Was kommt nach dem Kohleausstieg Bremer SWB sucht nach neuen Perspektiven

Die SWB will in den nächsten Jahren ihre Kraftwerke stilllegen und den Standort im Hafen in einer der Auktionen anbieten. Doch was kommt nach der Kohle?
29.08.2020, 05:00
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Bremer SWB sucht nach neuen Perspektiven
Von Lisa Schröder

Für Torsten Köhne ist der Abschied keine Frage mehr. Emotional sei das für ihn eigentlich erledigt: Der Kohleausstieg für die SWB kommt. „Da geht es nicht so sehr darum ob und wie, sondern eigentlich nur noch wann“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Bremer Energieversorgers. Die Szenarien für die beiden Kraftwerkstandorte sind vorgezeichnet – nun noch ein Stück genauer.

Der Chef der SWB sprach am Donnerstag auf Einladung der Enquetekommission für die Klimaschutzstrategie Bremens und gab Antwort auf einen Fragenkatalog. Der Kohlekraftwerkstandort der SWB im Hafen soll demnach in einer der Auktionen der Bundesnetzagentur in den nächsten Jahren angeboten werden. „Die Anlage ist geradezu dafür prädestiniert“, sagte Köhne. Als Jurist finde er es schon bemerkenswert, dass die Entschädigung für die Stilllegung der Kraftwerke im Prinzip wie eine Ebay-Auktion verlaufe. „Das ist mindestens ungewohnt.“

Ob der Standort Hafen schon bei der allerersten Auktion dabei ist? Die SWB will sich aus Wettbewerbsgründen dazu nicht äußern. Onyx, Betreiber des Kohlekraftwerks in Farge, möchte ebenfalls nicht über eine Beteiligung sprechen, die laut Verdi aber der Fall ist.

Mitarbeiter brauchen neue Perspektive

Am Dienstag endet die Frist für die Premiere: Erstmals bieten dabei die Kraftwerksbetreiber gegeneinander. Wer den Zuschlag für die Entschädigung bekommt, geht bereits zeitnah vom Netz – im nächsten Jahr. Die Anlage müsse dann wirklich außer Betrieb genommen werden, sagt Köhne. Dann sei es vor allem die Aufgabe, eine neue Perspektive für die Mitarbeiter zu finden. Am Block 6 im Hafen sind es mehr als 100 Beschäftigte. Während die Kohlefrage für Köhne geklärt ist, sieht er vor allem eine wirkliche Herausforderung: Wie geht es mit der Fernwärme weiter? Und wie steht es um Pläne für Grüne Fernwärme? Das Kohlekraftwerk in Hastedt soll denn auch bleiben, bis die Fernwärmeleitung vom Müllheizkraftwerk über Schwachhausen in den Bremer Osten steht. Hastedt versorgt gerade den Osten mit Fernwärme und heizt auch Mercedes in Sebaldsbrück ein. Wenn die Kohle in den nächsten Jahren weg ist, soll das neue mit Gas betriebene Blockheizkraftwerk eine Lösung sein – aber nur für den Übergang von bis zu maximal 15 Jahren. Schon jetzt seien die Investitionen hoch: Nur für die Verbindungsleitung und Ersatzanlage für die Fernwärme seien 200 Millionen Euro zu veranschlagen.

Köhne sollte der Kommission zudem eine zentrale Frage beantworten: „Wie sähe Ihr Konzept für ein klimaneutrales Bremen in 2035 aus?“ Der SWB-Chef musste jedoch passen: „Ich beantworte hier wahrheitsgemäß: Dafür haben wir kein Konzept.“ Auch der Strom für Partner wie die Bahn werde bis dahin nicht klimaneutral erbracht werden können aufgrund der Leistungsdimensionen. Wasserstoff könne aus heutiger Sicht nur für einen Teil des Bedarfs denkbar sein. Allein für eine Wasserstofflösung für das Stahlwerk seien 800 bis 900 Millionen Euro Investitionen nötig. „Nur für die Hütte.“

Zur vierten Sitzung der Enquetekommission war am Donnerstag in die alte Müslipackstation von Kellogg geladen worden. Nicht nur, weil es dort viel Platz für Abstand gab. Auf dem Areal sollen zudem Klimafragen beim Projekt Überseeinsel neu gedacht werden. Klaus Meier, Aufsichtsratsvorsitzender der dafür zuständigen WPD, stellte es vor. „Wir versuchen, einen Stadtteil zu entwickeln“, sagte er. Lebendig, sicher, gesund und eben auch ökologisch solle der sein.

Der Windenergieprojektentwickler WPD hat bereits ein Energiekonzept für einen Teil des Stadtteils erarbeitet – die alternativen Energien Sonne und natürlich Wind spielen dabei eine Rolle. Zudem will man hier die Temperatur der Weser zum Heizen und Kühlen nutzen. Und auch der Spaßfaktor fehlt nicht: So soll es auf dem Gelände eine Eislauffläche geben. Ganz unabhängig ist die Überseeinsel laut Meier am Ende aber nicht: „Wir haben kein autarkes Quartier. Wir werden darüber hinaus Energie benötigen.“

Aktivisten arbeiten an einem Forderungskatalog

Am alten Werkstor von Kellogg hatten sich im Vorfeld der Sitzung Gäste mit Bannern positioniert: Extinction Rebellion, Fridays for Future, Scientists for Future und Greenpeace Bremen. „Uns eint die Sorge, dass das Klima unbeherrschbar werden könnte, und wir fordern gemeinsam, dass möglichst schnell mit drastischen Schritten auf den Klimawandel reagiert wird“, teilte Michael Riechers von Greenpeace mit. Derzeit arbeite man an einem Forderungskatalog. Vermutlich solle dieser beim nächsten Treffen der Kommission übergeben werden. „Es kann nicht sein, jetzt noch fast eineinhalb Jahre auf die Ergebnisse der Kommission zu warten, um erst danach mit der Umsetzung zu beginnen. Dies muss deutlich schneller erfolgen.“

Von der Politik wünschte sich SWB-Chef Köhne, nicht nur Ziele festzulegen, sondern auch konkret zu werden, wie sie sich erreichen ließen. „Und wer bezahlt das eigentlich?“ Sicher gebe es gerade beim Einsatz von alternativen Energien noch eine Menge Luft nach oben. Am Ende gehe es aber beim Schritt zur Klimaneutralität vor allem um Rahmenbedingungen und Bezahlbarkeit. Schließlich könnten einem Unternehmen wie der SWB die Kosten nicht egal sein – auch im Sinne der Kunden.

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