Illegale Beschäftigung auf niedrigstem Stand seit 18 Jahren Zahl der Schwarzarbeiter sinkt

Bremen. Die Deutschen arbeiten immer seltener schwarz. Das haben aktuelle Modellrechnungen ergeben. In Bremen ist jedoch kein Abwärtstrend zu erkennen. Besonders im Baugewerbe und bei den Frisören wird am Fiskus vorbeigearbeitet.
25.01.2012, 05:00
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Zahl der Schwarzarbeiter sinkt
Von Elina Hoepken

Bremen. Gute Nachrichten für den Finanzminister: Die Schwarzarbeit wird in Deutschland in diesem Jahr voraussichtlich weiter zurückgehen, allerdings weniger stark als in den beiden Vorjahren. Das ergibt sich aus Modellrechnungen, die der Schattenwirtschaftsexperte Friedrich Schneider gemeinsam mit dem Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) gestern vorgelegt hat. Die Schätzungen sagen voraus, dass die sogenannte Schattenwirtschaft, zu der auch die Schwarzarbeit gezählt wird, 2012 um etwa 1,6 Milliarden Euro zurückgehen wird.

Bremen·Tübingen. Gründe für den Rückgang sind nach Angaben der IAW-Forscher das Wirtschaftswachstum, das nach vorliegenden Prognosen 0,9 Prozent betragen werde, sowie die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. "Alle versuchen, in das bestmögliche Arbeitsverhältnis zu kommen. Wer eine reguläre Beschäftigung gefunden hat, hat in der Regel also kein Interesse mehr an Schwarzarbeit", sagte IAW-Geschäftsführer Bernhard Boockmann. Bereits in den Jahren 2010 und 2011 hätten die günstige Arbeitsmarktentwicklung und das kräftige Wachstum dazu geführt, dass die Schattenwirtschaft um 7,5 Milliarden Euro gesunken sei. Auch die Politik habe mit Abgabensenkungen etwa bei der Arbeitslosenversicherung dazu beigetragen, dass reguläre Beschäftigungsverhältnisse attraktiver geworden seien, betonten Boockmann und Schattenwirtschaftsfachmann Schneider. Allein durch die Senkung der Rentenbeiträge von 19,9 auf 19,6 Prozent werde die Schattenwirtschaft in diesem Jahr laut Prognose noch einmal um 650 Millionen Euro schrumpfen - weil reguläre Arbeit billiger wird.

Das alles aber sind eben nur Modellrechnungen. "Belastbare Zahlen, um Schwarzarbeit zu messen, gibt es nicht", sagte Anne Neumann, Sprecherin des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums. Konkret erfasst werde nur die Zahl der Delikte, die vom Zoll geahndet wurden. Diese allerdings seien in Niedersachsen zumindest für den Bereich Handwerk und Gewerbe tatsächlich seit Jahren rückläufig. Verfolgte der Zoll 2007 noch rund 2000 Verfahren, waren es 2010 knapp 1100 - das sind 23 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die aktuellsten Zahlen für 2011 gibt das Ministerium erst im März bekannt. Die meisten Verfahren gab es laut Neumann im Bereich Bau- und Ausbaugewerbe - "also die üblichen Verdächtigen". Dabei macht die illegale Arbeit von Maurern und Betonbauern den größten Teil aus, gefolgt von Malern und Lackierern. Am dritthäufigsten wurde der Zoll im Dachdeckergewerbe fündig. Aber auch hier sei wie in den anderen Handwerksbranchen die Anzahl der erfassten Delikte rückläufig, sagte Neumann.

Anders sieht dagegen die Entwicklung im Land Bremen aus. Auch hier sind die Zahlen für 2011 noch nicht veröffentlicht. Erhebungen aus den letzten Jahren zeigen aber keinen Abwärtstrend. Im Gegenteil: Wurden im Jahr 2009 noch gut 2500 Verfahren wegen Straftaten im Zusammenhang mit Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung eingeleitet, waren es 2010 rund 2660, sagte Frank Presch, Pressesprecher des Hauptzollamts Bremen. "Es gibt bei uns unvermindert viele Beanstandungen - wir haben in den letzten Jahren auf jeden Fall nicht weniger zu tun", so Presch. Was allerdings auch daran liege, dass sich der Aufgabenbereich nicht nur auf die Bekämpfung der Schwarzarbeit beschränke, sondern zum Beispiel auch die Überprüfung von Mindestlohnzahlungen beinhalte.

Schwarzarbeit ist im Bereich der einfachen Handwerks- und Dienstleistungen nach Angaben von Hans-Joachim Stehr, Vizepräses der Handwerkskammer Bremen, besonders ausgeprägt. Bei den Friseuren schätzten Experten den Umfang der illegalen Tätigkeiten auf bis zu 20 Prozent des Branchen-Umsatzes. Um Schwarzarbeit in handwerklichen Berufen einzudämmen, sei 2006 schon der sogenannte Handwerkerbonus eingeführt worden. Danach können Privatpersonen Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsarbeiten beim Finanzamt geltend machen. "Auf diese Weise sollen die Kunden motiviert werden, seriöse Firmen und keine Schwarzarbeiter anzustellen", sagte Stehr.

Um die Anreize für reguläre Arbeit zu fördern, schlagen die Experten des IAW zudem eine befristete Rückerstattung der Mehrwertsteuer für arbeitsintensive Dienstleistungen auf Baustellen vor. Auch eine noch bessere steuerliche Absetzbarkeit von haushaltsnahen Dienstleistungen wie etwa Kinderbetreuungskosten könnte den Rückgang der Schwarzarbeit befördern.

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