Nachhaltigkeit

Was Bio-Baumwolle von konventioneller unterscheidet

Für unsere Kleidung leidet die Umwelt. Denn für den Anbau von Baumwolle wird oft Dünger oder gentechnisch verändertes Saatgut eingesetzt und zudem viel Wasser gebraucht. Doch es gibt Alternativen.
20.03.2018, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Was Bio-Baumwolle von konventioneller unterscheidet
Von Lisa-Maria Röhling
Was Bio-Baumwolle von konventioneller unterscheidet

100 Prozent Baumwolle, aber auch 100-prozentig fair gehandelt?

Brigitte Bonaposta/Fotolia

An den verschiedenen Kennzeichnungen und Schildern von Kleidung aus Baumwolle lässt sich ablesen, woher Textilien stammen und – im Idealfall – wer sie unter welchen Bedingungen hergestellt hat. Wie das Ausgangsmaterial angebaut wird, entscheidet der Bauer. Baumwolle ist in drei verschiedenen Varianten erhältlich: konventionell oder ökologisch hergestellt sowie fair gehandelt.

Axel Trede, Vorstandsmitglied der Bremer Baumwollbörse, ist Experte für den Rohstoff. Der größte Teil der Baumwolle werde konventionell angebaut, also mit chemischem Dünger sowie Pestiziden, und zumeist gentechnisch verändertem Saatgut, sagt er. Besonders der letzte Faktor bestimmt laut Trede überwiegend die Baumwollproduktion. Durch die gentechnischen Veränderungen lassen sich höhere Erträge pro Hektar erzielen, zudem sind die Wachstumszeiten meist kürzer. Des Weiteren entwickeln sich aus diesen Samen in der Regel reißfestere und längere Baumwollfasern, die sich besser verarbeiten lassen.

"Organic Cotton Standard 100"

Derartige vom Menschen induzierte Genveränderungen weise der naturbelassene Samen von Biobaumwolle nicht auf, sagt Trede. Außerdem zeichne sich der Anbau dadurch aus, dass er auf Böden stattfinde, der ohne Pestizide oder künstliche Dünger behandelt wird. All diese Punkte überprüfen unterschiedliche Kontrollinstanzen. Die führende Organisation dafür ist laut dem Experten die sogenannte Control Union in den Niederlanden, die den Bauern einen entsprechenden Nachweis für den ökologischen Anbau ausstellt. Dafür bekommt die Baumwolle eine genaue Auszeichnung und ein Siegel. So erhalten Verbraucher garantiert Aufschluss über die biologische Herstellung. Für das „Organic Cotton Standard 100“ der Control Union zum Beispiel muss das Endprodukt zu mindestens 95 Prozent aus ökologischem Anbau stammen.

Das Ziel bei Biobaumwolle sei es, die Böden und damit die Umwelt zu entlasten. „Die Qualität der Baumwolle ändert sich dadurch nicht.“ Sie brauche genau so lange, um zu wachsen, wie das konventionelle Produkt, benötige die gleiche Wassermenge und fühle sich gleich an. Allerdings sei Biobaumwolle ein Nischenprodukt: Nur knapp 0,4 Prozent der Baumwollproduktion weltweit stammt aus ökologischem Anbau. Die Nachfrage sei sehr gering, in manchen Ländern sei der Anbau außerdem schlecht zu organisieren. Denn Bauern, die ihre Felder auf ökologischen Anbau umstellen wollen, müssten zunächst zwei bis drei Jahre ein Mischprodukt akzeptieren, da sich viele Dünger und andere Stoffe lange im Boden halten. Außerdem, sagt Trede, habe so mancher Bauer mit Ernteausfällen zu kämpfen, da die Pflanzen ohne chemische Dünger und Pestizide schlechter wachsen.

Bio-Baumwolle noch längst kein Massenprodukt

Zusätzlich sei der Handel mit Biobaumwolle meist mit vielen Risiken verbunden. Die Trennung von gentechnisch veränderten und ursprünglichen Samen sei speziell in Ländern mit großer Baumwollproduktion sehr schwierig. Die Reinheit kann also nicht immer garantiert werden – ein Risiko für die Händler. Momentan werde Biobaumwolle vor allem in Indien und der ­Türkei angebaut; Länder wie Kirgisistan, Tadschikistan, Tansania, Benin und Burkina Faso ziehen allerdings nach. In den afrikanischen Ländern werde Biobaumwolle vor allem im Auftrag von einzelnen Händlern angebaut. Massenproduktion sei das keinesfalls, sagt Trede.

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Allerdings heißt ein ökologischer Anbau der Baumwolle nicht, dass sie gleichzeitig auch fair gehandelt wird. „Der faire Handel hat den Farmer und soziale Aspekte im Fokus, nicht den Umweltschutz“, sagt ­Trede. Es gehe darum, ­gewisse Sozialstandards in den Produktionsländern durchzusetzen. So müssen Bauern, die ein Fairtrade-Zertifikat bekommen, ­garantieren, dass bei ihnen keine Kinder arbeiten und keine Frauen diskriminiert werden. Außerdem gibt es einen fairen Mindestpreis für die Bauern, die diese Standards umsetzen. „Bei Fairtrade ist die Transparenz sehr hoch.“ Wer ein solches Siegel bekommt, müsse garantieren, dass alle Stationen der Verarbeitungskette den Standards des fairen Handels entsprechen.

Ökologischen Anbau und fairen Handel zu synchronisieren sei schwierig, sagt ­Trede. Schon allein, weil beides auf unterschiedlichen Systemen der Zertifizierung basiere. Außerdem beziehe sich jedes Siegel nur auf den Rohstoff: Was am Ende bei der Verarbeitung ­passiert, spiele für diese Auszeichnungen letztlich keine Rolle. Der Verbraucher spüre ebenfalls nicht, ob das gekaufte T-Shirt aus ökologischem Anbau kommt. Ob das Textil auf dem Weg in den Laden mit Chemikalien gewaschen wurde, ließe sich anhand des Biosiegels ebenfalls nicht erkennen.

Einige Organisationen versuchen, ökologische und soziale Standards zu verknüpfen: Cotton made in Africa (CMIA) steht für nachhaltige Baumwolle aus Afrika. „Monokulturen, falsche und ineffiziente Bewässerung oder gefährliche Pestizide können beim konventionellen Anbau problematisch sein“, sagt Tina Stridde, Geschäftsführerin von CMIA. Bei CMIA-zertifzierter Baumwolle werde nicht künstlich bewässert, gentechnisch verändertes Saatgut sei ausgeschlossen, Biopestizide würden vermehrt eingesetzt. „Schulungen unterstützen die Baumwollbauern darin, ihre Lebensbedingungen aus eigener Kraft zu verbessern“, sagt Stridde.

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