Kein anderes Präsent ist beliebter Weihnachtsgeschenke: Bremer greifen häufiger zum Gutschein

Die Bremer planen dieses Mal, noch mehr für Weihnachtsgeschenke auszugeben als im Vorjahr. Dabei greifen sie immer lieber zum Gutschein. Was das Schenkverhalten über sie verrät.
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Weihnachtsgeschenke: Bremer greifen häufiger zum Gutschein
Von Nico Schnurr

Zweites Adventswochenende, Weihnachten naht. Für viele Bremer ist das kein Grund, in Stress und Panik zu verfallen. Wer seine Geschenke jetzt noch nicht vollständig beisammen hat, gehört zum Großteil der Bremer. Ein Drittel aller Männer beginnt in Bremen sogar erst in der Woche vor dem Fest, Geschenke zu kaufen.

Dabei sind die Bremer in diesem Jahr für ihre Verhältnisse besonders spendabel. 2017 planen sie, im Schnitt 47 Euro mehr für Weihnachtsgeschenke auszugeben als im Vorjahr. 413 Euro lassen sie sich die Präsente zum Fest in diesem Jahr kosten. Damit liegen die Bremer rund 50 Euro unter dem Bundesdurchschnitt. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der FOM-Hochschule hervor.

Die Umfrage zeigt: Die Bremer kaufen ihre Geschenke spät, und sie greifen dabei immer öfter zum Gutschein. 53 Prozent aller Bremer wollen in diesem Jahr Geschenkgutscheine unter den Weihnachtsbaum legen. Kein anderes Präsent wird in Bremen so häufig verschenkt.

Bücher und Tickets zu Kulturveranstaltungen

Der Gutschein ist längst auch das liebste Geschenk der Deutschen: Insgesamt werden sie dieses Jahr zu Weihnachten laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bundesweit 1,8 Milliarden Euro für Gutscheine ausgeben – so viel wie noch nie. Die Bremer Vorliebe für solche Kupons übertrifft die des Durchschnittsdeutschen sogar noch. Warum entscheiden sich die Bremer immer häufiger für ein kleines bedrucktes Stück Papier?

„Gutscheine sind die bequemste aller Lösungen“, sagt Oliver Gansser. Der Forscher hat die bundesweite Studie der FOM-Hochschule geleitet und hält die Bremer für pragmatische Schenker. „Sie ersparen sich Mühe, den Beschenkten einen lästigen Umtausch und dem Handel eine Rücknahme der Waren.“

Martin Kornmeier glaubt dagegen, die Bremer seien eher Weihnachtsmuffel. Kornmeier leitet den Studiengang International Business an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim und forscht zum Schenkverhalten der Deutschen. Er sagt: „Jemand der Gutscheine verschenkt, wird im Durchschnitt eher kein ganz großer Weihnachtsenthusiast sein.“

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Neben den Gutscheinen wollen die Bremer anderen zu Weihnachten vor allem mit Büchern, Tickets für Kulturveranstaltungen, Kosmetik und Schmuck eine Freunde machen. Martin Kornmeier erkennt darin ein Schenkverhalten, das auf Sicherheit bedacht ist. „Es geht den Bremern bei der Wahl ihrer Geschenke darum, Risiken zu mindern.“ Die Bremer stünden vor einem grundsätzlichen Dilemma: „Man will nichts falsch machen, macht es dann aber letztlich trotzdem, weil man ja immer das gleiche schenkt.“

Für Kornmeier hat das viel mit der deutschen Kultur des Schenkens zu tun. Die Deutschen schenkten, weil sie es gewohnt seien. Weil es eben dazugehöre, ein Ritual sei. „Schenken ist eingeübte Praktik, die gerade zu Weihnachten oft einen Pflichtcharakter hat“, sagt der Wissenschaftler. In Japan oder China etwa sei es ein wichtiger Teil der Beziehungspflege, anderen spezielle Geschenke zu machen. Dort drücke man schon mit dem Verpackungspapier aus, wie viel einem der Beschenkte wert sei. „In Deutschland schenken dagegen viele, weil sie das Gefühl haben, dass sie es müssten“, sagt Kornmeier.

Nicht nur für die Bremer, sondern auch für die Deutschen insgesamt ist Weihnachten das Fest des schlechten Gewissens, glaubt Wolfgang Adlwarth. An Weihnachten schauten die Deutschen zurück, sie erinnerten sich an das Jahr. „Und dann wird ihnen wieder klar, wen sie aus ihrem Umfeld im vergangenen Jahr vernachlässigt haben“, sagt Adlwarth.

Milliarden für Weihnachtsgeschenke

Er ist Handelsexperte der GfK und erklärt sich so, warum Gutscheine aus dem Dienstleistungsbereich so beliebt sind. Warum so oft Erlebnisse wie gemeinsame Kochkurse, Ballonfahrten oder Fallschirmsprünge verschenkt werden. „So ein Gutschein ist oft auch ein Mittel gegen das eigene schlechte Gewissen und ein Versprechen, künftig wieder mehr Zeit miteinander zu verbringen.“

Der Gutschein-Trend zeige auch, dass inzwischen viele mit dem Schenken überfordert seien, sagt Wolfgang Adlwarth. „Die Deutschen sind verunsichert“, sagt er. „Die Interessen sind heute hyperindividualisiert.“ Kaum einer könne noch ganz genau sagen, was sich jemand wirklich wünsche. Wenn sie dennoch herausfinden wollen, was ein passendes Präsent sein könnte, suchen 65 Prozent der Bremer Rat bei Freunden und Bekannten. Auf der Suche nach Geschenken ist das Internet inzwischen noch vor dem Einzelhandel die zweitwichtigste Informationsquelle der Bremer, wie die Studie der FOM-Hochschule zeigt.

„Und wer trotz Empfehlungen keine Ahnung hat, was die richtige Wahl fürs Fest ist, schenkt eben einen Gutschein, bevor er gar nichts schenkt“, sagt Martin Kornmeier. Auch im Jahr 2017 werden die Deutschen laut der GfK 17,8 Milliarden Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Die Summe bliebe konstant, seit Jahren schon, sagt Adlwarth. Erst wenn die Deutschen irgendwann einmal deutlich ängstlicher in die Zukunft schauen würden, könnte sich das ändern, glaubt Wolfgang Adlwarth. „Solange ist und bleibt Weihnachten das Konsumfest der Deutschen.“

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