Kaffee-Online-Anbieter

Zurück in der Kaffeehauptstadt

Aromatico mit Firmensitz in Bremen hat sich nach eigenen Angaben zum größten Online-Anbieter für italienischen Espresso entwickelt: Produkte von knapp 60 Röstereien sind derzeit im Sortiment.
09.12.2018, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Insa Lohmann

Kaffee und Bremen – da denken viele zuerst an bekannte Kaffeeröstereien und Marken wie Melitta, Jacobs oder Hag. Seit Jahrzehnten sind die bremischen Häfen die wichtigsten Importstationen für Kaffee in Deutschland, fast jede zweite Bohne wird über Bremen oder Bremerhaven importiert. Fast unbemerkt von der Bremer Öffentlichkeit hat sich im ehemaligen Eduscho-Hochregallager in der Überseestadt vor zwei Jahren ein Onlinehandel für Kaffee niedergelassen. Mittlerweile ist Aromatico nach eigenen Angaben hierzulande der größte Anbieter italienischer Espressi.

„Espresso ist ein Segment, das in Deutschland inzwischen sehr stark ist“, sagt Moritz Puschmann. Der 34-Jährige versteht das gut: Bis zu acht Tassen der italienischen Spezialität trinkt der Geschäftsführer von Aromatico über den Tag verteilt. „Ich hatte schon immer eine Liebe zum Kaffee“, sagt er. Seine Leidenschaft hat der gebürtige Bremer zum Beruf gemacht. Nach dem Studium arbeitet er zunächst beim Traditionsunternehmen Coffein Compagnie, wo er viel über die verschiedenen Anbaugebiete, Röstungsarten und Zubereitungsmethoden des beliebten Heißgetränks lernt. Puschmann ist fasziniert von den vielen verschiedenen Geschmacksfacetten, den Menschen dahinter – und dem Produkt selbst. „Kaffee ist ein wahnsinnig emotionales Produkt“, findet er.

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Als Coffein Compagnie 2015 das 2002 in Mainburg gegründete Unternehmen Aromatico aufkauft, bietet man Puschmann die Stelle des Geschäftsführers an. Im Zuge der Übernahme wird auch der Unternehmenssitz von Bayern nach Bremen verlegt. „Das hat für uns total Sinn gemacht, zurück in die alte Kaffeehauptstadt Deutschlands zu ziehen“, sagt Puschmann, der heute in der Überseestadt ein 15-köpfiges Team leitet. Nicht nur die Historie habe für die Hansestadt gesprochen, auch dass in Bremen zunehmend wieder kleine Röstereien von sich reden machen, sei eine tolle Entwicklung, so der Geschäftsführer.

Seit 2016 füllt Aromatico nun die 2500 Quadratmeter große Lagerfläche am Löwenhof wieder mit Kaffee. Das Gebäude, das Eduscho seinerzeit als Hochregallager diente, wurde vor zwei Jahren renoviert und neu vermietet. Heute teilt sich das Kaffeeunternehmen die Lagerflächen mit dem Fitnessriesen FitX und dem Verpackungshandel Bionatic.

Kleine familiengeführte Röstereien

Vom Löwenhof aus verschickt Aromatico täglich mehrere hundert Pakete nach Deutschland und in andere europäische Länder. Neben Privatkunden rücken Firmen als Zielgruppe immer stärker in den Fokus, erklärt Puschmann. Diesen Bereich will das Unternehmen aus Bremen weiter ausbauen. Rund 1200 Produkte hat der Onlinehandel für Espresso- und Kaffeespezialitäten derzeit im Sortiment – etwa 800 davon sind reine Kaffeeprodukte, einige mit dem Fair-Trade-Siegel. „Fair-Trade-Produkte haben eine steigende Relevanz“, sagt der Geschäftsführer.

Aber entscheidend seien die Standards, nach denen die Farmer und Organisationen in den Anbaugebieten vor Ort arbeiten. „Viele Röster machen das schon im Kleinen.“ Ergänzt wird das Onlineangebot von Zubehör wie Kaffeemühlen, Zubereitern oder Tassen. Auf der Internetseite findet man außerdem Informationen zu den Anbaugebieten des Kaffees, Rezeptideen und Anleitungen zur richtigen Zubereitung. „Unser Anspruch ist es, ein Rundum-Sorglos-Paket anbieten zu können“, sagt Puschmann.

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Neben bekannten Marken wie Lavazza, Segafredo und Illy führt das Bremer Unternehmen auch hochwertige Espressi und Premium-Kaffees kleiner familiengeführter Röstereien aus Deutschland, der Schweiz und Italien. Neben dem Produkt selbst stehe vor allem die Geschichte hinter den Röstern im Vordergrund, so Puschmann. Da ist zum Beispiel die kleine Rösterei Passalacqua aus Neapel, die seit 1948 in vierter Generation Espresso produziert. „Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist Biagio Passalacqua derjenige, der morgens um sieben als erster das Tor aufschließt“, heißt es in der Beschreibung der Familienrösterei. Für Puschmann sind es die kleinen Details, die eine Nähe zwischen Kunden und Röstern herstellen sollen.

Produkttests werden veröffentlicht

Zurzeit hat der Onlinehandel aus der Überseestadt Produkte von knapp 60 Röstereien im Sortiment. Doch nicht nur die Geschichte hinter dem Produkt sei entscheidend. „Qualität ist natürlich das, was sich langfristig durchsetzt“, sagt der Geschäftsführer. Bevor ein Kaffee oder Espresso es in das Angebot von Aromatico schafft, wird er in Bremen von den Mitarbeitern auf Herz und Nieren geprüft. Dabei werde das Produkt mit verschiedenen Zubereitungsarten getestet, um zu sehen, wie sich der Kaffee verhalte. Die Produkttests werden anschließend auch auf dem Blog der Internetseite veröffentlicht.

„Damit der Kunde den Kaffee findet, den er mag“, sagt Puschmann. Um die Bekanntheit des Unternehmens zu erhöhen und die Kunden stärker einzubeziehen, können die online bestellten Produkte bei Aromatico vor Ort abgeholt werden. Wer sich vorher anmeldet, kann am Löwenhof auch einige Sorten Kaffee und Espresso verkosten und sich von den Kaffeeexperten beraten lassen. Puschmann: „Wir wollen uns gerne öffnen für die Bremer.“

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