Bundesweiter Warntag

Sirenengeheul zu Testzwecken

Am Warntag werden überall die Sirenen heulen. In Lilienthal passiert das nur in den Ortschaften. Im Ortskern selbst gibt es schon lange keine Sirenen mehr. Doch das könnte sich bald ändern.
07.09.2020, 22:19
Lesedauer: 3 Min
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Von Lutz Rode
Sirenengeheul zu Testzwecken

In Mittelbauer thront auf dem Dach eines Wohnhauses eine Sirene, wie Ortsbrandmeister Detlef Murken zeigt. Am Warntag wird sie um 11 Uhr in Gang gesetzt. Still bleibt es dagegen im Ortskern Lilienthals, wo die Sirenen schon vor langer Zeit demontiert wurden.

Lutz Rode

Lilienthal. Am Donnerstag um 11 Uhr werden überall in Deutschland die Sirenen heulen. Eine Minute lang soll dann zu Testzwecken ein auf- und abschwellender Ton erklingen, so wie es im Ernstfall auch vorgesehen ist, um vor einer akuten Gefahr zu warnen. Das schrille Geheul gehört zum Programm des bundesweiten Warntages, der vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nach jahrzehntelanger Pause erstmals wieder organisiert wird. Die Sirenen sind bei diesem Probelauf nur einer von vielen Kanälen, über die die Menschen gewarnt und auch näher informiert werden sollen. Über spezielle Apps, im Radio und Fernsehen soll das ebenfalls flächendeckend passieren.

Auch in Lilienthal wird es von den Dächern heulen, allerdings nicht überall. Vom Ortskern bis hinauf nach Falkenberg gibt es schon seit einer halben Ewigkeit keine Sirenen mehr. Sie wurden demontiert, als sich die Drohkulisse des Kalten Krieges auflöste und die Feuerwehr sie für die Alarmierung der Einsatzkräfte nicht mehr benötigte. Meldeempfänger erfüllen heutzutage diesen Zweck. In den Ortschaften hält man dagegen an den Sirenen fest, zur Sicherheit, falls die Pieper draußen auf dem Lande mal nicht zu den Feuerwehrleuten durchdringen sollten. Acht Sirenen gibt es aktuell noch im Gemeindegebiet - drei in Worphausen, zwei in Seebergen, zwei in Sankt Jürgen und eine in Heidberg, wobei Letztere nach Auskunft der Gemeindeverwaltung derzeit defekt ist.

Seit einiger Zeit befasst man sich im Lilienthaler Rathaus wieder mit den Sirenen – denn zum alten Eisen gehören sie aus Sicht der Verantwortlichen nicht. Allein auf Smartphone-Warn-Apps oder Internetseiten will sich die Rathaus-Spitze nicht verlassen, wenn es um lokale Ereignisse unterhalb des Katastrophenszenarios geht, vor der die Bürger effektiv und möglichst umfassend gewarnt werden sollen. „Ich bin ein Freund der Warn-Apps, doch man darf sich nicht allein darauf verlassen. Man muss weitere Alarmierungsmöglichkeiten haben“, sagt Jürgen Weinert, der den Fachbereich für Bürger- und Innere Dienste leitet. Bei allen Vorteilen, den so eine Warn-App erfülle, letztlich sei es nur ein Angebot, das man freiwillig annehmen könne oder eben auch nicht.

Die Ausstattung des Gemeindegebietes mit Sirenen soll umfassend in den Blick genommen werden. 15 000 Euro stehen im Haushalt für eine solche Untersuchung seit dem Jahresbeginn bereit. Derzeit ruht das Vorhaben, weil die Gemeinde darauf wartet, dass das Land seine Vorstellungen über die Sirenen-Standards in den Kommunen in einem Erlass präzisiert. Angekündigt war das bereits, doch vermutlich sind die Vorbereitungen wegen der Corona-Krise ins Stocken geraten. So lange nicht klar ist, wie die Vorgaben lauten, will die Gemeinde ein Gutachten zur Sirenenausstattung Lilienthals auch nicht in Auftrag geben. „Sonst besteht die Gefahr, dass man Geld verbrennt, weil die Ergebnisse nicht auf dem aktuellen Stand sind“, sagt Weinert.

Ob einfache Sirenen reichen, in welchem Abstand sie stehen müssen, damit der Schall auch dreifachverglaste Fenster durchdringt, ob über sie auch Durchsagen möglich sein müssen - all dies sind Fragen, die im Rahmen der Untersuchung beantwortet werden sollen. Wichtig ist der Gemeinde, dass die Standards einheitlich ausfallen – eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“, bei der die Außenbereiche anders behandelt werden als der Ortskern, soll es nicht geben.

Das alles ist noch Zukunftsmusik. Ziemlich konkret ist dagegen der Warntag, der nun am Donnerstag bundesweit über die Bühne gehen soll. Die Technik für die Alarmierung und Information soll an diesem Tag getestet werden, aber es geht auch darum, dass das in Vergessenheit geratene Thema wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen gerückt wird. Der Landkreis geht an diesem Tag mit seiner Bürgerinfo- und Warnapp, kurz Biwapp genannt, an den Start. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat zwar schon vor längerer Zeit die Notfall-Informations- und Nachrichten-App, kurz Nina, herausgebracht, doch dort sind ausschließlich offizielle Warninformationen zuständiger Behörden, Einrichtungen und Leitstellen zu finden. „Biwapp geht noch einen Schritt weiter und sorgt mit Meldungen wie beispielsweise zu Straßensperrungen oder Großbränden für ein weitergehendes Informationsangebot auch außerhalb von Katastrophen“, sagt Landkreissprecherin Jana Lindemann. Zwischen Nina und Biwapp bestehe eine Verbindung, sodass es nicht nötig sei, beide Apps auf das Smartphone herunterzuladen. Insgesamt erhofft sich der Landkreis Osterholz als zuständige Behörde für den regionalen Katastrophenschutz, dass mehr Menschen als bisher eine Warn-App nutzen.

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