Datenkolumne Erweiterte Realität

"Ich sehe was, was Du nicht siehst" – wie Augmented Reality in Zukunft unseren Alltag verändern könnte, erklären Dennis-Kenji Kipker und Sven Venzke-Caprarese in der Datenkolumne.
07.10.2022, 14:42
Lesedauer: 3 Min
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Von Sven Venzke-Caprarese und Dennis-Kenji Kipker

Virtual Reality, diesen Begriff haben vermutlich die meisten schon einmal gehört. Was lange Zeit nur ein theoretisches Konzept war, ist mittlerweile massentauglich. Spätestens seitdem Meta (ehemals Facebook) die aktuelle Version der eigens entwickelten Virtual-Reality-Brille „Oculus Quest 2“ auf den Markt gebracht hat, setzt das Eintauchen in virtuelle Realitäten keinen eigenen PC, kein technisches Grundverständnis und kein hohes Budget mehr voraus. Die Oculus Quest 2 selbst besteht lediglich aus der Virtual-Reality-Brille, die etwas an eine undurchsichtige Taucher- oder Skibrille erinnert, und zwei Controllern, die man in den Händen hält.

Die Brille kann eigentlich überall genutzt werden. Wenn man sie aufsetzt, muss man erst einmal die Örtlichkeit, an der man sich befindet, einmessen. Hierzu wird mittels einer Kamera, die kaum sichtbar außen an der Brille angebracht ist, die Umgebung auf die Bildschirme innerhalb der Brille übertragen. Mithilfe der Controller in den eigenen Händen „zeichnet“ man nun auf dem Boden eine virtuelle Begrenzungslinie. Egal ob man sich im Wohnzimmer, im Büro oder draußen auf der Terrasse befindet, kann der Brille so die Fläche mitgeteilt werden, in der man sich später in der virtuellen Realität bewegen möchte. Das ist wichtig, weil man ansonsten gegen Wände, Tische und sonstige Hindernisse stoßen würde, sobald man erst einmal „eingetaucht“ ist. Hat man die Fläche eingemessen, verschwindet dann auch das Kamerabild der „echten Welt“ innerhalb der Brille und die virtuelle Welt wird angezeigt. Bewegt man sich nun zu nah an die eingemessenen Grenzen, erscheint in der virtuellen Realität zuerst ein virtuelles Begrenzungsraster vor den eigenen Augen. Durchschreitet man dieses Raster, wird über die Kamera wieder die „echte Welt“ als Bild innerhalb der Brille angezeigt. Dieses Bild der echten Welt, das in der Kamera angezeigt wird, ist zwar noch schwarz-weiß und etwas unscharf – genau hier liegt aber möglicherweise der technologische Quantensprung in die Zukunft, nämlich der Weg hin zur Augmented Reality.

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Der Begriff Augmented Reality bedeutet übersetzt „erweiterte Realität“. Das Konzept der Augmented Reality beruht dabei im Grundsatz darauf, dass man die Sicht auf die „echte Welt“ durch virtuelle Einblendungen überlagert. Würde man also mit einer Augmented-Reality-Brille auf die Welt blicken, so würde man neben der echten Umgebung weitere Informationen sehen. Man könnte sich zum Beispiel im Supermarkt neben einem Produkt im Regal Nährwert- und Herkunftsangaben einblenden lassen, man könnte mit Freunden im Büro virtuelles Paintball spielen oder sich beim nächsten Schrankaufbau genau anzeigen lassen, welche der auf dem Boden liegenden Schrauben und Bretter als nächstes wie zusammengebaut werden muss. Der Weg hin zu Augmented Reality ist technisch aber sehr viel komplexer als das Eintauchen in Virtual Reality.

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Bisherige Konzepte, die darauf beruhten, dass Augmented-Reality-Brillen konstruiert waren wie echte Brillen – also flach und durchsichtig – hatten wenig Erfolg. Zu nennen sind hier zum Beispiel „Google Lens“ und „Microsoft Hololens“. Beide Brillen lieferten aufgrund der noch nicht weit genug entwickelten Display-Technologie keine wirklich immersiven Erlebnisse, bei der die Realität mit der virtuellen Welt verschmilzt. Ein neues Konzept, die bestehenden Virtual-Reality-Brillen einfach um weitere und bessere Kameras zu ergänzen, könnte jedoch Abhilfe schaffen. Denn es ist technisch weit weniger herausfordernd, die echte Welt erst in die geschlossenen Virtual-Reality-Brillen zu holen und dann weitere Informationen darüberzulegen.

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Augmented Reality kommt aber noch mit weiteren technischen Herausforderungen daher. Denn künftige Augmented-Reality-Brillen müssen nicht nur das Bild der echten Welt erweitern, sondern sie müssen auch Gegenstände in der echten Welt „erkennen“. Möchte man zum Beispiel ein virtuelles Brettspiel auf dem Wohnzimmertisch erscheinen lassen, muss die Brille erkennen, wo der Tisch ist. Hierzu sind Sensoren erforderlich, die quasi in Echtzeit den umgebenden Raum erfassen und wie eine Art „Radar“ Gegenstände erkennen können. Sie finden, das klingt wie Science Fiction? Tatsächlich sind solche Sensoren schon heute in vielen der aktuellsten Smartphones verbaut. Diese sogenannten „Lidar-Sensoren“ sind in der Lage, ein 3D-Abbild des Raumes zu erzeugen. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis der erste Hersteller (Meta und Apple sind hier zwei heiße Kandidaten) diese Technologien kombiniert und Augmented Reality ebenfalls massentauglich wird. Zu Beginn könnte es sich noch komisch anfühlen, wenn sich Menschen mit geschlossenen Brillen – vermeintlich blind – durch die echte Welt bewegen. Aber wie viel anders als der ständige Blick auf das Smartphone – der vor einigen Jahrzehnten auch noch völlig fernliegend schien – ist das eigentlich? Mit der sich zügig weiter entwickelnden Display-Technologie ist es gut möglich, dass Augmented Reality in einigen Jahren oder Jahrzehnten vielleicht kaum noch sichtbar ganz normaler Bestandteil unseres Alltags ist. Darüber, welche gesellschaftlichen Auswirkungen dies künftig haben wird, kann man derzeit nur spekulieren. Aufhalten können wir es aber wohl nicht mehr.

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