Sturm in Norddeutschland am Donnerstag Zwei Tote durch Unwetter im Norden

Ein Tornado ist über Harburg hinweggezogen. Der Deutsche Wetterdienst hat eine Unwetterwarnung herausgegeben. Auch das Hurricane-Festival ist betroffen. Zwei Menschen sind durch das Unwetter gestorben.
22.06.2017, 06:55
Lesedauer: 5 Min
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Zwei Tote durch Unwetter im Norden
Von Jörn Hüttmann

+++ Update 21:00 +++

Der Streckenabschnitt Bremen – Buchholz kann ab sofort wieder in beide Richtungen befahren werden.

Zwischen Buchholz und Hamburg-Harburg fährt ein Ersatzverkehr mit Bussen, es konnten zusätzliche Busse eingesetzt werden.

In Lüneburg (Westseite) und Uelzen werden Hotelzüge des metronom für gestrandete Fahrgäste bereitgestellt.

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Bei dem schweren Unwetter über Norddeutschland ist in der Nähe von Uelzen ein 50 Jahre alter Mann gestorben. Er wartete am Donnerstag während des Sturms in einem Auto auf einem Parkplatz in Holdenstedt, als ein Baum auf den Wagen stürzte. Seine Frau überlebte leicht verletzt, für den Mann kam jede Hilfe zu spät, sagte ein Polizeisprecher in Lüneburg.

Unweit davon wurde eine Radfahrerin auf einer Hauptstraße ebenfalls von einem umstürzenden Baum getroffen und schwer verletzt.

Im Kreis Gifhorn ist zweiter Mensch ums Leben gekommen. Eine 83 Jahre alte Frau starb, nachdem sie mit ihrem Auto durch das Geäst eines umgestürzten Baumes gefahren war. Der Baum müsse unmittelbar vor der Frau in Alt Isenbüttel auf die Bundesstraße 244 gekippt sein, teilte die Polizei am Abend mit. Die gesamte Dachpartie des Autos sei eingedrückt worden, der Wagen kam aber erst später zum Stehen. Woran die alte Dame genau gestorben sei, müsse noch geklärt werden, sagte Polizeisprecher Christoph Nowak.

Ein Tornado hat im Kreis Harburg nach Angaben der Feuerwehr große Verwüstung hinterlassen. Verletzte habe es aber nach bisherigem Stand nicht gegeben, sagte Feuerwehrsprecher Matthias Köhlbrandt am Donnerstag. Dächer seien abgedeckt worden, Bäume umgeknickt.

In der Gemeinde Fliegenberg sei eine Schafherde mit 20 bis 30 Tieren unter umgestürzten Bäumen begraben worden, zahlreiche Tiere seien verendet. "Die Spuren sprechen ein deutliches Bild hier. Das war ein Tornado-Ereignis", sagte der Feuerwehrmann. Die Helfer seien zu 250 Einsätzen ausgerückt.

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In Hannover ist am Abend das Konzert von Guns N'Roses wegen eines Unwetters unterbrochen worden. Die Gäste wurden in die benachbarten Messehallen gebeten, twitterte die Polizei Hannover am Donnerstag. Rund 70.000 Menschen hörten zu, das Konzert der Kultrocker um Leadsänger Axl Rose und Gitarrist Slash war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft gewesen. Die Feuerwehr in Hannover teilte am Abend mit, es gebe zahlreiche Einsätze wegen umgestürzter Bäume und vollgelaufener Keller.

Chaos bei der Bahn

Durch das Unwetter in Norddeutschland geht für viele Bahnreisende nichts mehr: Umgestürzte Bäume haben beinahe alle ICE-Strecken im Norden lahmgelegt, wie eine Bahnsprecherin in Berlin am Donnerstag sagte.

Die Strecken Hamburg-Berlin, Hamburg-Hannover, Bremen-Hannover und Hannover-Wolfsburg-Berlin seien derzeit unterbrochen. Wann die Strecken wieder befahrbar seien, lasse sich noch nicht absehen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte am Donnerstag in weiten Teilen Norddeutschlands vor schweren Gewittern, orkanartigen Böen und Starkregen gewarnt.

