Wohnmobil-Tourismus Weniger Wohnmobilisten

Die Wohnmobil-Branche boomt. Dies bestätigt auch die Mittelweser-Touristik, die nun die Stellplatz-Belegungszahlen für 2021 veröffentlicht hat. In Bruchhausen-Vlisen folgen die Zahlen aber nicht dem Trend.
06.02.2022, 15:19
Lesedauer: 3 Min
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Weniger Wohnmobilisten
Von Ivonne Wolfgramm

Bruchhausen-Vilsen. Die Corona-Pandemie hat die Liebe zum Reisen mit Wohnmobilen und Caravans wieder entfacht und der Branche im Jahr 2021 Rekordwerte beschwert. So sagt es zumindest Martin Fahrland, Geschäftsführer der Mittelweser-Touristik aus Nienburg: "Im vergangenen Jahr wurden zum zweiten Mal nach 2020 über 100.000 Freizeitfahrzeuge zugelassen." Die Zahl der Neuzulassungen von Reisemobilen überstiegen 2021 sogar den Rekordwert aus dem Vorjahr mit einem Plus von 4,3 Prozent dabei deutlich. "Der Umsatz der Caravaning-Branche wuchs auf rund 14 Milliarden Euro an."

Der Boom der Wohnmobil-Branche schlägt sich auch in den Belegungszahlen der Wohnmobilstellplätze im Gebiet der Mittelweser-Touristik nieder. Auf sieben der elf Stellplätze innerhalb dieses Gebiets lagen die Zahlen entweder auf Höhe oder sogar über den Vorjahreswerten. In Bruchhausen-Vilsen sah das hingegen ein bisschen anders aus – jedenfalls, wenn man allein die Zahlen betrachtet: Waren es 2020 noch 1779 Belegungen für den Stellplatz an der Bollenstraße, lag die Zahl für das vergangene Jahr bei 1268. Zum Vergleich: Auf dem Stellplatz „Weserblick“ in Hoya waren es 2021 1767 Belegungen, 2020 hingegen nur 1274.

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Grund zur Sorge gibt es deswegen beim Tourismusservice im Luftkurort allerdings nicht. Aufgrund der Pandemie-Einschränkungen konnte der Stellplatz von Januar 2021 bis zum 21. Mai 2021 gar nicht geöffnet werden. "Die Monate Mai und Juni sind etwas langsamer angelaufen", berichtet Catrice Meyer vom Tourismusservice. "Aber die folgenden Monate sind fast vergleichbar mit den Ankünften im Jahr 2019." Da sowohl der Deutschland- als auch der Wohnmobiltourismus durch die Corona-Pandemie in den letzten beiden Jahren in den Fokus gerückt ist, habe auch der Stellplatz, der in direkter Nachbarschaft zur Museums-Eisenbahn liegt, von diesem Trend profitiert.

Dennoch kamen der Tourismusservice beziehungsweise die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen nicht darum herum, die Niedersächsischen Corona-Vorschriften während der Öffnung des Stellplatzes umzusetzen, sagt Catrice Meyer. Dazu gehörte auch die Erfassung der Kontaktdaten der Besucher mittels Luca-App oder auf schriftlichem Wege. "Für dieses Jahr schauen wir positiv auf die kommende Saison und erhoffen uns einen Anstieg der Ankünfte", berichtet Meyer.

Untersuchungen des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr (DWIF) aus dem Jahr 2018 belegen, dass Wohnmobile statistisch gesehen mit 2,4 Personen belegt sind und 50,50 Euro pro Person und Tag inklusive Stellplatzgebühren im Ort oder der Region lassen. "Demnach flossen allein bei den elf Plätzen im Einzugsbereich der Mittelweser-Touristik trotz der eingeschränkten Öffnungszeiten im vergangenen Jahr mehr als 1,79 Millionen Euro in die Region", sagt Fahrland.

Einen Grund für die Beliebtheit des Wohnmobiltourismus in dieser Gegend sieht er nicht nur bei der guten Lage der Stellplätze, sondern auch in den zahlreichen Marketingmaßnahmen. Eine Broschüre mit einer Auflage von mittlerweile rund 350.000 Exemplaren weist auf die Plätze der Region hin. Hinzu kommen die großen Caravan-Messen, auf denen sich die Tourismusgesellschaft präsentiert, sowie die Bekanntmachung in den landesweiten Reisemobil-Fachzeitschriften und Stellplatzführern. Fahrland nennt dazu ein Beispiel: "Der Nienburger Wohnmobilstellplatz ist zusätzlich in den Stellplatzführern der Deutschen Märchenstraße und der Deutschen Fachwerkstraße vertreten." Er sagt aber auch: Ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Beliebtheit und Belegung von Plätzen sei die Mundpropaganda. "Zufriedene Gäste erzählen es weiter", erklärt Fahrland.

Zur Sache

Mittelweser-Region auf Platz drei

Das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr hat die acht Regionen mit dem höchsten Anteil von Wohnmobilübernachtungen an der Gesamtzahl aller touristischer Übernachtungen für 2021 ermittelt. Mit 18 Prozent liegt die Mittelweser-Region in diesem Ranking auf Platz drei. Den höchsten Anteil weist die Unterelbe-Unterweser (23,4 Prozent) auf, gefolgt von Haßberge (22,6 Prozent). Auf dem vierten Platz liegt das Fränkische Seenland (16,2 Prozent). In absteigender Reihenfolge kommen noch Werra-Meißner-Land (14,9 Prozent), Fränkisches Weinland (13,1 Prozent), Mosel/Saar (13 Prozent) und die Thüringer Rhön (12,7 Prozent). "Dass darunter viele kleinere Regionen sind, zeigt, dass speziell solche Landstriche vom Wohnmobiltourismus profitieren", sagt Martin Fahrland, Geschäftsführer der Mittelweser-Touristik.

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