Vergleich der Wohnnebenkosten

Bremens Grundsteuer ist mit am höchsten

Bremens Bürger werden nicht nur bei der Grundsteuer stärker zur Kasse gebeten als in anderen Städten. Das zeigt ein aktueller Vergleich im Auftrag von Haus und Grund. Am günstigsten ist es in Regensburg.
21.09.2021, 19:59
Lesedauer: 2 Min
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Bremens Grundsteuer ist mit am höchsten
Von Florian Schwiegershausen

Bremens Grundstücks- und Hausbesitzer zahlen im Vergleich zu Bewohnern anderer Städte mit die höchste Grundsteuer. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln im Auftrag des Eigentümerverbands Haus und Grund. Im Vergleich der hundert größten Städte in Deutschland landet Bremen bei der Grundsteuer auf dem 88. Platz. Der Hebesatz für die Berechnung der Grundsteuer, den die Gemeinden selbst festlegen können, liegt bei 695 Prozent.

Zum Vergleich: In der bayerischen Stadt Regensburg, die in dieser Analyse bei Grundsteuer, Abwasser- und Abfallgebühren auf dem ersten Platz landet, liegt der Hebesatz bei 395 Prozent. Eine vierköpfige Musterfamilie zahlt dort zusammen 915 Euro pro Jahr. In Bremen und Bremerhaven muss eine vergleichbare Familie nach Angaben von Haus und Grund deutlich tiefer in die Tasche greifen. So zahlt ein Vier-Personen-Haushalt in Bremen 1460 Euro, in Bremerhaven sind es 1624 Euro. Der Geschäftsführer von Haus und Grund in Bremen, Ingmar Vergau, sagte: "Der Unterschied zwischen Bremerhaven und der günstigsten Stadt liegt bei mehr als 700 Euro. Damit könnte eine vierköpfige Familie mindestens die Hälfte ihrer jährlichen Stromkosten bezahlen."

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Schlusslicht im aktuellen Vergleich ist Leverkusen: Rund 2046 Euro fallen in der Stadt am Rhein pro Jahr an Gebühren für die Abfall- und Abwasserentsorgung sowie Grundsteuern an. Nirgendwo in Deutschland sind demnach diese Wohnnebenkosten so hoch wie dort. Strukturelle oder geografische Gründe für die hohen Unterschiede ließen sich nicht feststellen, betonte der IW-Studienleiter Hanno Kempermann. Auch die Größe der Stadt oder die Einwohnerdichte böten keinen Maßstab für die Höhe der Nebenkosten. Eine Ausnahme bilde das Ruhrgebiet. Hier hätten Kommunen aufgrund eines Notstandshaushalts oft gar keine andere Wahl, als Gebühren zu erhöhen, sagte Kempermann.

Zur Begründung, warum in Bremen die Grundsteuer verglichen mit vielen anderen Städten höher ist, führte Bremens Finanzsenator Dietmar Strehl (Grüne) auf Nachfrage an, dass in der Hansestadt "unter anderem keine Straßenreinigungsgebühr erhoben wird, wie es in vielen anderen Kommunen üblich ist". Ein von Strehl schon wiederholt genanntes Argument, das der Geschäftsführer von Haus und Grund in Bremen, Ingmar Vergau, so nicht gelten lassen will. Das sei eine Ausrede.

Grundlage für die Berechnung war ein alleinstehendes Musterhaus mit 120 Quadratmetern Wohnfläche und vier Bewohnern. Diese Vergleichsgröße entspricht in Großstädten nicht immer dem durchschnittlichen Haushaltstyp. Die Gebühren und Beiträge für die Abwasser- und Müllentsorgung in den 100 größten Städten in Deutschland wurden auf Basis der öffentlich einsehbaren Gebührenordnungen der jeweiligen Kommunen erhoben. Wo bestimmte Leistungen nicht angeboten wurden, setzten die Autoren hypothetische Gebühren an.

Vergau forderte eine Analyse, wie es zu derartigen Abweichungen im Vergleich zu anderen Städten kommt: „Die Kosten des Wohnens steigen in Bremen seit Jahren. Die Nebenkosten sind dabei zu einem immer größeren Preistreiber geworden." Die Bürger stünden dem ohnmächtig gegenüber, da die Kostenstrukturen schwer durchschaubar seien.

Im Hinblick auf die festzulegende Bemessung der Grundsteuer, die in Kürze ansteht, fordert Vergau Augenmaß: "Die Grundsteuerbelastung in Bremen muss für alle Steuerpflichtigen gesenkt werden.“ Es könne auch nicht sein, dass die Grundsteuer in den Fokus rücke, um mit ihr artenfremde Projekte zu finanzieren. Laut Finanzressort wird die Grundsteuerreform aufkommensneutral umgesetzt.

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