Gewerbefläche in Bremen

Senat verlängert Reservierung für Borgward

Die Hängepartie um eine mögliche Ansiedlung des chinesischen Autoherstellers in Bremen geht weiter. Ein Grundstück im Güterverkehrszentrum wird weiter für das Unternehmen freigehalten.
20.03.2019, 06:00
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Senat verlängert Reservierung für Borgward
Von Peter Hanuschke
Senat verlängert Reservierung für Borgward

In Deutschland brachte Borgward im vergangenen Sommer mit dem BX7 TS sein erstes Fahrzeug auf den Markt. Über die Verkaufszahlen schweigt das Unternehmen.

BORGWARD

Es mangelt in Bremen an großflächigen Gewerbeflächen. Insofern dürfte es kein Problem sein, für ein 140 000 Quadratmeter großes freies Grundstück im nachgefragten Güterverkehrszentrum (GVZ) einen Abnehmer zu finden. Doch für andere Interessenten ist dieses Areal nicht gedacht: Nach wie vor ist diese Fläche für Borgward vorgesehen – oder zumindest sind die 14 Hektar für den chinesischen Autobauer mit Bremer Wurzeln immer noch reserviert, wie erst jetzt bekannt wurde.

Bislang hieß es immer, dass die seit April 2017 vereinbarte Reservierung bis zum 31. Dezember abgelaufen ist. Dass dieses Areal dann anschließend trotzdem nicht aktiv in die Vermarktung ging, hat einen einfachen Grund: Borgward hat die Fläche erneut für sich reservieren lassen. „Die Borgward Group hat um eine Verlängerung der Reservierung für das Grundstück im GVZ gebeten“, heißt es auf Nachfrage des WESER-KURIER von Seiten der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB), die unter anderem für die für die Vermarktung von Gewerbeflächen zuständig ist. Dieser Bitte habe man entsprochen.

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Dass Bremen weiterhin auf Borgward setzt, das spiegelt sich auch im Beteiligungsbericht der Stadt wider, der an diesem Mittwoch in der Wirtschaftsdeputation vorgestellt wird. Darin heißt es: „Im Ansiedlungsbereich“ (gemeint ist damit das Güterverkehrszentrum) „wird eine Entscheidung über die Ansiedlung der Borgward-Group für 2019 angestrebt.“ Darüberhinaus ist in dem Bericht auch die Rede davon, dass die Nachfragen nach Gewerbeflächen weiter ansteigen.

Bau einer Fertigungshalle im GVZ

Schon mehrfach hatte Borgward in der Vergangenheit angekündigt, zeitnah mit dem Bau einer Fertigungshalle im GVZ beginnen zu wollen. In einer gemeinsamen Pressemitteilung von WFB und Borgward hieß es 2017: „Die Traditionsmarke Borgward kehrt nach Bremen zurück.“ Der Stuttgarter Automobilkonzern plane, auf dem Gelände des Güterverkehrszentrums im Bremer Westen ein 140 000 Quadratmeter großes Gelände zu erwerben. Ein entsprechendes Memorandum of Understanding unterzeichneten die Borgward-Group und Bremer Wirtschaftsförderung. „Mit dem Kauf des Areals gehen wir konsequent den nächsten Schritt in unserer globalen Wachstumsstrategie“, sagte damals Ulrich Walker, zu diesem Zeitpunkt noch Borgward-Chef.

„Wir heißen Borgward herzlich in Bremen willkommen“, so WFB-Geschäftsführer Andreas Heyer damals. „Das Güterverkehrszentrum Bremen bietet mit seiner hervorragenden verkehrstechnischen Anbindung optimale Standortbedingungen für das Vorhaben der Borgward Group.“ Auch Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) hatte das Engagement der Borgward-Group an der Weser begrüßt und darauf hingewiesen, dass Bremen über eine große Kompetenz in der Automobilbranche verfüge und mit Borgward eine starke Marke hinzugewinne mit Ambitionen, im europäischen Markt eine wichtige Rolle zu spielen.

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Dass es Borgward weiterhin mit einer Ansiedlung ernst meint, davon gibt sich der Wirtschaftssenator nach wie vor überzeugt. Gerade dass das Unternehmen um eine Verlängerung der Reservierung gebeten habe, unterstreiche dieses Interesse am Standort, sagte sein Sprecher Tim Cordßen. Man sei in intensiven Gesprächen und habe gute Kontakte zu den Anteilseignern. Dass das Interesse an Borgward insgesamt groß sei, liege sicherlich an der Traditionsmarke und daran, dass das Unternehmen selber bekanntlich seine Pläne sehr öffentlich kommuniziert hatte.

Zeitliche Verschiebungen durch Veränderungen bei Borgward

„Bei anderen großen Ansiedlungsvorhaben, die sich in der Planungsphase befinden, vermelden wir auch nicht jeden Zwischenstand. Das sollte auch bei Borgward gelten, um am Ende Fakten präsentieren zu können“, sagte Cordßen. Auf jeden Fall sei der Senator zuversichtlich, dass der Flächenverkauf erfolgreich abgeschlossen werden könne. Dass es zeitliche Verschiebungen gab, sei sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass es bei Borgward auf Eignerseite zu Veränderungen gekommen sei.

Das Unternehmen – dessen Bremer Vorgänger Anfang der 1960er-Jahre pleite ging – hatte in der Vergangenheit lange nach einem neuen Eigentümer gesucht. Der chinesische Mutterkonzern Foton hatte schließlich im Oktober angekündigt, 67 Prozent seiner Anteile verkaufen zu wollen. Damals hatten sowohl Foton als auch Borgward mit Verlusten zu kämpfen: So hatte Borgward laut der Website Carsalebase.com im Jahr 2017 etwa 44 000 Fahrzeuge in China ausgeliefert. Von Januar bis Juli sanken 2018 die Verkäufe des Autoherstellers im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23,3 Prozent. In Deutschland hatte Borgward im vergangenen Sommer mit dem BX7 TS sein erstes Fahrzeug auf den Markt gebracht. Wie gut es sich verkauft, das wollte das Unternehmen mit Sitz in Stuttgart bislang nicht kommentieren.

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Ende Dezember übernahm schließlich Ucar für 508 Million Euro die 67 Prozent. Hinter Ucar verbirgt sich ein aufstrebendes Unternehmen auf dem chinesischen Mobilitätsmarkt – und ein Geschäftsprinzip, das man vor allem mit dem Silicon Valley in Verbindung bringt. Denn Ucar bietet Fahrdienste an, vergleichbar mit dem US-Start-up Uber. Nutzer können sich hier über eine App einen Wagen samt Fahrer bestellen, der sie dann von A nach B bringt. Allerdings sind die Fahrer nicht wie sonst mit ihren Privatwagen unterwegs, sondern Ucar stellt die Fahrzeuge.

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