Neu St. Jürgen

Gleich fünf Vereine vom Verkauf der Tennishalle betroffen

Als ob ihnen die Corona-Krise nicht schon genug Sorgen bereiten würde, erhielten mehr als 100 Abonnenten und Kunden des Tenniscenters Worpswede vor einigen Tagen die nächste Hiobsbotschaft per E-Mail.
15.04.2020, 09:51
Lesedauer: 4 Min
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Von Thomas Müller
Gleich fünf Vereine vom Verkauf der Tennishalle betroffen

Die Halle in Neu St. Jürgen mit ihren drei Spielfeldern will der neue Besitzer ab Mai als Geräteabstellhalle nutzen.

Thomas Müller

Neu St. Jürgen. Als ob ihnen die Corona-Krise unter anderem mit ihrem Sportverbot nicht schon genug Sorgen bereiten würde, erhielten mehr als 100 Abonnenten und Kunden des Tenniscenters Worpswede vor einigen Tagen die nächste Hiobsbotschaft per E-Mail: Die kommerziell betriebene Halle in der Jan-Weber-Straße in Neu St. Jürgen ist von ihrem bisherigen Besitzer Marcus Klahn verkauft worden – das Aus für den Tennisbetrieb. Training, Punktspiele, Turniere oder Verbandsmeisterschaften im Tenniscenter Worpswede gehören der Vergangenheit an. Betroffen ist beinahe eine Handvoll Vereine aus der Nachbarschaft: vor allem der örtliche TC Eiche Neu St. Jürgen, der TC Worpswede, der TC Grasberg sowie auch TC Falkenberg und TC Gnarrenburg. Alles Vereine ohne eigene Halle.

Dass der Verkauf der Halle samt angeschlossenem Wohn- oder genauer gesagt Betriebsleiterhaus jetzt perfekt ist, kam für einige etwas überraschend. Abgezeichnet hatte sich das Ganze schon länger. „Man kann Marcus Klahn keinen Vorwurf machen, er hat mit seiner Familie schon vor zwei Jahren entschieden, den ganzen Komplex zu verkaufen“, sagt Udo Grotheer vom TC Eiche Neu St. Jürgen. Dort war er 30 Jahre lang Sportwart, seit einem Jahr tritt er nur noch als Turnierleiter des Hamme-Wörpe-LK-Cups auf. Ihm täten besonders die Kinder und Jugendlichen Leid, die nun keine Trainingsmöglichkeit mehr in Neu St. Jürgen hätten.

Die Halle in Tarmstedt beispielsweise kommt Grotheers Worten zufolge als Alternative nur bedingt in Frage: „Das kann dort gar nicht alles aufgefangen werden.“ Auch andere Standorte wie Osterholz-Scharmbeck, Ritterhude, Beverstedt, Rotenburg oder Lilienthal – allesamt meist nur mit höherem Zeitaufwand zu erreichen – könnten den Bedarf kaum decken. Die attraktiven Abendstunden seien überwiegend ausgebucht, es blieben nur wenige Reststunden. Grotheer: „Da spielen tagsüber nur ein paar Rentner.“ Auch im Tenniscenter Worpswede sei es ja so gewesen, dass der lukrative Spielbetrieb nur von Mitte September bis Mitte April reiche, im Sommer gebe es dagegen nun mal keine Auslastung. „Davon kann kein Investor leben“, urteilt Grotheer.

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Es gab durchaus die Idee, dass die hauptsächlich betroffenen Vereine als Interessensgemeinschaft die Halle in Neu St. Jürgen kaufen sollten. Das zerschlug sich allerdings. Ebenso wie die Gespräche, die Klahn ab Sommer 2019 mit dem TC Worpswede führte. Es habe bereits konkrete Pläne gegeben für eine Übernahme ab 2020 „zu einem aus unserer Sicht fairen Preis“, so Marcus Klahn in seiner E-Mail-Info an seine Abonnenten. Im Januar habe der TC Worpswede mitgeteilt, dass er sich für einen Kauf außerstande sehe. Auch die Gespräche mit einer weiteren, kleinen Investorengruppe hätten zu nichts geführt. „Die Konditionen waren für uns nicht tragbar“, so Klahn in seiner E-Mail.

