Mund-Nasen-Bedeckungspflicht Wie andere Länder mit Schülern und Ausnahmen umgehen

Die Nachfrage nach sogenannten Alltagsmasken ist enorm. Nicht weniger groß sind die noch offenen Fragen zu der Maskenpflicht, die ab Montag bundesweit gelten wird.
23.04.2020, 22:11
Lesedauer: 3 Min
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Von Markus Peters und Timo Thalmann

So könnte es in den Schulen laufen

Wie sich das Land Bremen den Start am Montag für die 1700 Schüler der Klassen 10 und für die rund 3000 Schüler in berufsbildenden Schulen, die vor Prüfungen stehen, konkret vorstellt, dazu wollte das Bildungsressort vor der Senatssitzung am Freitag nicht Stellung beziehen: Vermutlich wird es ähnlich ablaufen wie in Nordrhein-Westfalen, wo – begleitet von Protesten – der Schulunterricht für die Abiturienten und für Schüler der Klassen 10 am Donnerstag begonnen hat.

Dort wurden die Klassen halbiert, auf zwei Lerngruppen aufgeteilt, die zeitversetzt einen Rumpfunterricht in den Haupt- beziehungsweise Abiturfächern erhalten. Es herrscht Masken- und Abstandspflicht. Lehrer, die über 60 Jahre alt sind oder Risikogruppen angehören, wurden von der Unterrichtspflicht befreit. Zudem wurden alle Klassenräume gereinigt.

Einen entsprechenden Hygieneplan hat auch das Bildungsressort in Bremen erarbeitet und an die Schulen verschickt. Das stößt bei der Bundestagsabgeordneten Elisabeth Motschmann (CDU) auf Kritik: „Es zeigt sich deutlich: Wie diese Krise zu meistern ist, wird im Wesentlichen den Bremer Schulen überlassen. Das darf nicht sein.“ Senatorin Claudia Bogedan (SPD) praktiziere ein Verschiebespiel der Verantwortung, so Motschmann.

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Ausnahmen mit Attest

Auch bei einer allgemeinen Maskenpflicht in Geschäften und im Nahverkehr dürfen einzelne Gruppen auf den Mund-Nase-Schutz verzichten. Dazu gehören Kinder im Alter bis zu sechs Jahren sowie Behinderte und Personen, bei denen gesundheitliche Gründe das Tragen einer Maske verhindern. Das sind beispielsweise Menschen mit vorhandenen Erkrankungen der Atemwege wie Asthma oder chronischer Bronchitis. Aber auch eine Herzschwäche kann zu einem ärztlichen Attest führen, mit dem man die Befreiung von der Tragepflicht nachweisen kann.

"Die Maske bedeutet erhöhte Atemarbeit und Anstrengung", begründet Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Bremer Hausärzteverbandes, die Ausnahmen. Auch Atteste aus psychischen Gründen habe er schon ausgestellt für Menschen, die an Panikattacken leiden. Allerdings sollten Menschen mit Atemwegs-, Herz- oder Angsterkrankungen ohnehin Abstand zu anderen halten, wie auch alle übrigen Bürger. "Die einfache Stoffmaske schützt das Gegenüber, wenn man den gebotenen Abstand von wenigsten 1,50 Meter nicht einhalten kann", sagt Mühlenfeld. Enge Kontakte zu meiden, sei der beste Schutz vor einer Infektion.

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Der Einzelhandel rätselt noch

Viele praktische Fragen für den Gebrauch der Masken im Einzelhandel sind noch unbeantwortet. Müssen auch Angestellte sie durchgehend tragen? Wie oft muss eine Maske in einem Acht-Stunden-Arbeitstag erneuert werden? Wie kann dabei die Hygiene gewährleistet werden? In Sachsen gilt die Maskenpflicht schon seit Montag. Die dortige Landesregierung hat dazu mitgeteilt, dass auch die Zumutbarkeit eine Rolle spielt.

Wenn zum Beispiel in einer kleinen Bäckerei im Grunde nur eine Person den ganzen Tag hinter der Theke steht und es entsprechende Maßnahmen zur Abstandshaltung gebe, etwa Abtrennungsscheiben oder Ähnliches, könne auf das Tragen der Maske zeitweise verzichtet werden. An diesem Freitag tagen Handelsverband, Berufsgenossenschaft, Vertreter der senatorischen Behörden, Handelskammer, Gewerkschaften und Arbeitnehmerkammer zusammen, um Bremer Antworten zu finden.

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Die Kritik von Ärzten

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hat die inzwischen für ganz Deutschland beschlossene Maskenpflicht im Kampf gegen das Coronavirus kritisiert. „Ich trage selber eine Maske, aus Höflichkeit und Solidarität, halte eine gesetzliche Pflicht aber für falsch“, sagte Montgomery der „Rheinischen Post“. Denn: „Wer eine Maske trägt, wähnt sich sicher, er vergisst den allein entscheidenden Mindestabstand“, betonte der Mediziner. Bei unsachgemäßem Gebrauch könnten Masken gefährlich werden. Im Stoff konzentriere sich das Virus, beim Abnehmen berühre man die Gesichtshaut, schneller könne man sich kaum infizieren.

Aus Sicht von Montgomery sollte es eine gesetzliche Maskenpflicht nur für echte Schutzmasken geben – eine Pflicht für Schals oder Tücher sei „lächerlich“. Zugleich verwies er darauf, dass man derzeit noch alle „echt wirksamen Masken“ für das medizinische Personal, Pflegende und Gefährdete brauche. Sarkastisch warf er die Frage auf: „Aber was will man gegen den Überbietungswettbewerb föderaler Landespolitiker mit rationalen Argumenten tun?“

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