Taten auch im Kreis Diepholz Mann wegen Computerbetrugs erneut vor Landgericht Verden

Ein 28-Jähriger aus Remscheid muss sich erneut vor dem Landgericht Verden wegen Computerbetrugs verantworten, den er auch im Kreis Diepholz begangen haben soll.
04.08.2021, 16:20
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Angelika Siepmann

Verden/Landkreis Diepholz. Er soll Handydaten ausgespäht, sich Kundenkennwörter verschafft, Konten geknackt und dann auf diverse Weise reichlich Reibach gemacht haben: Durch fast 200 bundesweit begangene Fälle von Computerbetrug soll ein 28-Jähriger aus Remscheid zwischen Dezember 2016 und April 2017 rund 430.000 Euro eingestrichen haben. Zu den Geschädigten gehörten Privatpersonen aus Lilienthal und Thedinghausen-Riede sowie die Volksbanken in Bassum, Stuhr, Syke und Weyhe. Der Mann muss sich seit Mittwoch erneut vor dem Landgericht Verden verantworten, da der Bundesgerichtshof (BGH) das im März 2018 ergangene Urteil wegen eines „gravierenden Formfehlers“ kassiert hat.

Der wegen Vermögensdelikten vorbestrafte Angeklagte war damals von der 1. großen Strafkammer des Landgerichts wegen Computerbetrugs in Tateinheit mit Fälschung beweiserheblicher Daten in 111 Fällen sowie Fälschung solcher Daten in weiteren 30 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Außerdem war die Einziehung des „Taterlangten“ in Höhe von fast 250.000 Euro angeordnet worden. Dem Urteil war eine sogenannte Verständigung über das zu erwartende Strafmaß vorangegangen. Der Mann hatte daraufhin die notwendige Voraussetzung erfüllt und ein weitreichendes Geständnis abgelegt. Etliche Fälle wurden auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt.

Akzeptieren wollte der Angeklagte das Ergebnis dennoch nicht. Mit seiner „auf eine Verfahrensbeanstandung und die allgemeine Sachrüge gestützte“ Revision hatte er auch Erfolg. Der BGH hob das Urteil im Oktober 2018 komplett auf. Die Sache wurde zu neuer Verhandlung und Entscheidung an eine andere Verdener Kammer zurückverwiesen. Moniert worden war von den Karlsruher Richtern vor allem, dass der Mann nicht, wie zwingend erforderlich, über die Voraussetzungen und Folgen einer Abweichung des Gerichts vom Verständigungsresultat belehrt worden war.

Nun ist die 10. Große Strafkammer an der Reihe. Sie stellte zum Prozessauftakt gleich klar, dass das seinerzeit vom Angeklagten abgelegte Geständnis aufgrund der „fehlerhaften und nicht wirksamen Verständigung“ nicht berücksichtigt werden kann. Dass es erneut einen „Deal“ geben wird, ist indes sicher. Im Vorfeld der Hauptverhandlung haben die Verfahrensbeteiligten bereits entsprechende Erörterungsgespräche geführt. Unter der Bedingung, dass der angeblich hoch verschuldete Angeklagte sich zu seinen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen sowie zu den relevanten Tatvorwürfen einlässt, könnte er eine Bewährungsstrafe zwischen anderthalb und zwei Jahren erhalten. Dies vor allem, weil er Schaden schon wiedergutgemacht hat.

Mit Bewährung war im ersten Prozess auch der ein Jahr ältere Komplize davongekommen: 22 Monate wegen 30 Fällen, in denen er dem mutmaßlichen Drahtzieher des ausgeklügelten Computerbetrugs wertvolle Hilfe leistete. Als Auszubildender in einem Mobilfunkshop hatte er die nötigen Passwörter für das Online-Banking etlicher Geschädigter ausfindig gemacht. Der wieder vor Gericht stehende Mann, der acht Monate in Untersuchungshaft verbringen musste, betrieb den Betrug laut Anklage in großem Stil. Bestand voller Zugriff auf ein ausgespähtes Konto, wurden besonders Rücklastschriften und Geldtransfers vorgenommen und auch häufig kostspielige Einkäufe im Internet getätigt, vorzugsweise I-Phones. Die ersten Strafanzeigen waren von Geschädigten aus dem Bremer Umland eingegangen. Damit ergab sich die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft Verden.  

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+