Metaller-Tarifstreit

„Ohne Vier vor dem Komma geht nichts“

Bisher meinten die Arbeitgeber, dass die IG Metall Interesse daran hätte, bis Karneval einen fertigen Tarifvertrag zu haben. Warum das nicht so ist, sagt die Zweite IG-Metall-Vorsitzende im Interview.
03.02.2018, 23:00
Lesedauer: 3 Min
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„Ohne Vier vor dem Komma geht nichts“
Von Florian Schwiegershausen
„Ohne Vier vor dem Komma geht nichts“

Die Zweite IG-Metall-Vorsitzende, Christiane Benner, spricht am Freitag vor den Warnstreikenden beim Bremer Airbus-Werk.

dpa

Frau Benner, wie soll das mit den Streiks jetzt weitergehen?

Christiane Benner: Wir haben jetzt drei Tage lang bundesweit die 24-Stunden-Warnstreiks durchgeführt. Überall ist eine wirklich großartige Stimmung so wie hier bei Airbus. Und jetzt sind die Arbeitgeber am Zug. Wir erwarten ein richtig gutes Angebot. Beim Lohn geht ohne eine Vier vor dem Komma gar nichts. Und sie müssen nachbessern bei der zeitweisen Absenkung der Arbeitszeit auf 28 Stunden und beim Zuschuss für Kindererziehung, Pflege oder Schichtarbeit. Was die von den Arbeitgebern geforderte Laufzeit von 27 Monaten angeht, haben wir uns ja schon bewegt. Dann könnte das nächste Woche etwas werden. Wenn das so läuft wie bisher, dann gibt es ein Problem.

Also Warnstreiks notfalls auch über Karneval? Denn gerade die Beschäftigten im Rheinland stehen in der Zeit wohl lieber an der Theke als vor irgendeinem Werkstor.

Ich habe vergangene Woche wegen der Auseinandersetzung leider auch auf eine Karnevalssitzung in Köln verzichten müssen. Wenn nötig, entscheiden wir in der kommenden Woche aber auch über die Urabstimmung zwecks Flächenstreiks.

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Wäre es Ihnen egal, wenn sich der Tarifstreit bis in die Betriebsratswahlen hineinzieht?

Egal ist es uns nicht, denn es ist eine ernste Angelegenheit. Wir tun alles, um das zu verhindern. Diese 24-Stunden-Warnstreiks sind ja eine Stufe, um flächendeckende Streiks zu vermeiden. Die gibt es so zum ersten Mal. Ich bin optimistisch, dass nun diese drei Tage den Arbeitgebern nochmals gezeigt haben, dass sie sich bewegen müssen. Wir haben die Tür geöffnet, damit wir beide an den Verhandlungstisch zurückkehren können. Unsere Warnstreiks habenhaben da hoffentlich den notwendigen Druck erzeugt.

Was in puncto Streiks entscheiden Sie da in in Frankfurt?

Die Entscheidungen werden manchmal zwar räumlich in Frankfurt beschlossen – aber niemals am grünen Tisch in einem Mini-Gremium. Unser Vorstandsgremium besteht auch aus Leuten aus den Betrieben und allen Bezirksleitern. Es sind außerdem die Verantwortlichen aus den bundesweiten Geschäftsstellen dabei. Dadurch stehen die Beschlüsse schon auf sehr breiten Füßen. Und die Tarifkommissionen in den Bezirken entscheiden, ob sie dem Vorstand empfehlen, zum Streik aufzurufen. Frankfurt klingt immer so, als ob ich da allein mit Herrn Hofmann sitze, und wir über den Streik entscheiden. So ist das nicht. Es sind am Ende die Menschen aus den Betrieben, die darüber entscheiden. Die Streik-Logistik ist wiederum unsere Aufgabe, um die Leute vor Ort zu unterstützen.

Es gibt Stimmen aus dem Arbeitgeberlager, dass die IG Metall das alles nur mache zwecks Mitgliederwerbung.

Was für ein Vorwurf! Das weise ich selbstbewusst zurück. Wir haben in den Belegschaften einen breiten Rückhalt. Das ist ja kein Spaziergang hier. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst. Sie sehen ja an der Beteiligung, von wie vielen Menschen das getragen wird. Dass dann Menschen entscheiden, während dieser Streikphasen IG-Metall-Mitglied zu werden, zeigt doch die Sympathien für unsere Forderungen. Schließlich ist es nicht ohne, ob die Leute bereit sind, 24 Stunden zu streiken. Das ist anders als ein kurzzeitiger Warnstreik.

Ist Ihr Tarifvertrag eher fertig oder der Koalitionsvertrag von CDU und SPD?

Ich hoffe, dass wir da schneller ein Ergebnis haben werden mit einem Tarifabschluss, der alle begeistert.

Was würden Sie der Großen Koalition denn gern noch mit in das Aufgabenbuch hineinschreiben wollen?

Ganz wichtig ist die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung. Es muss für mehr Gerechtigkeit gesorgt werden, damit mehr Leute mitgenommen werden. Außerdem geht es darum, die Digitalisierung so zu gestalten, dass es möglichst viele Gewinner geben wird. Ich wünsche mir da mehr Zuversicht und dass sie dann sagen können: Wir haben ein Modell von einer Arbeitsgesellschaft erarbeitet, in der es mit mehr Weiterbildung gerechter zugeht für alle.

Gilt das mit den 28 Stunden im Erfolgsfall auch für die Beschäftigten bei der IG Metall?

Ja, sicher, das setzen wir dann um. Wir haben aber auch schon ganz viele Betriebsvereinbarungen wie beispielsweise zu Sabbaticals. Wir sind da sehr flexibel.

Die Fragen stellte Florian Schwiegershausen.

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