Existenzgründung in Bremen

Universität baut Gründungsstrategie aus

Bremen. Die Softwarefirma Encoway entwickelt im Industriegebiet Horn-Lehe-West individuelle Computerprogramme für Kunden aus der Maschinenbaubranche. Sie ist ein Paradebeispiel für eine erfolgreiche Existenzgründung von jungen Akademikern.
18.12.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Julia Basic
Universität baut Gründungsstrategie aus

Gründer Markus Hollermann mit seinem bionischen Dübel.

Kuhaupt

Bremen. Die Softwarefirma Encoway entwickelt im Industriegebiet Horn-Lehe-West individuelle Computerprogramme für Kunden aus der Maschinenbaubranche. 80 Mitarbeiter sind bei dem Unternehmen beschäftigt. Im Bereich Produktkonfiguration ist Encoway Marktführer in Deutschland. Geschäftsführer Christoph Ranze ist das Paradebeispiel für eine erfolgreiche Existenzgründung von jungen Akademikern.

Seit mehr als zehn Jahren führt der 44-Jährige seine eigene Firma. Nach dem Studium an der Universität Bremen war er lange als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Technologiezentrum Informatik (TZI) tätig. Durch eine Projektarbeit mit dem Maschinenbauer Lenze SE kam Ranze vor zehn Jahren auf die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Die Universität Bremen hat jetzt ihre sogenannte Ausgründungsstrategie veröffentlicht. Damit verfolgt die Uni das Ziel, die Zahl der derzeit 15 betreuten Existenzgründungen aus der Hochschule heraus pro Jahr bis 2018 zu verdoppeln. Für Uni-Absolventen ist die Selbstständigkeit einer von vielen möglichen Wegen in die Berufswelt. In Bremen gründen junge Akademiker und Studenten nach Informationen der Bridge-Initiative bis zu 20 Unternehmen pro Jahr. Etwa 75 Prozent davon halten die ersten Jahre nach ihrer Gründung durch und schaffen es, sich am Markt zu etablieren. Demnach scheitert nur jedes vierte Gründungsvorhaben.

Die "Bremer Hochschulinitiative zur Förderung von unternehmerischem Denken, Gründung und Entrepreneurship", kurz Bridge, unterstützt Hochschulabsolventen auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Mit dem Netzwerk soll der Austausch von Wissen und Technologie zwischen den wissenschaftlichen Arbeitsgruppen der Hochschulen und der Bremer Wirtschaft gefördert werden. Geschäftsführer Martin Heinlein kennt die Vorteile von jungen Unternehmen: "Sie können schnell wachsen und haben ein hohes Wertschöpfungspotenzial." Das sei sowohl für die Forschung an der Universität als auch für die Wirtschaft des Landes Bremen enorm wichtig.

Die Universität und die Hochschule Bremen haben Bridge im Jahr 2002 gegründet. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Bremer Aufbau-Bank und die Wirtschaftsförderung unterstützen das Programm. Seit etwa vier Jahren ist auch die Hochschule Bremerhaven fester Partner von Bridge.

Christoph Ranze von Encoway coacht derzeit selbst zwei junge Start-up-Unternehmen. Nach seiner Erfahrung sind bei der Unternehmensgründung drei Phasen besonders wichtig. "Der erste Schritt ist der Kontakt zwischen Studenten und Förderinitiativen an der Hochschule", sagt Ranze. Den jungen Leuten müsse eine Perspektive geboten werden, aus ihrem Fachwissen eine Geschäftsidee zu entwickeln. "In der zweiten Phase muss die Idee in die Tat umgesetzt werden, dann heißt es gründen und etablieren." Dafür bietet Bridge Kurse und Gründerseminare an. "Das Coaching im Berufsalltag bildet die dritte Phase. Dabei sollten erfahrene Unternehmer die jungen Existenzgründer unterstützen." Ein Manko ist laut Ranze aber bislang, dass die Studenten nicht gezielt genug auf eine Existenzgründung angesprochen werden.

Das hat auch die Leitung der Universität Bremen festgestellt. Die Schnittstelle zwischen Universität, Wirtschaft und Forschung, Uni-Transfer, wurde inzwischen umstrukturiert. Früher sei man auch in Lehrveranstaltungen der Erstsemester gegangen und habe dort nach geeigneten Kandidaten gesucht - mit wenig Erfolg. "Der Fokus liegt jetzt ganz klar auf der Förderung von jungen Wissenschaftlern", sagt Heinlein. Die erfahrenen Coaches der Bridge-Initiative sollen nun vor allem wissenschaftliche Mitarbeiter bereits in ihren Arbeitsgruppen ansprechen und auf die Möglichkeit einer Existenzgründung aufmerksam machen. Dort liege laut Heinlein das größte Ideenpotenzial.

Etwa bei Felix Förster und Markus Hollermann. Die beiden Bremer Studenten haben nach dem Vorbild der Mundwerkzeuge von Zecken und Zikaden Spezialdübel entwickelt. Dafür erhielten sie den mit 10000 Euro dotierten "Internationalen Bionic-Award 2010". Bereits im Jahr 2009 hatten sie den Bachelor-Studiengang Bionik an der Hochschule Bremen abgeschlossen. Kurz darauf erstellten sie den Businessplan für ihr eigenes Unternehmen und machten sich im Jahr 2010 als "Die Bioniker" selbstständig. Sie entwickeln Befestigungssysteme mit Hilfe von Verfahren aus der Natur. Derzeit sind sie "schwer beschäftigt und in ganz Deutschland unterwegs, um Kunden zu beraten", erzählt Hollermann.

Vollzeitunternehmer sind die beiden trotzdem nicht. Förster und Hollermann machen nebenbei noch ihren Master. Auch in diesem Jahr waren sie wieder für einen Existenzgründer-Award nominiert. Es reichte für den dritten Platz. Als Existenzgründer werde man in Bremen nicht allein gelassen, sagt Hollermann. Die Bridge-Initiative habe ihnen Coaches zur Seite gestellt - erfahrene Unternehmer, die den schweren Weg in die Existenzgründung schon erfolgreich bewältigt haben. Auch die Kurse und Seminare von Bridge haben den Bionikern geholfen. "Ich hatte damals ja keine Ahnung von BWL und Steuerrecht", erinnert sich Hollermann.

Er würde auch anderen jungen Akademikern empfehlen, sich selbstständig zu machen. Dies sei eine gute Möglichkeit, um die eigenen Grenzen auszutesten. "Klar hätte unser Vorhaben auch schiefgehen können", sagt Hollermann. "Das wäre aber keine Katastrophe gewesen. Auf die Nase fällt man besser in jungen Jahren."

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