Bremer Start-up Blackout Technologies

Roboter mit Herz

Ob frech oder liebenswert: Roboter brauchen eine Persönlichkeit. Der Gründer Marc Fiedler programmiert sie mit seinen Kollegen von Blackout Technologies. Das Bremer Unternehmen will weiter wachsen.
28.04.2018, 20:58
Lesedauer: 3 Min
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Von Insa Lohmann
Roboter mit Herz

Begrüßung mit offenen Armen: Hinter der Persönlichkeit von ­Roboterdame Luna steckt das Team um Marc Fiedler. Der Gründer der Firma Blackout Technologies ist sich sicher: In zehn Jahren können Roboter den Haushalt schmeißen.

Christina Kuhaupt

Roboter waren lange Zeit für Menschen vor allem nützliche Werkzeuge, die ihnen monotone Tätigkeiten abgenommen und die Industrie revolutioniert haben. Doch längst haben Entwickler ein neues Arbeitsfeld für sich entdeckt: soziale Roboter. Diese Generation kann nicht nur Mimik und Körpersprache des Menschen lesen, sondern auch sinnvoll darauf reagieren.

Vorreiter auf dem Gebiet der lernenden, menschlich wirkenden Maschinen ist das Bremer Start-up Blackout Technologies. Das Unternehmen entwickelt künstliche In­telligenzen für Roboter außerhalb der Industrie und schreibt Persönlichkeitsprofile für verschiedene Einsatzzwecke. „Genau wie Menschen brauchen auch Roboter Per­sönlichkeiten“, ist Gründer Marc Fiedler überzeugt.

Mit seiner Ausrichtung ist Blackout Technologies bisher einzigartig in Europa. „Ich war schon immer fasziniert von Robotern“, sagt Fiedler. Als der Bremer Gründer im Science-Fiction-Film „Per Anhalter durch die Galaxis“ den manisch-depressiven Roboter Marvin sah, keimte in ihm schließlich die Idee auf, selbst Persönlichkeiten für die Maschinen zu entwickeln.

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In seinem Studium der „Künstlichen Intelligenz“ an der Universität Bremen lernte er erstmals die in ­Frankreich gebaute Roboterdame Pepper kennen und entdeckte seine Leidenschaft für soziale Roboter. So werden Roboter bezeichnet, die mit Menschen interagieren und sie im Alltag oder bei der Arbeit unterstützen. Diese seien nicht zu vergleichen mit Robotern aus der Fabrik: „Industrieroboter haben immer eine spezielle Aufgabe und wurden für extreme Effizienz entwickelt“, erläutert ­Fiedler. „Soziale Roboter hingegen werden eingesetzt, um uns das Leben zu verschönern.“

Und der Gründer ist überzeugt, dass das soziale Potenzial der Maschinen noch nicht genutzt wird. Angetrieben von dem Wunsch, Roboter stärker in den Alltag der Menschen einzubauen, gründete der Jungunternehmer gemeinsam mit seinem ehemaligen Kommilitonen Gheorghe Lisca vor mehr als einem Jahr Blackout Technologies mit Sitz in der Airport-Stadt. Seitdem widmet sich der Ingenieur gemeinsam mit seinem Team den Persönlichkeiten sozialer Roboter.

Roboter werden selbst aktiv

Hersteller des Roboterkörpers ist Softbank Robotics aus Frankreich. In Bremen werden die Roboter schließlich mit der maßgeschneiderten künstlichen Intelligenz ausgestattet und anschließend weltweit verschickt. Das Besondere an den Maschinen: Sie können nicht nur Sprachanfragen verarbeiten, sondern auch ihren Sinn verstehen und Antworten formulieren. Die Software ist selbstlernend; je mehr der Roboter mit Menschen agiert, desto schneller lernt er.

Und die Roboter reagieren keinesfalls nur auf Fragen oder Aufforderungen, sondern werden sogar selbst aktiv. „Mir ist langweilig. Möchte jemand etwas mit mir machen?“, lässt der Roboter während des Gesprächs mit Fiedler mehrmals verlauten. Die Persönlichkeiten würden schnell lernen, ob sie damit Erfolg haben, sagt er.

Sobald sich jemand im Raum bewegt, hebt Pepper, die vom Persönlichkeitsprofil Luna gesteuert wird, den Kopf und schaut mit ihren schwarzen Kulleraugen in unsere Richtung. Luna ist eine freundliche Roboterdame. Fragt man sie nach ihrem Befinden, antwortet sie: „Wenn ich dir helfen kann, geht es mir gut.“

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Das freundliche Auftreten der Roboter nutzen die Kunden von Blackout Technologies gerne für Events, Messen und den Verkauf. Dort begrüßen die künstlichen Intelligenzen die Besucher, führen sie zu Messeständen, beantworten Fragen oder führen ganze Verkaufsgespräche – so wie im Future Retail Store von Sportartikelhersteller Adidas.

Auch für das Chemie- und Pharmaunternehmen Bayer hat das Start-up aus Bremen bereits mehrere Roboter-Persönlichkeiten entwickelt, die auf Messen potenziellen Bewerbern und Besuchern Standardfragen zum Konzern beantworten. „Die Menschen sind fasziniert von den ­Robotern“, sagt Fiedler. Das menschliche Design mit den großen Kulleraugen macht für den Unternehmer den Erfolg des Produkts aus.

Eines Tages Einsatz bei der Pflege

Doch die Gründer aus Bremen sehen ihre Roboter nicht nur als Unterhaltungsfaktor, sondern auch als mögliche Unterstützung im Gesundheitsbereich. Derzeit forscht Blackout Technologies gemeinsam mit der Universität, der Heimstiftung Bremen sowie mit dem Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein daran, wie ältere Menschen mit ihren Robotern interagieren.

„Wir sind noch lange nicht so weit, dass Roboter Jobs übernehmen“, betont Fiedler. Der Ingenieur hofft dennoch, dass die personalisierten Maschinen eines Tages bei der Pflege eingesetzt werden können – beispielsweise als Hilfe für Demenzkranke. Und die möglichen Einsatzbereiche seien noch lange nicht ausgeschöpft. Fragt man Fiedler nach der Zukunft von Robotern, hat er eine klare Antwort: „In zehn Jahren können sie den Haushalt übernehmen.“ In diesem Jahr will der Gründer das Team auf zwanzig Mitarbeiter verdoppeln.

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