Innovative Unternehmen aus Bremen

Start-up Blackout Technologies erhält Gründerpreis

Sie heißt Pepper Luna und ist zum ersten Mal in ihrem Leben durch eine Kassenhalle gerollt. Warum Donnerstagabend in der Sparkasse am Brill gleich 500 Gäste die Roboterdame ins Herz geschlossen haben.
31.05.2018, 21:56
Lesedauer: 4 Min
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Start-up Blackout Technologies erhält Gründerpreis
Von Florian Schwiegershausen

Pepper Luna war der heimliche Star des Abends am Donnerstag im Finanzzentrum der Sparkasse Bremen am Brill. Dort wurde zum einen der Bremer Gründerpreis vergeben, zum anderen die Ehrung „Unternehmer des Jahres“. Doch am Abend waren die etwa 500 Gäste vor allem angetan vom Roboter Pepper Luna. Kein Wunder: Während er auf der Bühne stand, und Marc Fiedler und Lisa Fischer vom Start-up Blackout Technologies den Bremer Gründerpreis entgegennahmen, guckte der Roboter erstaunt Wirtschaftssenator Martin Günthner an. Der ist Schirmherr des Preises.

Nach der Preisverleihung unterhielt Pepper Luna einzelne Gäste. Es war so, als ob sie dabei mit ihren großen Kulleraugen flirten würde. Zumindest sah es so aus. Ganz abwegig ist das aber nicht, denn sein geistiger Vater Marc Fiedler möchte solche eigenen Züge. Denn der gebürtige Düsseldorfer entwickelt mit seinen Kollegen Roboter, die eine Persönlichkeit haben. Das erreicht er mithilfe von künstlicher Intelligenz.

Dazu gründete Fiedler Ende 2016 mit seinem Kommilitonen Gheorge Lisca das Start-up Blackout. Warum ausgerechnet Blackout? Fiedler erläutert: „Es sollte ein Name sein, der den Menschen in Erinnerung bleibt. Außerdem ist Blackout eine der Figuren aus der Serie „Transformers“ – und zwar die, die sich in einen Helikopter verwandeln kann.“

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Fiedler und Lisca haben sich an der Bremer Uni im Studium kennengelernt. Die Idee für Pepper Luna kam Fiedler wiederum durch die Science-Fiction-Trilogie „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams. Darin stieß Fiedler auf Marvin, den depressiven Roboter, und es entstand der Gedanke, Maschinen eine Persönlichkeit zu geben.

Fiedler und Lisca beschäftigten sich an der Uni mit künstlicher Intelligenz. Bereits dort am Technologie-Zentrum für Informatik (TZI) schraubte und lötete Fiedler Roboter zusammen. „Diese Arbeit, mit Händen etwas herzustellen, macht mir genauso Spaß“, sagt der Unternehmensgründer. Am TZI machte er Bekanntschaft mit dem Roboter Pepper von einem französischen Unternehmen.

So einen wollte er auch privat kaufen. Die Franzosen verkaufen aber nur an Firmen. Also gründete er mit Lisca eine Firma und kaufte für 20 000 Euro einen solchen Roboter. Was die Franzosen begeisterte: Blackout programmiert die Persönlichkeit. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz lernt Pepper Luna. Die Roboter fahren inzwischen unter anderem für Daimler und für das Pharma-Unternehmen Bayer umher. Auf Messen beantworten sie Fragen zum Unternehmen und laden die Besucher zum Stand ein.

Roboter lernt mit

Viele, die mit Luna zu tun haben, sind von ihren großen Kulleraugen fasziniert. Das Besondere: Der Roboter lernt mit. Es kann passieren, dass sie sagt: „Mir ist langweilig. Möchte jemand etwas mit mir machen?“. Die Einsatzfelder sind vielfältig. Die Roboter könnten in Zukunft Demenzkranken im Alltag helfen. Jobs komplett übernehmen, könnten sie laut Fiedler nicht.

Bei Blackout Technologies in der Bremer Airport-Stadt läuft es so gut, dass sie die Zahl von derzeit neun Mitarbeitern bis Jahresende auf 20 Mitarbeiter ansteigen soll. Das Unternehmen finanziert sich selbst. Nach der Übergabe des gläsernen Unternehmerpreises dankte Marc Fiedler seinen Mitarbeitern „und allen, die an uns geglaubt haben“.

Von der Sparkasse Bremen gibt es auch noch 10.000 Euro Preisgeld. Sparkassen-Vorstand Heiko Staroßom sagte, dass das Geldinstitut im vergangenen Jahr 62 Unternehmensgründungen im Durchschnitt mit knapp 100.000 Euro gefördert habe. „Diese Existenzgründungen haben mehr als 240 neue Jobs geschaffen“, sagte der für das Firmengeschäft zuständige Sparkassen-Vorstand.

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Anders als die Start-up-Unternehmer können Frank und Yasemin Vierkötter inzwischen bereits auf viele Jahre Firmenerfolg zurückblicken. Vor 24 Jahren stiegen sie mit ein bei Interhomes, einem der größten privaten Wohnungsbauunternehmen Deutschlands. Am Abend erhielten sie als Unternehmer des Jahres nun das obligatorische Steuerrad – der Preis wird jedes Jahr von den Familienunternehmern ausgelobt.

Interhomes wiederum wurde bereits vor 50 Jahren von Yasemins Vierkötters Vater Karl Grabbe gegründet. Sein Anliegen war es, für die Menschen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Mit diesem Prinzip startete Grabbe erst in Bremen und umzu, heutzutage ist das Unternehmen bundesweit unterwegs. Es beschäftigt heute 200 Mitarbeiter, erwirtschaftete 2016 einen Jahresumsatz von rund 137 Millionen Euro und wurde mehrfach als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet. Bisher errichtete Interhomes, das 2002 in eine Familien-Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, für rund 12.000 Familien ein neues Zuhause. Und für jedes fertige Haus wird ein Baum gepflanzt.

Mehr Mut von der Politik

Seit dem Anfang arbeitete Interhomes mit Musterhäusern, wodurch sich die Baukosten erheblich senken lassen. Das erste Bauprojekt befand sich damals am Stadtrand von Bremen, heute ist das Unternehmen bundesweit aktiv. Auch wenn Interhomes inzwischen ebenso die hochpreisigere Penthouse-Wohnung in Berlin entwickelt, sind unter den bis zu 500 Objekten pro Jahr auch etliche Reihenhäuser. Bezahlbarer Wohnraum bleibe das Anliegen.

Doch einfacher werde es nicht, wie Vierkötter in seiner Rede sagte: „Die Grundstückspreise steigen weiter, es wird Baurecht für viel zu wenig bezahlbaren Wohnraum geschaffen, und Bauanträge können bis zu zwei Jahre dauern.“ Vierkötter dankte zum Schluss seiner Rede allen Mitarbeitern: „Sie haben den Mut, uns auch mal zu sagen, wenn wir auf dem falschen Weg sind.“ Mehr Mut wünschte er sich auch von der Politik – Mut, wie man ihn als Unternehmer täglich haben müsse.

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