Parkraumbewirtschaftung

Zeit des kostenfreien Parkens geht in Bremen zu Ende

In den Bremer Wohnquartieren wird es künftig Geld kosten, sein Auto abzustellen. Bewohnerparkausweise und Parkautomaten sollen den ruhenden Verkehr ordnen. Den Anfang machen Hulsberg und Findorff.
12.02.2020, 19:53
Lesedauer: 3 Min
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Zeit des kostenfreien Parkens geht in Bremen zu Ende
Von Timo Thalmann
Zeit des kostenfreien Parkens geht in Bremen zu Ende

Wohnstraße in Findorff: aufgesetztes Parken auf beiden Seiten ist immer mehr ein Problem geworden.

Roland Scheitz

Die Zeit des kostenfreien Parkens in den Bremer Wohnquartieren wird zumindest langfristig zu Ende gehen. Das geht aus dem jetzt von Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) und Innensenator Ulrich Mäuser (SPD) gemeinsam vorgelegten Strategiepapier zum Parken in den Quartieren hervor. Immer mehr und größere Pkws hätten in vielen Wohnquartieren zu einer Parkraumsituation geführt, die „nicht mehr hinnehmbar ist“, wie es in dem Papier heißt. Insbesondere das Gewohnheitsrecht des Parkens auf Gehwegen sei zum Problem geworden.

Mit einer Reihe von Maßnahmen wollen die beiden Senatsmitglieder nun dagegen arbeiten. Zwei ausgewählte Modellquartiere in der östlichen Vorstadt im Bereich westlich des Klinikums Bremen-Mitte und in Findorff nordwestlich der Bürgerweide sollen ab Frühjahr den Anfang machen (wir berichteten). Am Ende des Jahres sollen die dort gemachten Erfahrungen dann soweit ausgewertet sein, dass weitere Quartiere folgen können.

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Zentrales Element der künftigen Strategie sind vor allem grundsätzlich kostenpflichtige Parkplätze. Das soll für die jeweiligen Anwohner in Form von Bewohnerparkausweisen realisiert werden, für Auswärtige durch Parkgebühren. Flankiert wird das durch einen Ausbau von Carsharing-Angeboten und mehr Poller und Markierungen, um eindeutig kenntlich zu machen, wo regelkonform geparkt werden kann. Auch mehr Kontrollen sind Teil des Plans. Mäurer machte deutlich, dass er dafür bei den Haushaltsverhandlungen zusätzliches Personal angemeldet hat.

Bestandsaufnahmen im Vorfeld des Strategiepapiers haben laut Gunnar Polzin vom Verkehrsressort ergeben, dass die Zahl der privaten und offiziellen öffentlichen Parkplätze in den beiden ausgewählten Modellquartieren für die dort von den Anwohnern jeweils angemeldeten Fahrzeuge ausreicht. Demnach kämen im Hulsberg 1315 zugelassene Pkw auf insgesamt 1436 offizielle Parkplätze, 908 davon öffentlich, 528 auf privaten Grundstücken. In Findorff hatte eine vom Beirat beauftragte Untersuchung 1380 angemeldete Fahrzeuge gegenüber 1063 öffentlichen und rund 300 privaten Stellplätze ergeben. „Neue und mehr Parkplätze haben wir deswegen nicht im Fokus“, sagte Polzin.

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Als Problem gelten daher vor allem Auswärtige, die kostenpflichtige Parkplätze beispielsweise in nahegelegen Parkhäusern vermeiden, um ihre Fahrzeuge möglichst kostenfrei in den Wohnquartieren abzustellen. In Hulsberg seien dies vor allem Einpendler, die etwa im Klinikum arbeiten, in Findorff in erster Linie Besucher von Großveranstaltungen auf der Bürgerweide.

Wie teuer die Bewohnerparkausweise werden und wie hoch die Gebühren und die zugelassene Parkdauer ausfallen, sei noch in der Prüfung, heißt es aus den Senatsressorts. „Wir brauchen die Akzeptanz der Betroffenen und werden deshalb sicher nicht mit höchstmöglichen Beträgen anfangen“, sagte Schaefer. Nach der aktuellen Praxis in entsprechenden Quartieren in Vegesack und Schwachhausen können Bewohner ohne privaten Stellplatz gegen eine Gebühr von 30 Euro pro Jahr (50 Euro für zwei Jahre) eine Parkberechtigung beantragen.

Mäurer und Schaefer betonten, dass diese Veränderungen nicht gegen die Anwohner und nicht über Nacht vollzogen werden. „Für Bewohnerparken braucht es entsprechende Beschlüsse der Beiräte, für die weiteren Vorhaben suchen wir den Dialog in den Quartieren“, so Mäurer. Ziel aller Aktionen sei es zum einen, dass Feuerwehren und Rettungsfahrzeuge sicher alle Ziele in den Wohnstraßen erreichen. Zum zweiten sollen Menschen mit Rollatoren, Rollstühlen oder Kinderwagen ebenfalls problemlos ihren Weg finden. „Wir wollen wieder Barrierefreiheit und mehr Aufenthaltsqualität herstellen“, sagte Schaefer.

+++ Dieser Text wurde aktualisiert um 19:53 Uhr +++

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