent der OHB-Anteile hält, hatte dem Unternehmen Wachstumsschwäche, Intransparenz und schlechte Führung vorgeworfen. Familie Fuchs, im Besitz von rund 70 Prozent, weist die Vorwürfe zurück. Er habe am Wochenende zum zweiten Mal ein Antwortschreiben an den Investor geschickt, so Marco Fuchs.

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