15.000 Pakete bleiben liegen Vor Weihnachten drohen weitere DHL-Warnstreiks in Bremen

Rund 65 Bremer DHL-Paketzusteller haben am Mittwoch ihre Arbeit niedergelegt. Und vor Weihnachten drohen weitere Warnstreiks in Bremen. Hintergrund ist der aktuelle Tarifstreit.
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Vor Weihnachten drohen weitere DHL-Warnstreiks in Bremen
Von Nico Schnurr

Wer am Mittwoch in Bremen gehofft hatte, seine Weihnachtsgeschenke nach Hause geliefert zu bekommen, wurde enttäuscht. Zumindest alle Bremer DHL-Kunden gingen leer aus. Etwa 65 Paketzusteller legten am ganzen Tag die Arbeit nieder. Bestreikt wurden die beiden Depots der Tochterfirma DHL Delivery im Güterverkehrszentrum (GVZ) und in Gröpelingen.

Rund 15.000 Pakete blieben am Mittwoch in Bremen und der Umgebung liegen, schätzt Verdi. Die Gewerkschaft hatte die Bremer Beschäftigten zum zweiten Warnstreik binnen weniger Wochen aufgerufen. Hintergrund ist der aktuelle Tarifstreit in der Postdienste-, Speditions- und Logistikbranche. Sollten die Arbeitgeber den Lohnforderungen in der kommenden Verhandlungsrunde nicht entgegenkommen, drohen weitere Streiks noch vor Weihnachten. Ursprünglich sollte der Streit bis Ende November beigelegt sein, am 12. Dezember steht nun die fünfte Verhandlungsrunde an.

"Weitere Streiks wahrscheinlich"

„Wenn keine Bewegung in die Verhandlungen kommt und wir weiter über Centbeträge diskutieren, sind ein bis zwei weitere Streiks in Bremen in der Woche vor Weihnachten wahrscheinlich“, sagt Thomas Warner von Verdi. Schon für Donnerstag sind laut Warner Warnstreiks in Oldenburg geplant. Mit dem Arbeitskampf in der Vorweihnachtszeit will die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.

Vor einigen Jahren hatte DHL die Paketboten an das Tochterunternehmen DHL Delivery ausgelagert. Wer bei der DHL hauptbeschäftigt ist, wird nach dem Haustarif der Post bezahlt. Die Bremer Paketzusteller bekommen dagegen nur den niedrigeren niedersächsischen Flächentarif. Und über den wird derzeit in den Tarifverhandlungen gestritten.

Nach Verdi-Angaben verdienen die Bremer Paketzusteller momentan 10,75 Euro pro Stunde. Für die gesamte Speditions- und Logistikbranche will die Gewerkschaft ein Lohnplus von 6,5 Prozent erreichen. Bislang bieten die Unternehmen ihren Beschäftigten 2,4 Prozent mehr Geld ab dem 1. Januar an. Im Jahr darauf soll es noch einmal weitere 2,1 Prozent mehr geben. Der Gewerkschaft ist das dennoch deutlich zu wenig. Sie fordert auch einen neuen Vertrag, der vorsieht, dass Zusteller mit steigenden Berufsjahren zusätzlich vergütet werden. Alle zwei Jahre sollen die Beschäftigten eine Gehaltserhöhung von 50 Euro monatlich erhalten, wenn es nach Verdi geht.

Verdi will den Druck auf Zusteller verringern

Die Gewerkschaft will so die Fluktuation eindämmen. Selten blieben die Paketzusteller über mehrere Jahre in der Branche, sagt Thomas Warner von Verdi. „Der Druck ist groß, oft kommen pro Tag 200 Pakete oder mehr auf einen Zusteller.“ Der Boom des Online-Versandhandels verschärft die Lage im Paketgeschäft. Jährlich stiegen die Sendungsmengen um sechs bis zwölf Prozent an, schätzt Verdi. Und weil nicht im gleichen Ausmaß eingestellt werde, würden die Zustellbezirke immer größer. Viele Fahrer schrecke das irgendwann ab. Nach Branchenschätzungen fehlen derzeit bundesweit rund 6000 Paketzusteller. „Setzt sich der Trend fort, könnte es bereits in fünf Jahren einen Mangel von bis zu 40.000 Zustellern geben“, sagt Thomas Warner.

Der Verdi-Vertreter glaubt, dass „eine fairere Bezahlung der Fahrer“ die Entwicklung zumindest abfedern könnte. Ansonsten könne es passieren, dass Paketstationen, bei denen man seine Sendung selbst abholt, das Zustellmodell nach und nach ersetzten, sagt Warner. Sein Paket an der eigenen Haustür in Empfang zu nehmen, würde dann zum Luxus, der nur noch gegen einen Aufpreis zu haben wäre.

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