Bremer Start-up Sharemac

Unternehmen sollen ungenutzte Werkzeuge und Baumaschinen vermieten können

Das Bremer Start-up Sharemac will die Baubranche digitalisieren. Über eine Plattform sollen Unternehmen ungenutzte Werkzeuge und Baumaschinen mieten und verleihen können.
18.01.2019, 18:14
Lesedauer: 2 Min
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Unternehmen sollen ungenutzte Werkzeuge und Baumaschinen vermieten können
Von Stefan Lakeband

Das Prinzip klingt einfach und erstrebenswert: Weniger machen, mehr erreichen. Ein Wunsch, den wohl viele Menschen haben. Für Unternehmen aus der Baubranche soll er bald in Erfüllung gehen. Daran arbeitet zumindest Sven Voelpel. Zusammen mit zwei Studenten hat der Professor der Bremer Jacobs University ein Start-up gegründet; es soll eine Art Airbnb für Baumaschinen werden.

Das Modell, das hinter dem Start-up Sharemac steht, ist dem der US-Firma ganz ähnlich. Doch anstatt freie Schlafplätze zu vermieten, geht es bei den Bremern um Baumaschinen. Baufirmen können sich bei Sharemac anmelden und ihre Gerätschaften dort einstellen – von der Bohrmaschine bis hin zum Drehkran. Denn es kommt recht häufig vor, dass Firmen ihre Geräte nicht nutzen, sagt Voelpel. Ungefähr die Hälfte der Zeiten blieben Baumaschinen ungenutzt.

Noch keine gut funktionierende Plattform

Dabei könnten sie aber genauso gut vermietet werden, etwa an andere Firmen oder Privatpersonen. Die könnten es sich wiederum sparen, selbst die Geräte anzuschaffen. Beim offiziellen Start am Freitag auf der Hansebau-Messe zieht Voelpel einen Vergleich zum Carsharing: „In Deutschland gibt es zwei Millionen angemeldete Nutzer, aber nur 18 000 Autos.“ Das soll zeigen, dass das Miet-Modell auch bei Baumaschinen funktionieren könnte.

Zwar gibt es schon jetzt einige Unternehmen in Deutschland, die Baumaschinen vermieten. „Eine gut funktionierende Plattform gibt es aber noch nicht“, sagt Voelpel. Der große Vorteil: Auf Sharemac sollen verschiedene Anbieter zusammenkommen, große und kleine, von der Nordsee bis zu den Alpen. Mit wenigen Klicks sollen Bagger, Gabelstapler und andere Geräte auf der Plattform eingestellt werden können, genauso einfach soll die Anmietung sein.

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Nachdem die Testphase am Freitag beendet wurde, sind laut Voelpel etwa 60 Unternehmen mit dabei. Aktuell seien 900 verschiedene Maschinen online. „Wir haben vor unserem Start mit etlichen Firmen gesprochen. Viele sind begeistert“, sagt der Uni-Professor. „Wir sparen Leerkilometer. Für uns ist das eine super Geschichte“, sagt etwa Oliver Schilling, Prokurist der Bremer Schwerlastspedition W & F Franke.

Neben der Möglichkeit zur Mietung und Vermietung soll Sharemac auch noch einen anderen Vorteil bieten. Unternehmen sollen hier kostenlos eine Übersicht über ihren Maschinenpark anlegen können. Dafür hat das Start-up eine Datenbank mit 32 000 Werkzeugen und Produkten aufgebaut. Auch eine Möglichkeit, die Einsätze der Maschinen besser zu planen, soll es geben. „Die meisten Firmen der Baubranche sind mit der Digitalisierung überfordert“, sagt Arne Stehnken, der sich bei Sharemac um die Bilanz kümmert.

Sharemac will unabhängig bleiben

Finanziert wird das Start-up bislang über private Investoren. Wie viel Geld das junge Unternehmen eingenommen hat, will Stehnken nicht sagen. Klar solle aber sein: Sharemac will unabhängig bleiben. Investitionen von Baumaschinenherstellern und Bauunternehmen schließt er daher bislang aus. Einnahmen generiert die Firma über eine Gebühr, die bei jedem Verleihvorgang fällig wird.

Die Idee zu Sharemac stammt aus einem von Voelpels Uni-Kursen. Regelmäßig lässt er seine Studenten eine Idee für ein Start-up ausarbeiten und vor richtigen Investoren vortragen. Sharemac haben sich Manuel Kimanov und Rezi Chikviladze ausgedacht und ihren Professor schnell überzeugt. „Das ist eine richtig, richtig gute Idee“, sagt Voelpel.

Nach dem offiziellen Start auf der Hansebau, wollen die Unternehmer Sharemac jetzt erst einmal am deutschen Markt etablieren und weitere Firmen für ihre Plattform gewinnen. Sollte das laufen, schließt Voelpel auch eine Expansion in die Schweiz und nach Österreich nicht aus.

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