Relative Dürre

Trockenheit macht Bremer Landwirten zu schaffen

Jürgen Schmidt, Meteorologe des Wetterkontor, spricht von einer "relativen Dürre" für die Region rund um Lilienthal. Der Truper Landwirt Wendelken bestätigt das vom Trecker aus. Und die Prognose?
23.05.2018, 15:56
Lesedauer: 3 Min
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Von Petra Scheller
Trockenheit macht Bremer Landwirten zu schaffen

Ganz schön staubig. Der Truper Landwirt Heiko Wendelken bereitet den Acker nach dem Pflügen zur Rübenaussaat vor.

Maximilian von Lachner

Landkreis Osterholz. Treibt die Esche vor der Eiche, bringt der Sommer große Bleiche. Grünt die Eiche vor der Esche, gibt's im Sommer große Wäsche. Der Lilienthaler Landwirt Heiko Wendelken kennt sich aus mit alten Bauernregeln. Seine Wetterprognose: Es bleibt trocken. Zu trocken. Für ein Foto schlägt der Truper seinen Acker an der Lilienthaler Umgehungsstraße vor. "Da lass ich den Sand für Sie rieseln. So trocken ist das", sagt er vor dem Ortstermin.

Noch ist es vielleicht zu früh für eine zuverlässige Wetterprognose. Doch der ablandige Wind aus Nord-Ost animiert Gartenbesitzer und Hobbygärtner landauf, landab zum Sprengen und Gießen. Allabendlich werden in der Region die Gartenpumpen angeschmissen oder Gießkannen befüllt – oft auch mit Trinkwasser. Bei den Landwirten gehen die Meinungen zum Thema Trockenheit auseinander: Heiko Wendelken ist es "überwiegend zu trocken" auf seinen Feldern rund um die Truper Blänken – doch er hat auch ein paar feuchte Ecken entdeckt.

Regelmäßig wässern

"Wir haben zum Teil noch mit dem Pflügen gewartet, bevor wir da rumschmieren", räumt er ein. Der Kreisvorsitzende des Osterholzer Landvolks, Stephan Warnken, beschreibt das Wetter-Szenario für die Region ebenfalls differenziert: "Für die einen ist es noch nicht trocken genug. Für die anderen hingegen schon viel zu trocken. Und in Uelzen laufen bereits die Beregnungsanlagen."

Jürgen Schmidt, Meteorologe beim Wetterkontor in Ingelheim am Rhein, hat die Region rund um Lilienthal wettermäßig fest im Blick. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst in Hamburg hat er die Niederschlagszahlen der Wetterbeobachtungsstation Worpswede/Hüttenbusch auf seinen Bildschirm geklickt. "Hm", sagt der Experte und spricht von einer "relativen Dürre". Das sei zwar noch kein Grund zur Beunruhigung, jedoch Grund genug, um regelmäßig zu wässern.

Seit Januar hat der ehrenamtliche Beobachter des Deutschen Wetterdienstes aus Worpswede/Hüttenbusch, Waldemar Hartstock, rund 231 Liter pro Quadratmeter Niederschlag gemeldet. "Das 30-jährige Mittel liegt bei 220 Litern", vergleicht Meteorologe Schmidt die Zahlen. Somit sei auf die vergangenen Monate betrachtet also alles noch im Rahmen. "Einerseits. Andererseits ist in den vergangenen zwei Wochen sehr wenig Regen geflossen." Am 1. Mai waren es gerade mal 3,5 Liter pro Quadratmeter. "Relativ wenig." Knapp zwei Wochen später stehen auf der Niederschlagstabelle einmal 0,1 Liter pro Quadratmeter, zwei Tage später noch mal 0,4 Liter. "Seitdem ist nix Größeres mehr gekommen", zieht der Experte Bilanz, dessen Job es ist, Zeitungen und Radiosender mit Wetter-Meldungen und Kartenmaterial zu versorgen. Und die Prognose? "Angekündigte Ostwinde verheißen weiterhin Trockenheit."

Schlechte Aussichten für Landwirt Heiko Wendelken also, der vom Trecker aus Ähnliches prognostiziert. "Die Esche trieb in diesem Frühjahr drei Wochen weit vor der Eiche", erinnert sich der Truper. Seine Vorhersagen beruhen allerdings auf Jahrhunderte alten Bauernweisheiten. Die Wetterdienste hingegen arbeiten vor allem mit Wetterdaten der vergangenen hundert Jahre.

"Wir Bauern waren schon von je her auf eigene Beobachtungen und Erfahrungen angewiesen", erklärt der Landwirt. "Eine alte Bauernregel besagt: Wo der Wind in der Quatemberwoche herkommt, kommt er im folgenden Vierteljahr oft her." Deshalb glaubt Wendelken, dass es weiterhin trocken bleibt. "Wir haben jetzt schon Mehlsand auf unseren Äckern – Sand wie aus der Sandkiste."

Lückenhafter Aufgang

50 Hektar bewirtschaftet der Lilienthaler zusammen mit seinem Vater. Im vergangenen Herbst konnten sie nicht aussäen, weil es zu nass war. Jetzt sei es bereits an vielen Stellen zu trocken. Fünf Hektar Hafer, vier Hektar Mais, Rüben und eine Kreuzung aus Roggen und Weizen hat Wendelken gerade ausgebracht. "Ich rechne mit einem lückenhaften Aufgang." Das heißt, mit einem geringen Ertrag. 14 bis 15 Euro bekommt der Landwirt für einen Doppelzentner Getreide. "Kommt nix bei raus", sagt er ein wenig resigniert.

Wendelken greift in den Sand – er bleibt bei seiner Prognose: zu trocken. Meteorologe Schmidt wiederum bleibt Optimist. "Vielleicht regnet es nach Pfingsten; das kann Ende kommender Woche schon ganz anders aussehen", sagt er.

Für die Grünlandwirte der Region wäre das allerdings von Nachteil. Stephan Warnken zufolge müssen die Landwirte im moorigen Grünland immer noch um Wasserlöcher herumfahren. Und für die Aussaat von Roggen und Gerste war es schon im vergangenen Herbst zu nass. Daher müsste jetzt die Sommergerste unbedingt rechtzeitig ausgebracht werden. "Das", betont Warnken, "war an vielen Stellen eine Herausforderung."

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