Azubis gesucht

Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt

Konnten sich vor etwa zehn Jahren die Betriebe noch ihre Azubis aussuchen, können sich die Azubis heutzutage ihren Betrieb aussuchen. Warum in Bremen sogar Müller händeringend gesucht werden.
18.07.2017, 17:56
Lesedauer: 2 Min
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Von Florian Schwiegershausen und Werner Herpell

In Bremen sind momentan 23 Prozent der ausgeschriebenen Lehrstellen unbesetzt. So sagt es Karlheinz Heidemeyer, Referent für Aus- und Weiterbildung bei der Handelskammer Bremen. Die Zahl der Ausbildungsverträge, die im Land Bremen für den Start zum August oder September geschlossen wurden, liege derzeit bei etwa 3500: „Wobei es in diesem Jahr für Bremerhaven besser aussieht als für Bremen“, sagt Heidemeyer. „Inzwischen sind wir dabei angelangt, dass die Hälft der Schulabgänger eine Ausbildung macht und die andere Hälfte ein Studium.“

Auf der anderen Seite stellt Heidemeyer fest, dass sich immer mehr Unternehmen in den letzten Jahren noch recht kurzfristig entschieden haben, einen Ausbildungsplatz anzubieten. „Gerade in diesem Jahr, wo die Sommerferien so früh sind, versuchen das einige Betriebe erst danach“, so Heidemeyer.

„Uns geht der Nachwuchs aus“

Verglichen mit dem bundesweiten Trend kommt Bremen da sogar noch gut weg. Denn laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) findet ein Drittel der Betriebe keine Lehrlinge mehr. DIHK-Präsident Eric Schweitzer sagt dazu: „Uns geht der Nachwuchs aus.“ Demnach sei die Ausbildungslage im Gastgewerbe am schwierigsten, wo 58 Prozent der Betriebe ihre Lehrstellen nicht besetzen können. Schweitzer fordert deshalb: „Nun ist es umso wichtiger, dass wir vorhandene Potenziale nutzen, insbesondere die von Studienabbrechern, Lernschwächeren und Flüchtlingen.“

Manche Unternehmen halten trotz der fehlenden Azubis an ihren hohen Ansprüchen und Vorstellungen fest, was ein Azubi alles können muss. Dass sich in Bremen allerdings mehr Betriebe an der Ausbildung beteiligen wollen, hat einen einfachen Grund, wie Heidemeyer erläutert: „Langsam gehen auch den Bremer Unternehmen die Fachkräfte aus.“ Und so seien es gerade gute Zeiten für Arbeitnehmer, und auch die Azubis können sich laut Heidemeyer ihre Stellen aussuchen: „Die jungen Leute sind fordernder und fragen direkt, was es denn im Unternehmen an 'Goodies' für die Mitarbeiter gibt.“

Erneute Suche nach einem Azubi

Wegen der freien Auswahl muss sich das Bremer Unternehmen Groninger Welke Janssen nun erneut auf die Suche nach einem oder einer Azubi begeben, der den Beruf des Kaufmanns/Kauffrau für Büromanagement erlernen will. Der kleine Betrieb arbeitet als Schiedsgericht und Schadensregulierer bei Schiffsunfällen. „Der Kandidaten, den wir hatten, hat uns jetzt abgesagt“, sagt Dirk Janssen. „Das ist auch sein gutes Recht, auch wenn wir jetzt wieder suchen müssen. Schließlich gab es mal andere Zeiten, in denen es für Azubis echt schwer war.“

Ebenso sucht die Firma Caramba in Bremen noch einen Fachinformatiker. Die Sparkasse Bremen hat immer noch zehn ihrer Bank-Azubi-Stellen ausgeschrieben und die Rickmers Reismühle sucht seit Juni noch jemanden, der eine Ausbildung zum Müller machen will. Diverse Betriebe in Bremen und umzu suchen außerdem noch Bäckereifachverkäuferinnen – all diese Stellen starten zum 1. August oder zum 1. September, sofern sie noch besetzt werden.

Infos gibt es auf www.ihk-lehrstellenboerse.de oder jobboerse.arbeitsagentur.de.

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