Bremer Kaufverhalten Stimmung im Handel trübt sich ein

Eine Umfrage von Creditreform zeigt, warum die Betriebe weniger Ertrag erwarten und was sie bei der Digitalisierung beschäftigt. Letztere wird längst nicht überall als Chance gesehen.
20.06.2019, 21:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Lakeband und Florian Schwiegershausen

Viele Unternehmen in der Region spüren die schwächelnde Konjunktur. Das geht aus einer Untersuchung der Auskunftei Creditreform hervor, die sie an diesem Donnerstag in Bremen vorgestellt hat. Doch auch wenn die Firmen pessimistischer sind: Sie befinden sich immer noch auf einem guten Niveau.

Knapp 1200 kleine und mittelständische Betriebe aus der Metropolregion Bremen-Oldenburg hat Creditreform für seine jährliche Studie befragt. Dabei zeigt sich, dass sich die Stimmung im Vergleich zum Vorjahr etwas eingetrübt hat. 67,2 Prozent nannten ihre Geschäftslage sehr gut oder gut. 2018 waren es noch 70,2 Prozent.

Dabei gibt es allerdings deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Branchen. Vor allem im Baugewerbe hat sich die Stimmung zuletzt eingetrübt. Hier war der Rückgang mit fünf Prozentpunkten am größten, gleichzeitig ist die Zufriedenheit noch am höchsten. Anders im Handel: In dieser Branche bezeichnen nicht mal mehr zwei Drittel der Unternehmen ihre Lage als gut.

Das könnte auch mit einem zögerlichen Konsumverhalten der Kunden zu tun haben. Die Menschen hierzulande denken mittlerweile wieder öfter ans Sparen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsunternehmens Nielsen hervor. „Nachdem das Sparen bei den Deutschen in den letzten Jahren leicht aus der Mode gekommen war, geben wieder mehr Deutsche an, dass sie ihr Geld sparen, statt dieses zum Beispiel für ihr Hobby, Kinobesuche oder ein neues Smartphone auszugeben“, sagte der Nielsen-Chef Jens Ohlig. In den Umfragen der vergangenen Jahre hat das Sparen hingegen kaum eine Rolle gespielt.

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Den Handel plagt laut Creditreform aber noch ein anderes Problem: „Der Handel ist unter allen Branchen wohl am stärksten von der digitalen Transformation betroffen“, heißt es in der Untersuchung. Vor allem der Einkauf im Internet setze dem klassischen Einzelhandel zu. Bei der Personalplanung zeigt sich dennoch ein durchmischtes Bild. Sowohl die Zahl der Unternehmen im Handel, die mehr Personal einstellen wollen, als auch die Zahl derer, bei denen Mitarbeiter gehen müssen, ist gestiegen. Damit liegt der Handel wiederum im Trend – dieses Ergebnis zieht sich laut Creditreform durch alle Branchen. In der Baubranche und dem verarbeitenden Gewerbe zeigt sich weiterhin das Problem, dass es immer schwieriger wird, ausreichend Fachkräfte zu finden.

Dass Unternehmen in der Metropolregion mit Vorsicht in die Zukunft schauen, ist nicht überraschend. Zuletzt haben viele Untersuchungen darauf hingedeutet, dass sich die Konjunktur eintrüben wird. Erst Anfang der Woche hatte das Ifo-Institut seine Prognose bestätigt: Demnach soll sich das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr lediglich um 0,6 Prozent erhöhen. Auch die aktuelle Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) spricht dafür, dass sie nicht von einer sich verbessernden Wirtschaft ausgeht. Am Dienstag sagte EZB-Präsident Mario Draghi, dass eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik erforderlich sei, sollten sich Konjunktur und Inflation nicht bessern.

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Neben der Geschäftslage und den Erwartungen, hat Creditreform aber auch noch die Einstellung zur Digitalisierung der Unternehmen abgefragt. Hier zeigt sich: Ein Großteil ist mit der digitalen Infrastruktur in der Region nicht zufrieden. „Ganz ausdrücklich von einem zu langsamen Netzzugang sprechen 23,5 Prozent der Befragten, ein weiteres knappes Drittel (30,7 Prozent) braucht für neue Anwendungen ein schnelleres Internet und nur weniger als die Hälfte (44,8 Prozent) empfinden den Internetzugang als ausreichend schnell“, stellt die Studie fest.

Gleichzeitig wird deutlich, dass viele Unternehmen die Digitalisierung als Herausforderung sehen, die Probleme mit sich bringt. So bewerten fast 60 Prozent die Kosten für die Transformation als zu hoch, 53 Prozent sehen Probleme beim Datenschutz und der Datensicherheit. Was überrascht: Rund 24 Prozent der befragten Firmen sehen keinerlei Chancen in der Digitalisierung.

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Einen Grund dafür sieht der Geschäftsführer von Creditreform Bremen, Peter Dahlke, darin: „An unserer Umfrage beteiligen sich auch eine Reihe von Unternehmen, die zwischen einem und 20 Mitarbeitern haben.

Und solche eher kleineren Betriebe sehen im digitalen Wandel eher weniger eine Chance.“ Das sei eher der Fall bei Firmen mit einer gewissen Unternehmensgröße. Dabei können Betriebe, die im eher ländlichen Bereich ihren Sitz haben, beispielsweise per E-Commerce durchaus profitieren.

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