Knapp 34 Millionen Euro Gewinn Sparkasse Bremen zieht im Oktober in den Technologiepark

Die Zeichen bei der Sparkasse Bremen stehen auf Umzug. Im Oktober geht es in den Technologiepark. Dort will sie vieles ändern und zum Finanzvermittler werden.
11.02.2020, 11:32
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Sparkasse Bremen zieht im Oktober in den Technologiepark
Von Lisa Schröder

Für die Sparkasse Bremen geschehen in diesen Zeiten viele Dinge das allerletzte Mal – zumindest am Standort am Brill. Denn im Oktober zieht die Bank von ihrem Traditionssitz im Herzen der Stadt in den Bremer Technologiepark und damit vergleichsweise in die Peripherie. Am Dienstag hat die Sparkasse Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr gezogen. Am Brill im Gebäude mit dem schmucken Schriftzug in Gold präsentierte in der vierten Etage der Vorstand das letzte Mal Zahlen und Pläne – ein Stück Abschied. Unterm Strich steht ein Jahresüberschuss von knapp 34 Millionen Euro, ein schwächeres Ergebnis als im Vorjahr mit 37 Millionen Euro. Damit habe die Sparkasse gerechnet.

Modernere und interdisziplinärere Arbeit

Anders als sonst ging es umgekehrt herum: Erst der Ausblick, dann der Rückblick. Die Sparkasse Bremen mit nun 195 Jahren Geschichte steht nicht nur durch den Umzug vor einem Neuanfang. Im Technologiepark will die Bank anders arbeiten – moderner und interdisziplinärer über Bereiche hinaus denken. Der Vorstandsvorsitzende Tim Nesemann sprach in diesem Zusammenhang von einer „grundlegenden Transformation der Sparkasse Bremen“ und gab den Weg für mehr Tempo, Innovation und Angebote konsequenter im Sinne der Kunden vor: „Wir müssen lernen, so zu denken, zu arbeiten und zu handeln wie unsere Wettbewerber von morgen – und das sind nicht die Banken von heute, sondern in erster Linie die Googles, Apples, Amazons, Fintechs und andere Unternehmen.“

Die Sparkasse will immer mehr zum Finanzvermittler werden. Die Transparenz über Leistungen und Preise von Finanzprodukten sei heute groß, sagte Nesemann. „Die Plattformökonomie ist deshalb auch in der Finanzwirtschaft nicht aufzuhalten und gewinnt immer mehr an Bedeutung.“ Die Kunden sollen darum begleitet werden, passende Produkte und Dienstleitungen zu finden – auch wenn der Anbieter ein Dritter sei. In dem Fall gibt es eine Provision. „Das Wichtigste für uns ist aber, die Leerberatungen massiv zu reduzieren“, erklärte sein Vorstandskollege Thomas Fürst den neuen Weg. Weniger Kunden sollen in Zukunft nach einem Beratungsgespräch im Haus doch zur Konkurrenz gehen.

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Zudem setzt die Bank auf Expertise eines bekannten Bremer Softwareunternehmens: Zusammen mit dem Team Neusta hat die Sparkasse ein Joint Venture gegründet, um neue Produkte zu entwickeln. „Übersee-Hub“ heißt das Projekt, an dem die Bank mit 75 Prozent die Mehrheit hält. Tim Nesemann ergriff hier die Initiative und ging auf Geschäftsführer Carsten Meyer-Heder zu.

Vor welchem Wandel die Branche angesichts des „Megatrends“ Digitalisierung stehe, machte der Vorstandschef zum Auftakt der Bilanzpräsentation deutlich. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz bekomme eine immer größere Bedeutung. Gerade am Morgen habe er eine Studie eines britischen Instituts gelesen: In der Finanzwirtschaft verändere die KI in den nächsten zehn Jahren 80 Prozent der Arbeitsplätze. Sicher gebe es auch neue Aufgaben. Am Ende werde sicher aber eine ganze Reihe von Arbeitsplätzen wegfallen. Auf KI setzt die Sparkasse beim neuen Unternehmen Smavesto: Ein Roboter managt hier die Fonds. Insgesamt gibt es um die 300 bis 350 Kunden.

Standort mit Wohnzimmercharakter

In der analogen Welt rollt die Sparkasse derweil ihr Konzept Stadtteilfiliale weiter aus. In Schwachhausen hat gerade der neueste und damit vierte Standort mit Wohnzimmercharakter eröffnet. Folgen sollen nun im März eine Stadtteilfiliale in Lesum, dann in Blumenthal und Vegesack. 15 Stadtteilfilialen je mit Zweigstellen sollen es nach den aktuellen Plänen sein. Die Sparkasse sucht dort den Kontakt mit den Bürgern. Die Hamburger Sparkasse setzt ebenfalls verstärkt auf sogenannte Nachbarschaftstreffs.

Für die Sparkasse Bremen sind heute fast 1200 Mitarbeiter tätig. Ein Betrag in der Bilanz für 2019 fiel am Dienstag besonders ins Auge: Das außerordentliche Ergebnis von 212 Millionen Euro. Die gab es für den Verkauf der Brebau-Anteile an Bremen. Die Summe nutzte die Sparkasse, um das Eigenkapital und die Substanz zu stärken – vor allem durch Rücklagen im Fonds für allgemeine Bankrisiken. Die Bilanzsumme liegt nun bei mehr als zwölf Milliarden Euro. Die Bank ist bei der Wohnungsbaugesellschaft Brebau ganz raus, hat aber weitere Anteile an der Gewoba erworben. Negativzinsen für Privatkunden versucht die Sparkasse Bremen weiter zu vermeiden. Grundsätzlich benötige man die Einlagen der Kunden, so Vorstandschef Nesemann, um das Kreditgeschäft für „Häuslebauer“ oder die mittelständische Wirtschaft zu finanzieren. Solange das so sei, gehe man davon aus, dass man keine Negativzinsen an Privatkunden weitergeben müsse.

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Im Oktober werde am Brill für immer Schluss sein. Ein Teil der Mitarbeiter aus der Kundenhalle verstärkt den Standort in der Bahnhofsstraße. Für 2,5 Millionen Euro soll er, gedacht als reines Beratungszentrum, bis Ende September umgebaut werden, sodass dort rund 40 Mitarbeiter tätig sein können. Außerdem soll es 1600 Schließfächer geben. Die Schatzkammer im alten Finanzzentrum fällt schließlich weg. In den Neubau im Technologiepark ziehen 600 Mitarbeiter.

Ob die Sparkasse am Brill später wieder präsent sein wird? Das hängt von den Plänen ab, wie es hier weitergeht. Vorstand Joachim Döpp ordnete aus seiner Sicht ein: Natürlich habe es wegen der negativen Resonanz im Anschluss an die Koalitionsverhandlungen Enttäuschung gegeben – sowohl bei den Investoren, den Brüdern Schapira, und dem Architekten Daniel Libeskind. Die Folge? Funkstille. Nun gebe es aber wieder Gespräche zu einem Kompromiss für das wichtige Areal mit Bedeutung für die Innenstadt und das Quartier. „Das müssen wir jetzt einfach die nächsten Monate abwarten, wie weit sich beide Seiten bewegen.“ Zwar bestehe die Bremer Regierung aus drei Parteien. Döpp aber forderte: Gegenüber Investoren muss mit einer Stimme gesprochen werden.

+++ Dieser Text wurde um 21:34 Uhr aktualisiert +++

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