Zahl der Covid-19-Patienten steigt Intensivstationen im Landkreis Osterholz zeitweise ausgelastet

Kliniken im Spagat zwischen Corona und Regelbetrieb: Die zweite Welle der Pandemie kommt auch in den Krankenhäusern im Landkreis Osterholz an.
08.11.2020, 22:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Bernhard Komesker und Irene Niehaus

Die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen hat seit Anfang Oktober bundesweit stark zugenommen. Die zweite Welle der Pandemie kommt auch in den Krankenhäusern der Region an.

„Wir spüren die hohen Fallzahlen aus Lilienthal und Umgebung und versorgen immer mehr Covid-Fälle, auch auf der Intensivstation“, sagt Leonie Ottmer, die Leiterin der Unternehmenskommunikation bei der Artemed-Gruppe, zu der auch das Krankenhaus in Lilienthal gehört. Konkrete Zahlen zu Patienten und Fällen möchte sie nicht nennen. Bei einer anhaltend hohen Rate an Neuinfektionen würden schrittweise weitere Bereiche isoliert und so die Zahl der Betten für Covid-Fälle erhöht werden. Die Versorgung aller anderen stationären Patienten müsste dann nicht eingestellt werden. „Wir sind in der Lage, alle Patientengruppen isoliert voneinander zu behandeln“, so Ottmer. Auch Beatmungsplätze könnten bei Bedarf kurzfristig aufgestockt werden. Bisher war die Intensivstation mit acht Betten samt Monitorplätzen ausgestattet, davon drei Plätze für eine invasive Beatmung und ein Bettplatz für eine nicht invasive Beatmung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden sich in dieser schwierigen Zeit mit höchstem Engagement für die Patienten einsetzen, sagt Ottmer. „Dies erreichen wir vor allem durch die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit und den täglichen Austausch untereinander.“

Lesen Sie auch

Momentan ausgelastet ist die Intensivstation im Osterholzer Kreiskrankenhaus. In der vorvergangenen Woche waren dort mehr als sechs Patienten gleichzeitig intensivmedizinisch zu behandeln, und auch das einzige vorhandene Corona-Intensivbett mit Beatmungsgerät war belegt. Zwei weitere Patienten mit anderen Krankheitsbildern mussten außerdem beatmet werden, sodass nur noch ein viertes Bett für kurzfristige hausinterne Notfälle frei blieb. Diese Momentaufnahme lieferte Landkreis-Sprecherin Jana Lindemann auf Anfrage der Redaktion.

Die Problematik ist, wie der WESER-KURIER berichtete, vielerorts inzwischen ähnlich: Es fehlt vor allem an Pflegekräften, besonders im Intensivbereich. Zumal terminierbare Behandlungen nicht im selben Tempo und Umfang abnehmen, wie die Fallzahlen steigen. Inzwischen kursieren Gerüchte in der Kreisstadt, es würden wegen begrenzter Aufnahmekapazitäten reihenweise Patienten abgewiesen. Dazu erklärte die Landkreis-Sprecherin, bei akuten Notfall-Behandlungen erkundige sich die Leitstelle stets nach den zur Verfügung stehenden Betten der Intensivstation. „Sollten keine Betten vorhanden sein, wird der Patient unmittelbar einem anderen Krankenhaus zugewiesen“, so Lindemann. Diese Vorgehensweise bestehe aber unabhängig von Corona.

Lesen Sie auch

Auf der Normalstation muss die kreiseigene Klinik zurzeit sechs Betten für Corona-Patienten vorhalten. An manchen Tagen war die Hälfte belegt. Lindemann versucht zu beruhigen: „Durch die aktuelle Belegung des Kreiskrankenhauses stünden grundsätzlich weitere Bettenkapazitäten auf der Normalstation zur Verfügung.“ Außerdem ließe sich schlimmstenfalls die Reserveklinik in Ritterhude aktivieren. Freilich hoffen die Verantwortlichen, dass der November-Lockdown alsbald Wirkung zeigt.

Bundesweit rechnet die Deutsche Krankenhausgesellschaft noch in diesem Monat mit doppelt so vielen Corona-Intensivpatienten wie im Frühjahr. Auch Pflege-Vertreter rechnen angesichts mit einer sich zuspitzenden Situation auf deutschen Intensivstationen. Die Covid-Patienten benötigten meist recht lange eine Intensivversorgung, sodass man nicht auf eine schnelle Fluktuation auf den Stationen bauen könne, sagte Christel Bienstein, Präsidentin des Deutsche Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK), der „Rheinischen Post“. Pflegekräfte könnten nicht einfach auf Intensivstationen versetzt werden. Die Idee vom Robert-Koch-Institut, dass – in absoluten Ausnahmefällen – auch infizierte Pflegefachpersonen für die Versorgung von Covid-Patienten eingesetzt werden, wenn sie selbst symptomlos sind und in Schutzausrüstung arbeiten, sei „leider“ noch nicht vom Tisch, kritisierte Bienstein.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+