Probealarm am Donnerstag

Deutschland übt den Notfall - Landesweiter Warntag

Am Donnerstag heulen in Deutschland die Sirenen. Grund zur Sorge besteht aber nicht, es ist nur ein Probealarm am ersten landesweiten Warntag. Ziemlich viel Aufwand - wofür eigentlich?
07.09.2020, 08:15
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Deutschland übt den Notfall - Landesweiter Warntag

Eine Sirene in Rheinland-Pfalz: Bei dem ersten bundesweiten Probealarm an diesem Donnerstag sollen unterschiedliche Warnmöglichkeiten für den Katastrophenfall getestet werden. Foto: Martin Gerten/dpa

Martin Gerten / dpa

Egal ob Terroranschläge oder Naturkatastrophen wie Hochwasser, Hitzewellen und Erdbeben: Wenn Gefahr droht, soll die Bevölkerung so schnell wie möglich informiert werden.

Dabei setzen die Behörden auf ein ganzes Arsenal von Warnmitteln - von der altbekannten Sirene bis zur Spezial-App NINA. An diesem Donnerstag soll erstmals alles deutschlandweit erprobt werden.

Was passiert am Warntag?

Am Donnerstag findet um 11.00 Uhr ein bundesweiter Probealarm statt. Alle vorhandenen Warnmittel sollen getestet werden. Dazu gehören zum Beispiel Warn-Apps, Nachrichten über Radio und Fernsehen, aber auch Sirenen. Um 11.20 Uhr folgt die Entwarnung.

Warum ist der Warntag am 10. September?

Im größten Teil des Landes ist dann schon wieder Schule, so dass man davon ausgehen kann, möglichst viele Menschen zu erreichen. Der Warntag soll künftig jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September stattfinden.

Werden überall auch Sirenen heulen?

Es werden viele Sirenen heulen, aber welche Warnmittel jeweils genau zum Einsatz kommen, entscheiden die örtlichen Behörden.

Die Sirenen stammen ja teils noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Warum sind die heute immer noch nötig?

Sirenen gelten vor allem nachts als zuverlässiges Warnmittel. Ihr Heulton holt die Menschen aus dem Schlaf, wenn Fernseher, Radio und Handy ausgestellt sind.

Wozu braucht man dann noch andere Warnmittel?

Sirenen können nur kundtun, dass Gefahr im Verzug ist, aber nicht welche. Über Lautsprecherfahrzeuge kann man die Bevölkerung viel konkreter warnen. Und über die App NINA, die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes, kommt die Warnung sogar direkt auf das Handy.

Wie funktioniert diese App?

NINA wurde vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn entwickelt und ist mit dem sogenannten Modularen Warnsystem verknüpft. Das ist das satellitengestützte Warnsystem des Bundes, das Warnungen des BBK und lokale Warnungen der Leitstellen verbreitet. NINA empfängt aber auch Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Hochwasserwarnungen.

Welchen Sinn hat der Warntag?

„Es hat sich gezeigt, dass Menschen in Krisensituationen vor allem auf Bekanntes und bereits Erlerntes zurückgreifen“, sagt Christoph Unger, Präsident des BBK. Deshalb sei es sinnvoll, so etwas einzuüben. Außerdem gebe es eine zunehmende Zahl von Naturkatastrophen, zum Beispiel die Hitzewellen von 2018 und 2019, Terroranschläge wie in Halle oder Hanau oder aktuell die Corona-Pandemie. Diese Ereignisse hätten gezeigt, dass ein Warnsystem wichtig sei.

Gibt es eine allgemeine Empfehlung, wie man sich im Ernstfall verhalten soll?

Das BBK sagt dazu: „Mit jeder Warnung erhalten Sie in der Regel Informationen zur Gefahr und Empfehlungen, was Sie zu Ihrem Schutz tun können. Generell gilt: Bewahren Sie Ruhe, informieren Sie sich über die Medien und unterrichten Sie gegebenenfalls Ihre Nachbarn.“

Wie können Halter ihre Tiere vor Lärm schützen?

Etwa 15.000 Sirenen sollen bundesweit testweise aufheulen. Tiere können auf diesen Lärmpegel nervös und verängstigt reagieren, erläutert Daniela Schrudde von der Welttierschutzgesellschaft.

Wer weiß, dass er ein ohnehin ängstliches und geräuschempfindliches Tier zu Hause hat, sollte für den Zeitraum zwischen 11 und 11.20 Uhr ein paar Vorkehrungen treffen.

Als Erstes können sich Halter bei der lokalen Stadt- oder Gemeindeverwaltung erkundigen, ob und in welcher Form der Warntag stattfindet. Befinden sich Warnsirenen in der Nähe, gelten folgende Tipps:

- für Hundehalter: Sie sollten die Gassirunde mit ihrem Vierbeiner in jedem Fall auf einen früheren oder späteren Zeitraum verschieben.

- für Katzenhalter: Katzen, die am Vormittag gerne auf Erkundungstour gehen, bleiben in diesem Zeitraum besser im Haus.

- für Pferdehalter: Für den Zeitraum des Sirenengeheuls sind die Tiere im Stall besser als auf der Weide aufgehoben.

- für Kleintier- und Vogelhalter: Besitzer können den Tieren die besondere Situation erleichtern, indem sie den Käfig oder das Gehege abdecken und es möglichst in ein ruhiges Zimmer und weit weg vom Fenster stellen.

Grundsätzlich empfiehlt Schrudde, die Tiere während des Alarms nicht alleine zu lassen. Ein abgedunkeltes und möglich ruhiges Zimmer sorgt für Entspannung, ebenso können Musik oder Fernseher für eine gewohnte und beruhigende Geräuschkulisse sorgen. (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+