Influencer verdienen Geld mit Fotos

Zwei Bremer Gentlemen als Werbefiguren

Kenneth Chorengel und Szymon Stefanowicz fallen durch ihre extravagante, stilvolle Kleidung auf. Die ist Teil ihres Hobbys: Die beiden Bremer sind Influencer - und werben auf Instagram für Produkte.
18.11.2017, 20:16
Lesedauer: 3 Min
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Von Jan-Felix Jasch
Zwei Bremer Gentlemen als Werbefiguren

Wenn das Viertel zum Laufsteg wird: Kenneth Chorengel posiert mitten auf der Straße Vor dem Ostertor. Sein Freund Szymon Stefanowicz macht Fotos.

Daniel Chatard

Kenneth Chorengel und Szymon Stefanowicz fallen auf. Immer wieder bleiben Passanten stehen und beobachten die beiden mit skeptischen Blicken. Die zwei Freunde haben sich im Bremer Viertel zu einem Fotoshooting getroffen. Sie tragen lange Mäntel, Chorengel sogar einen Hut, dazu eine Krawatte – gelb-braun kariert – und eine Handtasche. Erst fotografiert Stefanowicz sein Gegenüber Chorengel, dann umgekehrt. Stefanowicz arbeitet in einer Werbeagentur, fotografiert seit er sieben Jahre alt ist, hat seine Bilder sogar noch selbst entwickelt. Er hat genaue Vorstellungen, wie die Fotos aussehen sollen, er gibt Anweisungen, schlägt Posen vor.

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Wichtig ist an diesem Tag, dass die Uhr, die er am Handgelenk trägt, auf den Bildern gut zu sehen ist. Auch Chorengel posiert, schaut dabei auf seine Armbanduhr. Sie haben diese Uhren von einem Hersteller zugeschickt bekommen, sie sollen dafür Werbung machen. Bilder bei Instagram posten, den Hersteller verlinken. Einen Blogbeitrag schreiben. Dafür dürfen sie die Uhren behalten. Solche Deals gehen die beiden gerne ein – wenn das Produkt passt. „Wir haben auch schon Anfragen bekommen, die wir abgelehnt haben“, sagt Chorengel. Meistens arbeiten sie mit Modefirmen und Uhrenherstellern zusammen. Manchmal erhalten sie nur das Produkt, hin und wieder noch Geld dazu und manchmal ganze Wochenenden mit Komplettbetreuung. Wie zuletzt für das Shooting mit einer Sockenfirma.

Zehntausende Follower bei Instagram

Chorengel und Stefanowicz sind sogenannte Influencer. Auf Instagram haben sie 39.200 beziehungsweise 37.300 Follower. Das macht sie so interessant für Firmen. Sie sollen ihre Fans beeinflussen und von den Produkten überzeugen. Die beiden legen Wert auf gute Kleidung, gutes Essen, gute Manieren. Chorengel hat fünf Anzüge, dazu 15 Sakkos in seinem Ankleidezimmer. „Das ist gar nicht so viel“, sagt er. Es komme immer auf die Kombination an. Stefanowicz hat 30 Sakkos zuhause, er gibt ihnen sogar Namen. Trotzdem hat er manche seit mehreren Jahren nicht getragen. „Aber sie gehören immer noch zur Familie“, sagt er.

Arbeit: Die beiden Influencer fotografieren in einer Bar für ihren nächsten Blog-Artikel.

Arbeit: Die beiden Influencer fotografieren in einer Bar für ihren nächsten Blog-Artikel.

Foto: Daniel Chatard

Alles begann, als Chorengel versuchte, für eine Zeitschrift der Gentleman des Jahres zu werden. Stefanowicz hatte er kurz vorher durch Zufall bei einem Videodreh kennengelernt. Und da es zu den Aufgaben des Wettbewerbs gehörte, ein Video einzusenden, bat Chorengel Stefanowicz um Hilfe. Zusammen haben sie einen Clip gedreht, der Chorengel unter die letzten zehn des Wettbewerbs gebracht hat. Das Finale fand an einem Wochenende in einem Hotel statt. Es galt, mehrere Aufgaben zu erledigen und sich zu präsentieren. Dabei fiel Chorengel schnell der Zusammenhalt unter den Bewerbern auf. „Wir haben einander unterstützt, und es gab überhaupt kein Konkurrenzdenken“, erzählt er. Gewonnen hat er zwar nicht, aber die Idee mit nach Hause genommen, einen Gentleman‘s Club zu gründen: Zusammen mit Stefanowicz, mit dem er mittlerweile eng befreundet ist, hat er Freunde angesprochen, auch Fremde auf der Straße, ob sie nicht mitmachen wollen. „Wenn jemand gut gekleidet ist, fragen wir ihn schon mal, ob er nicht mitmachen will“, sagt Chorengel. Daraus ist 2015 dann der Gentleman‘s Club Bremen entstanden, er besteht aus sieben Mitgliedern. Dazu kommen noch zwei Ehrenmitglieder. Sie treffen sich in verschiedenen Restaurants und Bars in Bremen, ein Vereinsheim gibt es nicht. Die Treffen finden regelmäßig, aber nicht gezwungen statt. „Wir schauen, wie es passt“, sagt Stefanowicz.

„Wir haben auch viel Arbeit“

2016 haben Chorengel und Stefanowicz dann begonnen, professioneller zu arbeiten. Sie haben eine Webseite für den Klub entwickelt, einen Blog und auch ein Youtube-Format. Für den Blog sind sie regelmäßig unterwegs und erstellen Inhalte. Sie haben einen Burgertest in Bremen gemacht. An diesem Abend schreiben sie etwas über ihre neuen Uhren und das Lokal, in dem sie sich getroffen haben. Dafür geht ihr Essen aufs Haus. Sie dürfen Fotos von dem Holzofen machen, mit dem Koch plaudern. Und auch der Geschäftsführer kommt kurz vorbei, um die beiden zu begrüßen. „Es hat schon Vorteile“, sagt Chorengel, „aber wir haben auch viel Arbeit.“ Er selbst ist Speditionskaufmann, arbeitet am Flughafen. Stefanowicz arbeitet in einer Werbeagentur. Oft treffen sie sich abends, gehen essen, machen Fotos oder besprechen neue Themen für ihren Blog. Viel Freizeit bleibt da nicht.

Für die beiden könnte irgendwann der Tag kommen, ab dem sie nur noch als Influencer arbeiten und Werbung für verschiedene Marken machen. Ein Ziel war das nie. „Wir haben mal angefangen, weil wir modebewusst sind und uns gerne gut kleiden“, sagt Chorengel. Dass daraus ein Geschäftsmodell entstehen würde, mit dem sie Geld verdienen können, hätten sie nicht gedacht.

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