Covid-19-Patienten Krankenhäuser haben aufgerüstet

Die Städte Oldenburg, Delmenhorst sowie die Landkreise Ammerland, Cloppenburg, Oldenburg und Wesermarsch haben ein Kapazitäten-Konzept zur Behandlung von Covid-19-Patienten. So seien Krankenhäuser gut gerüstet.
07.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Georg Jauken

Noch gibt es in Deutschland genügend freie Intensivbetten, doch die wachsende Zahl von schwer erkrankten Covid-19-Patienten droht die verfügbaren Kapazitäten zu sprengen. Nach Berechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung könnte es schon in wenigen Wochen so weit sein. Im Landkreis Wesermarsch ist die Lage bislang vergleichsweise günstig.

Dem Intensivregister der Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zufolge wurden am Donnerstag (5. November) 2653 Covid-19-Patienten mit schweren Krankheitsverläufen auf den Intensivstationen in der Bundesrepublik behandelt, 107 mehr als am Vortag. 1422 von ihnen mussten durch eine Kanüle, die durch den Hals direkt in der Luftröhre liegt, beatmet werden. Von den bundesweit verfügbaren 28 612 Intensivbetten waren am Donnerstag drei Viertel belegt.

In den Krankenhäusern in Brake und Esenshamm gibt es 17 Intensivbetten. Davon waren Mittwoch zehn und Donnerstag zwölf belegt. Covid-19-Patienten mussten auf den Intensivstationen der beiden Kliniken nicht behandelt werden. Mit den am Donnerstag insgesamt 65 aktiven Infektionsfällen stand die Wesermarsch zuletzt vergleichsweise gut da. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen ist indes am Freitag wieder auf 58,7 gestiegen (siehe Bericht Seite 1), nach 64,3 am 13. Oktober und 13,5 vor zwei Wochen.

Der Blick über die Grenzen des Landkreises hinaus zeigt, wie schnell es gehen kann, dass die Zahlen scheinbar nur noch eine Richtung kennen. Nach dem starken Anstieg der Infektionszahlen im Umland hatte sich der Sieben-Tages-Wert zuletzt auch in der Stadt Oldenburg innerhalb von nur gut zwei Wochen auf 102,3 verfünffacht.

Um die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten, hatte der Landkreis Wesermarsch in enger Abstimmung mit dem benachbarten St.-Bernhard-Hospital und in Zusammenarbeit mit dem DRK während des Corona-Lockdowns im Frühjahr in der ehemaligen Außenstelle des Gymnasiums Brake ein Behelfskrankenhaus eingerichtet. Das wird weiterhin vorgehalten. Dafür wurden die Klassenräume mit 40 Betten ausgestattet. Es handelt sich um übliche Krankenhausbetten, also nicht für Intensiv- oder Beatmungspatienten.

Mithilfe mobiler Container wurden darüber hinaus die benötigten Kapazitäten für die Anlieferung von Patienten und für Sanitäranlagen sichergestellt. Das Behelfskrankenhaus soll insofern im Bedarfsfall wegen seiner baulichen und medizinischen Struktur die Kapazität insgesamt erhöhen. Auf diese Weise können durch die Verlegung weniger schwer erkrankter Patienten freie Krankenhausbetten auf den Stationen im Haupthaus geschaffen werden.

Derzeit rund 90 zusätzliche Helfer

Gebraucht wurde das Behelfskrankenhaus bislang nicht. Das war nach Angaben von Martin Bolte vom Landkreis Wesermarsch nicht notwendig, da die regulären Krankenhauskapazitäten ausreichten. Eine Nutzung soll ohnehin nur erfolgen, wenn die Krankenhäuser in der Wesermarsch und Kliniken in der Region keine freien Kapazitäten mehr haben. Denn zu Beginn der Pandemie im Frühjahr haben sich Bolte zufolge die Städte Oldenburg und Delmenhorst sowie die Landkreise Ammerland, Cloppenburg, Oldenburg und Wesermarsch grundsätzlich über die Kapazitäten für den Bereich von Covid-19-Patienten verständigt. Bei der Frage nach verfügbaren Intensivbetten sei deshalb die regionale Situation zu betrachten.

Wesentlich für die medizinische Versorgung sind neben den verfügbaren Klinikbetten auch ausreichend Personal. Im Frühjahr hatten sich auf einen Aufruf von Landrat Thomas Brückmann hin binnen kürzester Zeit 77 freiwillige Helfer mit medizinischen Vorkenntnissen gemeldet, um – je nach Qualifikation – Ärzte, Krankenhäuser und Hilfsorganisationen im Bedarfsfall bei der medizinischen Versorgung und Pflege zu unterstützen. Seitdem stieg die Zahl der freiwilligen Helfer auf rund 90.

Freiwillige für Quarantäne-Einrichtung

Acht dieser Freiwilligen waren anfangs für den Betrieb einer Quarantäne-Einrichtung vorgesehen. Der Landkreis hatte sie vorbereitet, weil es zu Beginn der Pandemie keine Quarantäne-Möglichkeiten in den Alten- und Pflegeeinrichtungen im Landkreis gab und deshalb eine Zeit lang keine Neuaufnahmen möglich waren. Die Alten- und Pflegeheim schufen dann jedoch eigene Quarantäne-Möglichkeiten. Der Kreis der freiwilligen Helfer wurde auch angeschrieben, als die Kreisverwaltung jüngst nach Containment-Scouts zur Unterstützung des Gesundheitsamts bei der Rückverfolgung von Infektionsketten suchte.

223 Betten auf Intensivstationen stehen insgesamt in Oldenburg, Delmenhorst sowie den Landkreisen Ammerland, Cloppenburg, Oldenburg und Wesermarsch zur Verfügung. 28 von ihnen waren am Freitag mit Covid-19-Patienten belegt, 48 Intensivbetten waren frei. Sollte die Zahl schwer erkrankter Covid-19-Patienten in nächster Zeit stark ansteigen und das Bedarfskrankenhaus in Brake doch noch gebraucht werden, ist laut Martin Bolte alles so weit vorbereitet, dass es mit einem geringen Vorlauf in Betrieb gehen könnte. „Die freiwilligen Helfer stehen weiterhin zur Verfügung.“

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