Neue Geschäftsführerin Alexandra Rempe übernimmt die Buchhandlung Storm

Alexandra Rempe übernimmt die Leitung der Buchhandlung Storm von Justus Hoffmann und Doris Wiechert. Während Hoffmann bereits im vergangenen Jahr ausgeschieden ist, bleibt Wiechert noch bis 2018.
25.03.2017, 17:29
Lesedauer: 4 Min
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Von Dominik Albrecht

Alexandra Rempe übernimmt die Leitung der Buchhandlung Storm von Justus Hoffmann und Doris Wiechert. Während Hoffmann bereits im vergangenen Jahr ausgeschieden ist, bleibt Wiechert noch bis 2018.

Seit gut elf Wochen hat die Bremer Buchhandlung Storm eine neue Geschäftsführerin. Alexandra Rempe übernimmt damit den Staffelstab von Justus Hoffmann und Doris Wiechert. Während Hoffmann bereits im vergangenen Jahr ausgeschieden ist, wird Wiechert noch bis 2018 ihrer Nachfolgerin mit Rat und Tat zur Seite stehen. Doch wer ist Alexandra Rempe und was trieb sie aus dem Münsterland an die Weser?

Die Liebe zum Buch hat Alexandra Rempe schon in der Kindheit entdeckt. In ihrer Familie wurde nach eigenen Worten viel gelesen und vor allem vorgelesen. Ab der dritten Klasse ist die in Hamm geborene Hundebesitzerin regelmäßig Besucherin der Gemeindebücherei gewesen. „Da bin ich immer hingeradelt und habe mir alles ausgeliehen, was die Kinder- und Jugendecke zu bieten hatte“, sagt Alexandra Rempe.

Ausbildung zur Buchhändlerin

Nach der Schule folgte eine Ausbildung zur Buchhändlerin. Den Anstoß lieferte eine Zeitschrift: „In einer Serie wurden Berufe vorgestellt, auch der der Buchhändlerin. Das fand ich so cool, dass ich mich beworben habe.“ Mit Anfang 20 kam ihr der Ge­danke, nicht immer „nur“ Buchhändlerin sein zu wollen. „In dem Alter ist ,für immer‘ ja auch immer die Ewigkeit, und die Ewigkeit wollte ich nicht“, erzählt Rempe und lacht. Sie begann in Duisburg ein Studium zur Kulturwirtin, brach dieses aber ab. Alexandra Rempe fehlte einfach der praktische Anteil: „Ich brauche etwas Handfestes und den Kontakt zu Menschen.“ In ihr wuchs die Sehnsucht, im Buchhandel zu arbeiten. Eine Sehnsucht, die durch Nebenjobs während des Studiums in Buchläden verstärkt wurde.

Als ihre Mutter starb, war das für Alexandra Rempe ein tiefer Einschnitt in ihrem Leben. „Das hat meine ganze Welt infrage gestellt, und ich dachte, mach doch einfach das, was du willst“, erklärt Alexandra Rempe. Und so eröffnete sie in Nordkirchen ihre eigene Buchhandlung „Miss Marple‘s“ – ein großes Abenteuer. „Ich bin froh, dass ich so jung und naiv war. In der heutigen Zeit hätte ich vieles anders gemacht“, gesteht sie. Andererseits habe sie dadurch viel gelernt. Und sie war erfolgreich. Unter anderem wurde sie im vergangenen Jahr für den „Young Excellence“-Award des Börsenblatts nominiert, einem Preis für den ambitionierten Nachwuchs in der Buchbranche.

Einst idealistisch und risikobereit

Von diesen Erfahrungen soll jetzt auch das Traditionsgeschäft in der Bremer Langenstraße profitieren. Einst noch idealistisch und risikobereit, ist Alexandra Rempe heute fokussierter. „Ich bin hier deutlich souveräner an die Sache herangegangen und wäge viel ab. Aber ich bringe nach wie vor eine große Portion Idealismus und Freude mit“, versichert die Westfälin.

