Imfpzentrum Es geht auch dezentral

Die Terminvergabe für das stationäre Impfzentrum in Verden ist gestartet. Die Kreisverdener CDU lobt das „Cloppenburger Modell“, das auf Dezentralität setzt.
05.02.2021, 17:02
Lesedauer: 3 Min
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Es geht auch dezentral
Von Jörn Dirk Zweibrock

Die Zeit der Besetztzeichen und Dauerwarteschleifen gehört der Vergangenheit an. „Ich habe gerade Impftermine für meine Schwiegermutter gemacht“, erzählte ein Bürger aus der Gemeinde Kirchlinteln am Freitagmittag. In der Tat – binnen weniger Minuten konnte auch ein Dörverdener über die Seite www.impfportal-niedersachsen.de Termine im stationären Impfzentrum (IZ) an der Lindhooper Straße 67a in Verden machen. Geburtsdatum eingeben, sich per SMS einen Zugangscode für das Portal zuschicken lassen und das Wunschdatum für den ersten Impftermin ab der siebten Kalenderwoche aussuchen – so einfach funktioniert das. Der Termin für die vier Wochen später folgende Zweitimpfung wird dann automatisch vom System erstellt. Die Terminbestätigung samt Anfahrtsbeschreibung erfolgt anschließend per E-Mail oder Post. Das auszufüllende Aufklärungsblatt zur Schutzimpfung gegen Covid-19 und den Anamnese-Bogen können technikaffine Menschen gleich herunterladen und somit den Ablauf im Impfzentrum beschleunigen.

Vielen über 80-jährigen Menschen und ihren Angehörigen aus dem Kreisgebiet fällt damit ein Stein vom Herzen. „Ich habe in den vergangenen Tagen insgesamt 96 Mal vergeblich die Hotline angerufen. Meine Tochter hatte schließlich beim 97. Mal Glück und konnte mich endlich auf die Warteliste setzen lassen“, erzählte ein Mitte 80-Jähriger von seiner Telefon-Odyssee der vergangenen Tage.

Auch beim früheren Landtagsabgeordneten Wilhelm Hogrefe (CDU) haben etliche Senioren angerufen und sich über das „Impf-Chaos“ im Land beschwert. „Niemand konnte ihnen helfen, weil die zuständige Landesministerin auf ein völlig bürgerfernes System der Anmeldung und der Terminvergabe besteht“, wetterte der Christdemokrat über den seiner Ansicht nach „bürokratischen Unsinn“. Dass es auch anders gehen könne, zeige das Beispiel des Landkreises Cloppenburg. Dort laufe die Anmeldung nicht über Hannover, sondern über die Städte und Gemeinden, weiß Hogrefe. „Alle über 80-Jährigen wurden im Vorfeld von ihrer Heimatgemeinde angeschrieben und konnten der Verwaltung dann mitteilen, ob sie geimpft werden möchten. Nach der Terminvergabe werden die Cloppenburger Senioren von einem mobilen Impfteam in ihrer Heimatgemeinde geimpft“, schilderte Hogrefe.

Bereits zu Beginn des Jahres habe er sich gemeinsam mit Adrian Mohr, Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, dafür eingesetzt, dieses „bürgernahe Verfahren“ auch auf den Landkreis Verden zu übertragen. „Nur in Hannover war man anderer Ansicht. Dort wird nach wie vor auf eine zentrale Anmeldung bestanden“, monierte Hogrefe.

Im Kreis Cloppenburg bringen die mobilen Impfzentren den Impfstoff gegen Covid-19 an den Wohnort von über 80-jährigen Menschen, die nicht in einem Senioren- oder Pflegeheim leben. Die dezentralen Impfungen finden in allen 13 Städten und Gemeinden des Landkreises statt, beispielsweise in Sporthallen oder in Gebäuden, in denen sonst Blutspenden abgehalten werden.

Wurde der Landkreis Cloppenburg eigentlich als Pilot-Region vom Land ausgewählt oder hat er sich selbst ins Spiel gebracht? „Wir haben uns das überlegt und nach Hannover kommuniziert, von wo aus es abgesegnet wurde“, freute sich Cloppenburgs Kreissprecher Frank Beumker über die Vorreiterrolle in Niedersachsen. Und weiter: „Unsere Senioren finden das super. Wir warten jetzt bloß schon drei Wochen auf den Impfstoff für die Erstimpfungen – und genau das ist die Krux an der ganzen Sache.“

Für Wilhelm Hogrefe ist das „Cloppenburger Modell“ ein Schritt in die richtige Richtung, ein Schritt auf dem Weg zu mehr Praxisnähe. „Im Grunde sollten doch die älteren Menschen, die nicht mit modernen Medien umgehen können, von den örtlichen Behörden und ihrem Hausarzt an die Hand genommen werden, wenn es um die Impfung geht“, sagte Hogrefe und würde sich wünschen, dass auch in Verden mobile Impfteams in die Dörfer kommen.

Die heimische Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth von der SPD sieht dies hingegen anders: „Der Vorteil unseres Verdener Impfzentrums ist, dass es verkehrstechnisch gut erreichbar ist und es Wartebereiche mit Abständen bietet. Das kann leider nicht jedes Dorfgemeinschaftshaus leisten. Ob wir ergänzend zum Impfzentrum dezentrale Lösungen im Kreis brauchen, hängt auch davon ab, wann ein unempfindlicherer Impfstoff zur Verfügung steht, mit dem in den Arztpraxen geimpft werden kann. Das Impfen in den Arztpraxen wäre auch eine gute dezentrale Möglichkeit.“ Liebetruth hat sich nach eigenen Worten bei der Landesregierung dafür eingesetzt, dass sich Senioren auch online auf die Warteliste für das Verdener IZ setzen lassen können.

Ganz wichtig: Neben der Terminbestätigung und ihrem Lichtbildausweis sollten Impflinge übrigens auch ihren Impfpass mit zum Termin bringen.

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