Start-up-Monitor Region gewinnt junge Gründer

Oldenburg und Hannover sind laut Start-up-Monitor Hotspots für die jungen, hochinnovativen Gründungen. Die Untersuchung wurde am Montag in Berlin vorgestellt – samt politischer Botschaften.
16.10.2017, 19:48
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Region gewinnt junge Gründer
Von Lisa Schröder

Die Start-up-Szene in Deutschland entwickelt sich weiter: Wenngleich Berlin weiterhin mit Abstand Hauptstadt für die hochinnovativen, jungen Gründungen bleibt, legen andere Regionen zu. Das geht aus dem Start-up-Monitor 2017 hervor, der an diesem Montag in Berlin vorgestellt wurde. Die Region Oldenburg/Hannover gilt dabei als einer von sechs besonders erfolgreichen Hotspots.

Sechs Prozent der etwa 1800 an der Untersuchung beteiligten Start-ups kommen aus einer der beiden Städte im Norden. Hamburg erreicht einen nur leicht höheren Wert mit 6,2 Prozent, Spitzenreiter Berlin verzeichnet 16,8 Prozent. Bremen landet dagegen bei 1,4 Prozent. „Die Dynamik, die sich hier in den letzten beiden Jahren entwickelt hat, ist bemerkenswert“, sagt Gründer Pierre Munzel über Hannover.

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Die Akteure vor Ort ergänzten sich gut und schafften damit ein schlagkräftiges und kompetentes Netzwerk. „Für jede Fragestellung gibt es jemanden, der sie beantworten kann. Insbesondere in der Frühphase der Gründung ist es wichtig, ein funktionierendes Ökosystem um sich zu haben.“ Munzel arbeitet für das Start-up Peat, das er mitgegründet hat. Das Unternehmen aus Hannover hat die App Plantix entwickelt, die Pflanzenkrankheiten bestimmen kann.

Der Monitor des Bundesverbands Deutsche Start-ups zeigt, dass Niedersachsen für die Gründer insgesamt interessant ist. Zwölf Prozent der beteiligten Start-ups haben ihren Sitz im Bundesland. Start-ups, die ihren Standort in ein anderes Bundesland verlegten, zogen am liebsten nach Berlin (26 Prozent). Den zweitgrößten Zulauf gab es jedoch für Hamburg und Niedersachsen mit je 13 Prozent.

Im guten Kontakt

Nah an der Szene in Oldenburg ist Jürgen Bath. Er ist Geschäftsführer des Technologie- und Gründerzentrums Oldenburg (TGO). Bath lobt den Standort: „Die Akteure sind sehr gut aufeinanderabgestimmt und gut vernetzt.“ Im TGO bekommen Start-ups Räume, Unterstützung und Kontakte zur Wirtschaft. Allein dort haben derzeit 70 Start-ups ihren Sitz. „Das ist schon eine Nummer.“

Miriam Wiediger, Leiterin des Gründungs- und Innovationszentrums der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, schätzt die kurzen Wege und das enge Netzwerk der Stadt ebenfalls. Hochschulen, Institutionen und die regionale Wirtschaft stünden im guten Kontakt. Dadurch gebe es viel Unterstützung für junge Gründer.

Außerdem interessiere das Thema immer mehr Akademiker, weil die Uni Oldenburg und die Jade Hochschule sie dafür sensibilisiere. Vernetzungen in der Region Oldenburg/Bremen gebe es jedoch auch. Laut Wiediger können sich die Szenen der beiden Städte mit ihren Stärken weiter ergänzen.

Positive Einschätzung für Bremens Entwicklung

Um das zu verstärken, gebe es seit Mitte des Jahres beispielsweise die Plattform Startups-nordwest.de. Dort können sich Start-ups aus der Region vernetzen. Die Website soll zugleich auf die Gründerszene im Nordwesten aufmerksam machen, sagt Wiediger: „Vielleicht schaffen wir dann ja auch mal einen Spot Oldenburg/Bremen.“

Tim Cordßen, Sprecher des Wirtschaftssenators Martin Günthner (SPD), schätzt Bremens Entwicklung dabei ebenfalls als positiv ein – wenngleich das Bundesland im Monitor leicht unter dem Vorjahreswert stagniert. Im Verhältnis zu seiner Größe und den Möglichkeiten sei Bremen jedoch gut aufgestellt.

„Natürlich gibt es noch Luft nach oben.“ Insgesamt zählt Cordßen in Bremen 100 Start-ups. Konzentrieren will sich das Wirtschaftsressort bei der Förderung der Gründer vor allem auf Cluster: auf Branchen, die bereits stark sind. Diese Fokussierung auf lokale Stärken wie die Luft- und Raumfahrt oder Logistik hält Tobias Dazenko, Mitglied in der Bremer Regionalgruppe des Start-up-Verbands, für eine sinnvolle Strategie.

Gut ausgebildete IT-Spezialisten benötigt

„Gründer profitieren dadurch von der lokalen Expertise an den Hochschulen als auch in den Betrieben. Investoren, Experten aber auch erste Kunden lassen sich so schneller finden und frische Lösungen wachsen auf fruchtbaren Boden.“ Das Bewusstsein für das Thema Start-ups in Bremen steige derweil, sagt der Gründer des Unternehmens Tobyrich: „Das Thema ist mittlerweile kein exotisches Silicon-Valley-Phänomen mehr.“

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Zur Veröffentlichung des Monitors in Berlin schickte Florian Nöll, der Vorsitzende des Start-up-Verbands, Botschaften in Richtung Politik. Start-ups in Deutschland brauchten gut ausgebildete IT-Spezialisten, um weiter zu wachsen und im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Tatsächlich habe jedoch jedes dritte Unternehmen Schwierigkeiten, ausländische Mitarbeiter einzustellen – insbesondere wegen bürokratischer Hürden.

„Eine Willkommenskultur, die den Fachkräften den Einstieg in das neue Leben erleichtert und ein bedarfsorientiertes Einwanderungsgesetz sind für den Standort Deutschland unerlässlich.“ Zur Vorstellung der Untersuchung war eine Empfängerin der Botschaft eingeladen: Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD).

Die Untersuchung ist nachlesbar unter www.deutscherstartupmonitor.de.

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