Während sie in Nordkirchen eine Familienbuchhandlung betreibt, ist der geisteswissenschaftliche Schwerpunkt für sie neu. „Als Buchhändlerin ist das eine Herausforderung. Ich lerne neue Autoren und Verlage kennen und möchte auch inhaltlich in den Themen drinnen sein, damit ich Kunden Bücher empfehlen kann.“ Der Kontakt zur Buchhandlung Storm entstand über den Landesverband Nord im Börsenverein des deutschen Buchhandels. Eigentlich wollte Alexandra Rempe nur eine neue Filiale eröffnen, doch die Geschäftsführerin des Landesverbandes, Carola Markwa, hatte eine andere Idee. „In einem Nebensatz habe ich erwähnt, dass meine Mutter Bremerin war und ich Bremen liebe“, sagt Rempe. Der Rest ist bekannt.

120-jährige Firmengeschicht

In diesem Jahr feiert „Miss Marple‘s“ übrigens zehnjähriges Bestehen. Die Buchhandlung Storm blickt indes auf eine 120-jährige Firmengeschichte, was sie zudem zur ältesten Buchhandlung Bremens macht. Wie fühlt es sich an, plötzlich von zehn zu 120 zu springen? „Das ist eine ganz andere Art der Entdeckungsreise. Bei ,Miss Marple‘s‘ habe ich jede Schraube selber festgedreht. Hier habe ich mich zunächst wie eine Auszubildende gefühlt.“

In Bremen möchte Alexandra Rempe das Rad nicht neu erfinden. Der geisteswissenschaftliche Schwerpunkt soll erhalten bleiben. Dennoch möchte sie ihm eine eigene Note verleihen. Potenzielle Veränderungen sind die Neugestaltung des Verkaufsraumes und ein E-Reader-Angebot. Auch Kundenwünsche stoßen auf offene Ohren. „Das soll aber alles nicht mit der Brechstange passieren“, versichert sie. Trotz Konkurrenz im Netz und in der Innenstadt glaubt Alexandra Rempe an das Bestehen der Buchhandlung: „Bei Storm funktionieren auch die Klassiker. Das findet man in anderen Buchhandlungen nicht.“ Auch ein Aussterben des gedruckten Buchs fürchtet sie nicht. Die Menschen liebten das Haptische, ist sie sich sicher. E-Reader funktionierten für das einmalige Lesen eines Buches, aber: „Versuchen Sie mal, im Reader Notizen zu machen oder ein Eselsohr. Auch die Wucht eines Bildbandes lässt sich für mich nur als Buch gewährleisten.“

Das Geschäft hat Alexandra Rempe schon jetzt in ihr Herz geschlossen. Darum bedauert sie es auch, dass sie nur wenig über die Geschichte von Storm weiß. Um das zu ändern, ruft sie Bremer auf, ihr zu helfen. „Wenn die Bremer noch irgendwas haben, würde ich mich freuen, wenn sie sich bei uns melden. Egal ob Foto, eine Rechnung mit altem Logo oder eine Geschichte. Es hat sich hier viel verändert, aber ich habe einfach nichts“, bedauert sie. Aus den gesammelten Stücken soll im Idealfall eine kleine Ausstellung entstehen.


Lange Geschichte
Die Buchhandlung Storm wurde 1897 in der Hutfilterstraße von Johannes Storm als Kunst- und Buchhandlung gegründet. Ein Jahr später ernannte er Wilhelm Herrmann zum Prokuristen. Das Unternehmen verlegte selber Bücher und betrieb eine Versandbuchhandlung. 1919 stieg Johannes Storm aus dem Geschäft aus und übergab die Führung an Herrmann und dessen Frau, die auch selber Bücher verlegte. Einen Rückschlag erlebte die Buchhandlung im Oktober 1944, als ein Brand im Domshof vom mittlerweile dorthin gezogenen Geschäft fast nichts übrig ließ. Wolf Herrmann, der 1945 das Geschäft seines Vaters übernahm, schrieb in einer Festschrift zum 50-jährigen Bestehen: „Geblieben war der Name, ein paar gerettete Möbel und ein verschwindend kleiner Bestand an Büchern.“ Doch ein neuer Aufschwung gelang ihm, und schließlich beschäftigte Herrmann neun Mitarbeiter. 1970 kaufte Jürgen Nehen die Buchhandlung, musste aber im Jahr 2003 Insolvenz anmelden. Doris Wiechert und Justus Hoffmann übernahmen das Geschäft. Seit Januar ist Alexandra Rempe damit die fünfte Geschäftsführerin des Traditionsunternehmens.

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