Slokoffie aus Bremen Warum die Gründer ihre Kaffeebohnen per Segelschiff transportieren

Honduras bis Bremen: Diesen Weg legen die Kaffeebohnen der Bremer Marke Slokoffie per Segelschiff zurück. Was das mit "Fridays-for-Future"-Gründerin Greta Thunberg zu tun hat.
01.12.2019, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Warum die Gründer ihre Kaffeebohnen per Segelschiff transportieren
Von Frieda Ahrens

5692 Meilen, das sind ungefähr 9160 Kilometer, liegen zwischen Honduras und Bremen. Diese Strecke muss eine honduranische Hochland-Kaffeebohne zurücklegen, um in Bremen geröstet, gemahlen und schließlich aufgebrüht zu werden. Bei der Marke „Slokoffie“ geschieht das mit dem Segelschiff.

„Slo“, das steht für slow, für langsam. Ähnlich wie bei Slow-Fashion oder Slow-Food erhebt auch Slo-Koffie den Anspruch, bewusster auf Produktion und Logistik zu schauen. Dadurch, dass die Bohne gesegelt und nicht mit einem von Schweröl angetriebenen Containerschiff transportiert wird, spare man 90 Prozent der CO2-Emissionen, das verspricht der Flyer der Marke. „Koffie“ ist das niederländische Wort für Kaffee, da das Segelschiff „Avontuur“, mit dem die Bohne transportiert wird, aus den Niederlanden kommt.

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Thomas Riedel-Fricke hat mit seinem Geschäftspartner Maik Hembluck die Marke gegründet und war 2017 mit unterwegs auf der „Avontuur“. Er erzählt, wie er und sein Partner sehr spontan die Idee hatten, in Kaffee zu investieren. „Es hat sich irgendwie angedeutet, dass wir nicht genug Ladung für das Schiff hatten.“ Das Schiff fuhr unter der Flagge von „Timbercoast“, einer Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, Waren klimaneutral zu transportieren. „Gerade die erste Reise war natürlich ein Showcase, und da war es wichtig, dass das Schiff auch genug Ladung hat.“

290 Säcke Kaffee, je 69 kg schwer, kauft Riedel-Fricke bei „Cafico“ in Corquin. In Honduras schaut er sich selbst die Kaffeeanbaugebiete an, erhält Einblick in das Schulsystem für die Kinder der Erntehelfer, dokumentiert die Arbeitsbedingungen. Der Kaffee ist seiner Meinung nach qualitativ sehr gut, „Cafico“ erscheint ihm fair und offen, der Kaffee ist bio-zertifziert. Richtig zufrieden ist er mit dem Einkauf inzwischen trotzdem nicht mehr. „Für mich besteht das Bedürfnis, einen Direct Trade voranzutreiben und eine komplett transparente Kalkulation hinzubekommen.“ Manche Fragen könne er nicht beantworten, zum Beispiel: „Was hat der Kaffeebauer eigentlich genau bekommen von dem, was ich da bezahlt habe?“

Geröstet wird der Kaffee in Lilienthal

Beim nächsten Geschäft soll diese Transparenz wichtiger werden. Bislang hat es nur diesen einen Bohnen-Einkauf gegeben, bis Ende März soll der Vorrat noch reichen. In Bremen angekommen werden die Bohnen dann bei Vollers gelagert. Auch in der Heimat wird möglichst klimaneutral und nachhaltig transportiert. Mit Lastenfahrrädern haben Freunde und Helfer die 290 Säcke Kaffee vom Schiff in dreieinhalb Stunden zum Lager transportiert. Geröstet wird der Kaffee dann bei „De Koffiemann“ in Lilienthal. Zu den verschiedenen Bio-Läden geht es dann wieder mit Rad.

Mit ihren Lastenrädern ist die Marke in Bremen und umzu schon öfter aufgefallen. Zur Berliner Kaffeemesse wird jährlich auch mit Fahrrad gefahren – in sieben Etappen. Es wird versucht, den Kaffee möglichst emissionsfrei von einem Ort zum nächsten zu bringen. Kaffeebestellungen außerhalb Bremens werden per Post zugestellt.

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Und auch auf den Bremer Märkten wird der gesegelte Kaffee verkauft. Begeistert spricht Riedel-Fricke von seinen Helfern im Alter von Anfang zwanzig, die auch in strömendem Regen, der Stand halb in der Pfütze versunken, mit sehr viel Enthusiasmus versuchten, Kaffee an den Mann zu bringen.

Es gibt nur eine Sorte Kaffee: „Single Original“ nennt Riedel-Fricke diese. Der Fokus liege auf der Geschichte mit dem Meer, die sie erzählen wollen. „Wir sehen den emissionsfreien Transport als Kampagnen-Plattform im Vordergrund. Natürlich soll das leckerer Kaffee sein, aber nicht zu vergleichen mit Münchhausen, die eine Vielzahl von Leckereien haben.“ Es sei wichtig, eine Sensibilität für das Thema bei den Menschen auszulösen: Meer und Seefahrt seien für viele nicht realitätsnah, Kaffeetrinken und Fahrradfahren eher. „Dann ist es erlebbar, dann ist es nicht etwas, was einfach so im Supermarkt vorhanden ist.“

Im Einklang mit der Umwelt

Thomas Riedel-Fricke ist ein Segelfreak, das sagt er selbst über sich. „Ich mag den Einklang mit der Umwelt, Dinge zu nutzen, die einfach da sind.“ Er hat 28 Jahre seines Lebens für Maersk gearbeitet, eine der größten Containerschiff-Reedereien der Welt, „sozusagen für einen Verschmutzer“, sagt er. Er ist sehr froh, dass sich inzwischen in der Szene etwas ändert, versucht wird, alternative Treibstoffe zu finden. Segeln könne nicht die ultimative Lösung sein.

Er sieht die Veränderung in der Gesellschaft überall: Das Interesse an nachhaltigen Lösungen wachse, das liege nicht nur am „Greta-Effekt“, wie er den Einfluss von Klimaaktivistin Greta Thunberg nennt. „In zwanzig Jahren, wenn der Meeresspiegel gestiegen ist und wir Teile von Bremen nicht mehr halten können, dann denkt man sich: Hättest du damals mal.“ Das will Thomas Riedel-Fricke nicht, deshalb hat er vor drei Jahren sein Projekt mit Maik Hembluck gestartet.

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Finanziert haben Maik Hembluck, der eigentlich einen Bio-Foodtruck betreibt, und Thomas Riedel-Fricke den Aufbau ihrer Marke aus eigener Tasche. Es sei viel Eigenkapital in die Website und das Marketing geflossen. Nun planen die beiden ihre nächsten Schritte.

Seit 2016 gibt es die Marke, 16 Tonnen Kaffee sind schon verkauft. Im kommenden Jahr soll wieder ein Segelschiff auf Fahrt gehen für die nächste Ladung Kaffee. Dieses Mal sollen sieben Tonnen geholt werden. Am liebsten wieder mit der „Avontuur“, obwohl der Transport teurer geworden ist. Vielleicht wird es wieder Kaffee aus Honduras, eventuell welcher aus Mexiko. Hauptsache, er bewegt sich langsam über den Ozean.

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