Ein heftiges Unwetter führt zu Behinderungen auf den Autobahnen in Niedersachsen. Auf der A7 zwischen Hamburg und Hannover warnte die Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen vor Gefahr durch umgestürzte Bäume. Betroffen war der Abschnitt zwischen Evendorf und Bispingen. Ein umgestürzter Baum bremste auch den Verkehr auf der A1 zwischen Hamburg und Bremen aus. Zwischen Rade und Hollenstedt fiel ein Baum auf den Standstreifen.

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Regionale Bahnunternehmen berichteten von massiven Behinderungen und Verspätungen auf den Linien von Uelzen, Bremen und Cuxhaven nach Hamburg. Umgestürzte Bäume behinderten den Verkehr, Züge könnten gar nicht mehr oder nur mit großen Verspätungen fahren. Ersatzbusse waren nicht verfügbar.

Betroffen waren auch die Strecken von Braunschweig nach Uelzen und Bad Harzburg, von Hannover nach Goslar und Buchholz, sowie von Bremen nach Uelzen und von Lüneburg nach Dannenberg.

Gute Nachrichten gibt es für Bremer Hurricane-Besucher: Die RB41 von Bremen nach Scheeßel und die RB31 von Lüneburg nach Hamburg fahren wenigstens nach einem eingeschränkten Fahrplan.

Die Metronom-Strecke Uelzen – Lüneburg bleibt hingegen in beide Richtungen bis Freitag gesperrt. Ebenso die Strecken Hamburg – Buchholz-Scheeßel und Hamburg – Cuxhaven. Einen Schienenersatzverkehr gibt es nicht.

Schuld an dem Unwetter ist ein Tief über der Nordsee, das gerade Richtung Dänemark zieht. Der Deutsche Wetterdienst hat eine amtliche Unwetterwarnung veröffentlicht. Die Hurricane-Veranstalter hatten die Besucher am Donnerstagmittag gebeten, in ihren Autos zu bleiben. Im Laufe des Tages werden die Temperaturen nochmals über 30 Grad klettern. Am Nachmittag und Abend soll die Hitze dann von Unwettern abgelöst werden. Der Deutsche Wetterdienst rechnet mit Starkregen um 30 Liter pro Quadratmeter und Stunde sowie Hagel "mit Korngrößen um drei Zentimeter" und Sturmböen von bis zu 85 Kilometer in der Stunde.

Mit Blick auf Hurricane-Festival in Scheeßel ruft der Wetterbericht unschöne Erinnerungen wach: 2016 musste das Festivalgelände wegen eines Unwetters zeitweise geräumt werden . In diesem Jahr gibt es bereits bei der Anreise Probleme mit dem Wetter. "Das nächste Unwetter nähert sich bereits", twittern die Hurricane-Veranstalter, verbunden mit der neuerlichen Bitte an die Besucher, "in Euren Autos zu bleiben". Wer mit der Bahn anreist, wird "in eine Schutzunterkunft" umgeleitet.

Für den Fall, dass die Parkflächen durch Dauerregen aufgeweicht sind, bitten die Veranstalter die Besucher möglichst vorsichtig über die Flächen zu fahren. "Wir versuchen immer, euch bestmögliche Parkplätze zur Verfügung zu stellen, sind aber auf eure Mithilfe angewiesen.

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Bitte befolgt immer die Anweisungen unserer Mitarbeiter und habt Geduld, sollte es wider Erwarten zu Verzögerungen beim Parken oder Abreisen kommen", teilten die Veranstalter mit. Falls sich dann doch jemand auf matschigem Untergrund festfahren sollte, halten die Veranstalter Schlepper bereit. Die Trecker-Fahrer sind extra gekennzeichnet und nehmen kein Geld von Festivalbesuchern. Weitere Infos zur Anreise gibt es hier und das Festival-Team der Polizei Rotenburg begleitet die Anreise auf Twitter .

+++ Dieser Artikel wurde und wird fortlaufend aktualisiert. +++

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