Deutschland-Chef der Reederei CMA CGM Reinhard Peschel verabschiedet sich in den Ruhestand

Bei seiner Verabschiedung hat Reinhard Peschel, der langjährige Deutschland-Chef der französischen Containerreederei, mehr Zusammenarbeit zwischen Deutschlands Seehäfen gefordert.
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Reinhard Peschel verabschiedet sich in den Ruhestand
Von Florian Schwiegershausen

Die Gelegenheit hat sich Reinhard Peschel nicht nehmen lassen. Bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand betonte der langjährige Deutschland-Chef der französischen Reederei CMA CGM vor den mehr als 50 Gästen aus der bremischen Hafenwirtschaft und Logistikbranche: „Bremerhaven, Hamburg und Wilhelmshaven müssen norddeutsch gemeinsam denken. Denn wenn sie das nicht tun, geht die Ladung nicht zu uns, sondern sie wandert in andere Häfen ab.“ Unter den Gästen waren auch der Bremenports-Geschäftsführer Robert Howe sowie Vertreter aus dem Vorstand der Bremischen Hafenvertretung. Wirtschaftsstaatsrat Jörg Schulz lauschte ebenso Peschels Rede und überbrachte Grüße von Bürgermeister Carsten Sieling (SPD).

Bürgermeister Sieling zu Besuch

Denn Sieling war erst vor zwei Wochen im Bremer Büro in der Obernstraße zu Besuch, das gleichzeitig auch der Hauptsitz von CMA CGM Deutschland ist. CMA CGM gehört zu den drei großen Containerreedereien auf der Welt. Beim Besuch sagte Peschel: „Bremen und insbesondere die bremischen Häfen sind von großer Wichtigkeit für die Transatlantik- und Feederdienste von CMA CGM.“ Von Bremerhaven geht zwei Mal pro Woche eine Verbindung über die US-amerikanische Ostküste, weiter zum Golf bis nach Mexiko. Einmal pro Woche gibt es auch eine Verbindung von Bremerhaven zum Mittelmeer bis nach Griechenland und zur Türkei. CMA CGM Deutschland bietet 18 wöchentliche Anläufe dank ihrer 18 direkten Liniendienste an und verbindet damit Deutschland mit mehr als 420 Häfen in 160 Ländern.

Seit April gibt es eine Verbindung von Wilhelmshaven nach Asien, bei der CMA CGM über die Ocean Alliance mit den Reedereien Cosco, OOCL und Evergreen kooperiert. Die Allianz führt auch zu schnelleren Laufzeiten. So benötigt ein Schiff von Bremerhaven nach New York jetzt nur noch neun Tage statt zuvor zwölf Tage. Inzwischen bietet CMA CGM 18 wöchentliche Anläufe mit direkten Liniendiensten ab Bremerhaven, Hamburg und Wilhelmshaven an. So wird Deutschland mit mehr als 420 Häfen in 160 Ländern verbunden.

Entsprechend dieser Entwicklung hat sich auch insgesamt die Anzahl der Hafenanläufe von Großcontainerschiffen in Bremerhaven vervielfacht: Gab es 2006 nur drei Anläufe von Containerschiffen mit 18.000 Standardcontainern (TEU) und mehr, waren es ein Jahr später bereits 35. In diesem Jahr rechnet die stadtbremische Hafengesellschaft mit insgesamt 277 Anläufen.

Mehr als 843.000 Standardcontainer

Im vergangenen Jahr beförderte CMA CGM Deutschland 843.000 TEU. Peschels Nachfolger und seit Jahrzehnten guter Arbeitskollege Peter Wolf sagte bei dem Empfang, dass diese Zahl für 2017 wohl übertroffen werde. Wolf erinnerte in seiner Rede an die gemeinsame Zeit. Bis 2008 übernahm CMA CGM andere Reedereien, die ins Unternehmen integriert werden mussten. Dazu gehörten Delmas, Comanav und US-Lines. Dann musste auf die weltweit einsetzende Schifffahrtskrise reagiert werden: „Bei der großen Krise 2008 und 2009 war es zum einen der Verdienst von Reinhard Peschel, mit Kurzarbeit auf die Situation zu reagieren, zum anderen der vom Team. Denn alle Mitarbeiter zogen damals an einem Strang. Nur kurz danach, im Jahre 2010, waren wir schon wieder bei 500.000 TEU.“

Was Peschel wiederum als besonders herausstellte und sich von anderen Reedereien unterscheidet: „CMA CGM ist immer noch ein Familienunternehmen. Das merkt man jeden Tag bis zu uns ins Büro. Da gibt es keine langen Reporting Lines.“ In der Tat gehört es der französischen Familie Saadé und hat seinen Hauptsitz in Marseille. Das 147 Meter hohe charakteristische Gebäude, in dem die Zentrale ist, überragt den Hafen von Marseille.

Peschel gibt das Staffelholz also weiter an seinen langjährigen Kollegen Peter Wolf. Der kann sich in der Zukunft mit den alternativen Antrieben für die Containerschiffe beschäftigen. Denn CMA CGM hat in China neun Schiffe bestellt, die mit Flüssiggas (LNG) statt mit Schweröl laufen werden. Jeder dieser Riesenpötte kann bis zu 22.000 TEU transportieren. Der Plan von CMA CGM sieht vor, zwischen 2015 und 2025 die CO2-Emissionen um 30 Prozent zu reduzieren. So ist das Ziel der Reederei, die führende Kraft der Branche im Umweltschutz zu sein und eine Vorreiterstellung bei Innovationen und umweltfreundlichen Technologien einzunehmen.

Beim LNG arbeitet die Reederei mit dem französischen Mineralölunternehmen Total zusammen. Dazu haben beide Unternehmen in dieser Woche eine Kooperation vereinbart. Total soll ab 2020, wenn die ersten LNG-Cointainerschiffe von CMA CGM starten, jedes Jahr 300.000 Tonnen Flüssiggas liefern. Total soll eine maßgeschneiderte Lösung bieten und will dazu ein LNG-Tankschiff chartern. Das soll nicht nur Schiffe von CMA CGM versorgen, sondern auch die anderer Kunden.

Container als Abschiedsgeschenk

Wenn das erste LNG-Schiff in Bremerhaven, Hamburg oder Wilhelmshaven anlegen wird, hat Reinhard Peschel beruflich damit nichts mehr zu tun. Aber er wird bestimmt mit seinen zwei Enkelkindern am Ufer beobachten, wie das Riesenschiff an der Kaimauer anlegen wird. Nach der Verabschiedung jetzt in Bremen wird es am kommenden Dienstag eine weitere in Hamburg geben – dann mit Vertretern der Hafenwirtschaft von der Elbe.

Denn Peschel pendelte regelmäßig zwischen den beiden großen Standorten Bremen (80 Mitarbeiter) und Hamburg (214 Mitarbeiter) – und zwischendurch oft nach Marseille zur Firmenzentrale. Das wird demnächst nur noch privat sein. Von den Kollegen erhielt er als Abschiedsgeschenk einen kleinen handgefertigten Rollcontainer im CMA-CGM-typischen Dunkelblau. Die alten Schiffsmodelle aus seinem Büro werden da wohl nicht reinpassen.

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