„Viele unserer mehr als 120 Mitglieder haben in Neu St. Jürgen trainiert und gespielt“, sagt Andreas Uphoff, 1. Vorsitzender des TC Worpswede. Deshalb habe man tatsächlich ernsthaft über einen Kauf der über 40 Jahre alten Halle mit ihren drei Spielfeldern nachgedacht. Laut Uphoff müsse man von einer Summe von ungefähr 400 000 Euro ausgehen. Selbst mit möglichen Zuschüssen hätte man das nicht stemmen können. „Dazu kommt, dass der Teppichboden erneuert werden muss“, so Uphoff, „allein dass dürfte mindestens 70 000 Euro kosten.“ Und die mit Öl betriebene Heizung sei auch mehr zeitgemäß. Einen anderen nicht zu unterschätzenden möglichen Kostenfaktor nennt Udo Grotheer: „Das Hallendach ist mit Asbestplatten gedeckt.“

Für Andreas Uphoff stellt sich sogar noch ein weiteres, grundlegendes Problem: Der ganze Komplex liege im Gewerbegebiet. Das sogenannte Betriebsleiterhaus, wo Klahn mit seiner Familie bis vor zwei Jahren selbst lebte, dürfe deshalb nicht separat als Wohnhaus vermietet oder verkauft werden. Klahn selbst mag zu dem Ganzen „nicht viel sagen“. Als aktiver Spieler beim TC Falkenberg habe er natürlich Verständnis für die Sorgen der Vereine: „Von Spieler zu Spieler gesehen ist der Verkauf natürlich schade.“ Wie die Halle ab Mai genutzt werde, wollte Klahn indes nicht verraten: „Dazu hat mich der Käufer nicht autorisiert.“ Nach Informationen der Sportredaktion soll das Gebäude ab Mai als eine Geräteabstellhalle genutzt werden.

Betroffen von der Hallenschließung ist auch jemand, der dort professionell arbeitet: Tennistrainer Frank Bösch. Meist so ab 16 Uhr gab er Unterricht, in der Woche zehn bis zwölf Stunden. Seine „Kunden“ kamen überwiegend aus den Vereinen Neu St. Jürgen, Worpswede und Grasberg. Ihm ist klar, dass sich seine Klientel wohl ändern wird: „Einige werden wegfallen, dafür kommen vielleicht andere dazu.“ Bösch hat deshalb sozusagen prophylaktisch drei Tage à drei Stunden in der Vier-Felder-Halle Tarmstedt geblockt. Fahrtechnisch ist es sogar die etwas günstigere Lösung: Bösch kommt aus Sottrum.

Noch ein weiterer Tennistrainer, Johannes Gildemeister, muss nun umplanen. Im Gruppentraining seien in der Woche in Neu St. Jürgen wöchentlich 15 Stunden zusammengekommen, dazu noch einige Einzelstunden. Insgesamt etwa 20. Das ließe sich nicht so ohne weiteres eins zu eins auf einen alternativen Standort übertragen. Gildemeister, der auch Kapitän der ersten Herrenmannschaft des TC Lilienthal in der Verbandsklasse ist, sieht die Lilienthaler Halle nur bedingt als Lösung: „Das wird schwierig, wir haben in Lilienthal ja viele Mitglieder.“ Die könne man nicht benachteiligen. Die Hauptzeiten im Winter auf den vier Feldern seien ohnehin schon dicht belegt. Für die Sommerrunde sähe es deutlich entspannter aus: Da ist der TCL mit neun Feldern ziemlich üppig ausgestattet. Aber wann auf denen wieder die Filzkugel fliegen darf, das ist ja auch noch fraglich.

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