Verein "Ambulante Versorgungsbrücken" Wohlfühlanrufe vor dem Aus

Der Verein „Ambulante Versorgungsbrücken“ kümmert sich in Form von Beratungen und so genannten Wohlfühlanrufen um kranke und alte Menschen. Jetzt steht der Verein vor der Insolvenz.
25.02.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Wohlfühlanrufe vor dem Aus
Von Nikolai Fritzsche

Der Verein „Ambulante Versorgungsbrücken“ kümmert sich um kranke und alte Menschen. Vor allem tun die ehrenamtlichen Mitarbeiter das durch Beratungen und sogenannte Wohlfühlanrufe. Unterstützung für Menschen in gesundheitlichen Notlagen steht seit der Gründung des Vereins im Mittelpunkt, Geld spielte immer eine untergeordnete Rolle. Bis jetzt – der Verein steht vor der Insolvenz.

Elsbeth Rütten ist verzweifelt. Der Verein „Ambulante Versorgungsbrücken“, dessen Vorstand sie ist, muss möglicherweise seine Arbeit einstellen, die ihr so am Herzen liegt. Wenn es nach ihr ginge, sollte der Verein einfach so weiterarbeiten können wie bisher. Doch wenn es nicht gelingt, bis kommenden Freitag 16.000 Euro zusammenzubekommen, gehen im Vereinsbüro im Viertel die Lichter aus.

„Mit unseren Beratungen helfen wir den Menschen in ihrer Not“, sagt Rütten. „Dafür erfahren wir auch von allen Seiten große Wertschätzung.“ Aber: Diese Wertschätzung ist ideell. Und dem Verein gelingt es nicht, die Kosten für das Büro, die Halbtagskraft und zwei Bundesfreiwilligendienstleistende zu decken.

Laut Elsbeth Rütten nimmt der Verein mit seinen Leistungen kaum Geld ein. 1200 Beratungen seien im Jahr 2013 in Anspruch genommen worden. Zudem hätten die sogenannten Wohlfühlanrufe derzeit 53 Kunden. Diese bekommen im Tages- oder Wochenrhythmus Anrufe von ehrenamtlichen Mitarbeitern, die sich nach dem Befinden der zumeist älteren Menschen erkundigen und mit ihnen plaudern.

Beides, die Beratungen und die Anrufe, sind kostenpflichtig. Aber: Wer Mitglied des Vereins ist – was zwischen 36 und 60 Euro im Jahr kostet – bekommt alles kostenlos. Nur zehn Empfänger von Wohlfühlanrufen zahlten daher für den Dienst, erklärt Rütten. „Und wenn jemand zur Beratung kommt oder anruft, ist die Frage nach dem Geld nicht die erste, die wir stellen. Wir kümmern uns um das, was die Menschen auf dem Herzen haben.“ Für gerade einmal vier Prozent der Beratungen im Jahr 2013 habe der Verein Geld bekommen.

„Viele glauben, dass wir von den Krankenkassen finanziert werden“, sagt Rütten. Tatsächlich vermittele der Verein Menschen in Beratungsgesprächen zwar in geförderte und abrechnungsfähige Angebote wie Pflegedienste, Heime und Begegnungsstätten. Der Verein selbst könne seine Leistungen aber nicht mit den Kassen abrechnen, weil die Beratungen nicht zu deren Leistungsspektrum gehörten. Gleiches gelte für die Wohlfühlanrufe. Neben Spenden und Mitgliedsbeiträgen seien die Honorare, die sie für Vorträge bekomme und komplett ins Vereinsbudget einbringe, die einzigen regelmäßigen Einnahmen des Vereins. Eine reguläre Förderung gebe es nicht. „Dabei wird unser Angebot dringend gebraucht. Unter anderem, weil Menschen heute viel selbstständiger alt werden müssen, Angehörige seltener vor Ort sind.“

Seit der Gründung im Jahr 2008 „hinkt der Verein finanziell immer ein Stück hinterher“, erklärt Rütten. Schon im vergangenen Jahr sei es „sehr knapp“ gewesen. Eine Krankenkasse habe damals mit einer Spende in Höhe von 8000 Euro geholfen.

Wie Rütten berichtet, wirbt der Verein seit Wochen bei Firmen und bei Stiftungen um Unterstützung. „Wir hoffen, dass wir die Insolvenz mit Hilfe von Spenden abwenden können. Ob 1000 Euro von einer Firma oder kleine Beträge von Privatpersonen, alles hilft“, sagt sie. „Wir können nicht aufhören. An diesem Verein hängt so viel. Die Ehrenamtlichen wollen unbedingt weitermachen. Und die Menschen, die wir beraten, brauchen uns doch.“

Gelingt die Rettung, will der Verein in Zukunft professioneller arbeiten. „Gut gemeint ist eben nicht gleich gut gemacht“, sagt Rütten. „Wenn wir nicht richtig wirtschaften, gefährden wir alle, die sich auf uns verlassen.“

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