Forderungen aus Bremen und Niedersachsen

Rufe nach Regelung fürs Homeoffice

Forderungen nach Regeln fürs Homeoffice kamen am Montag nicht nur aus Bremen und Niedersachsen. Wirtschaftsvertreter lehnen eine Verpflichtung der Unternehmen aber ab.
18.01.2021, 19:55
Lesedauer: 3 Min
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Rufe nach Regelung fürs Homeoffice
Von Lisa Boekhoff
Rufe nach Regelung fürs Homeoffice

In Bremer Unternehmen ist Homeoffice verbreitet. Doch längst nicht alle Mitarbeiter haben die Wahl.

Jens Kalaene / dpa

Seit Tagen läuft die Debatte. Setzen Arbeitgeber in ihren Unternehmen bereits genügend auf das Homeoffice? Oder sind hier Nachbesserungen notwendig, um die Infektionszahlen weiter zu reduzieren? In Bremen gibt es in vielen Betrieben mittlerweile Heimarbeit. „Innerhalb unserer Unternehmensgruppe befinden sich die Mitarbeitenden zum großen Teil im Homeoffice“, sagt etwa Heinz Kierchhoff, Geschäftsführer des IT-Unternehmens Team Neusta. Viele Mitarbeiter seien nach dem ersten Lockdown im Homeoffice geblieben oder hätten die Präsenztage reduziert. Die Teams agierten sowieso digital und könnten von überall arbeiten – das sei nun ein Vorteil. Ausnahmen gebe es in der Buchhaltung, beim Empfang oder Gebäudemanagement.

Im Logistikunternehmen BLG fallen Ausnahmen dagegen viel stärker ins Gewicht. Wo immer es gehe, so Sprecherin Vivien Kretschmann, arbeiteten Kollegen umschichtig von Zuhause aus. Die große Mehrheit arbeite aber operativ im Lager – keine Chance für mobiles Arbeiten. Seit Beginn der Pandemie setze man umfangreiche Sicherheits- und Hygienemaßnahmen um. Schicht- und Pausenzeiten seien verschoben, zusätzliche Pausenräume eingerichtet worden. Außerdem bestehe eine generelle Maskenpflicht. „Das heißt auf allen Verkehrs- und Begegnungswegen muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.“ Nur am Arbeitsplatz selbst sei das Ablegen erlaubt, wenn der Abstand das zulasse. Derweil sind bei der AOK Bremen/Bremerhaven etwas mehr als 200 von 750 Mitarbeitern im Homeoffice – unterschiedlich je nach den Abteilungen.

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Neuen Schwung in die Diskussion ums Homeoffice brachte Andreas Bovenschulte (SPD). Im "Morgenmagazin" erklärte Bremens Bürgermeister am Montag mit Blick auf die Bund-Länder-Beratungen, dass die Mobilität im Zuge des Lockdown zwar schon gesunken sei, aber noch nicht genug. "Insofern sollten wir eine Regelung bekommen, dass überall da, wo es möglich ist, auch tatsächlich Homeoffice angeboten werden muss." Auf Nachfrage wollte sich das Rathaus nicht weiter äußern, wie eine solche Regelung aussehen könne. Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) sagte gegenüber dem WESER-KURIER: „Überall wo es geht, sollten Beschäftigte auch im Homeoffice arbeiten können." Nach Angaben des Ressorts spricht sich der Senat aber gegen eine Pflicht zum Homeoffice aus. Überhaupt gebe es einige Bereiche, in denen Homeoffice weiter nicht möglich sei – etwa die Pflege oder das verarbeitende Gewerbe.

Zurzeit sind Arbeitgeber dazu angehalten, möglichst Homeoffice anzubieten. Eine Pflicht gibt es nicht. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sprach sich gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ jetzt aber auch für eine solche Pflicht seitens des Bundes aus. Überhaupt plädierten im Vorfeld der Gespräche am Dienstag bundesweit Politiker für mehr Homeoffice. Auch die Bürgerschaftsfraktion der Grünen in Bremen forderte unter anderem verbindliche Regelungen für mobiles Arbeiten in Unternehmen. Dafür solle der Senat sich im Austausch mit den Ministerpräsidenten einsetzen.

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Bremer Wirtschaftsvertreter lehnen eine Pflicht dagegen ab. Der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände im Lande Bremen Cornelius Neumann-Redlin hält eine solche Regelung für unangebracht. Die Unternehmen gingen sehr verantwortungsvoll mit der Situation um. Homeoffice sei bei ihnen im großen Umfang angekommen. „Ein Appell ist genau der richtige Weg“, findet Neumann-Redlin. „Die Freiwilligkeit ist entscheidend.“ Die Handelskammer Bremen lehnt eine Verpflichtung ebenfalls ab. „Die Unternehmen dürfen gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit nicht mit weiteren bürokratischen Auflagen belastet werden“, so Sprecher Stefan Offenhäuser.

Cornelius Neumann-Redlin fürchtet auch, dass eine Ausnahme wegen Corona zu einer Regel werden könne. Ein ursprünglich angedachtes Recht auf Homeoffice, wie es Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) anregte, ist eigentlich nicht mehr geplant – die Union ist dagegen. Der Landesvorsitzende der Familienunternehmer Volker Redder warf Bovenschulte am Montag vor, das gescheiterte Gesetz des Bundesarbeitsministers "wieder aus der Mottenkiste zu holen“.

Die Chefin des DGB in Bremen Annette Düring machte klar: „Als DGB befürworten wir ein Recht auf Homeoffice". Die Entscheidung dürfe nicht alleine bei den Arbeitgebern liegen. "Momentan ist das private Leben fast komplett eingeschränkt und im Beruf geht alles weiter wie gehabt. Dadurch ist der soziale Zusammenhalt gefährdet."

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